Würselen ist kein Schwerpunkt für Kriminalität

Von: Jule Klieser
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Unterhaltsam und interessant: Im Pfarrheim St. Marien stand Polizeipräsident Klaus Oelze (l.) dem Publikum und Moderator Dr. Matthias Wendt Rede und Antwort. Foto: Jule Klieser

Würselen. Wenn einer Reklame für die Polizei und den Polizeiberuf machen sollte, dann könnte das nur der Aachener Polizeipräsident Klaus Oelze sein. Der Mann hat humorvolle Plaudereien genauso auf Lager wie sachliche Informationen, mit denen er die Fragen aus dem Publikum bei „Schwarz auf Weiß“ im Pfarrheim St. Marien beantwortete.

„Wie wird man Polizeipräsident?“, leitete Moderator Dr. Matthias Wendt die Diskussionsveranstaltung ein. Vielleicht wolle jemand im Saal dieses Amt noch anstreben. „Ach, das ist das Geräusch, das ich an meinem Stuhl höre“, konterte Oelze, und schon hatte das Duo auf dem Podium seine Zuhörer für sich gewonnen, denn es brach Heiterkeit aus unter den 50- bis 70-Jährigen.

In launiger Weise schilderte Oelze seinen beruflichen Weg vom Studium an, den er offenbar in aller Ruhe und entspannt gegangen ist. Ursprünglich hatte er ein Germanstik-Studium angefangen, bald jedoch zur Juristerei gewechselt. „Ich komme aus einer ziemlich kleinbürgerlichen Familie und hab‘ gedacht, was sind die klassischen Berufe? Verwaltung würde mir Spaß machen“, erinnerte sich der aus Niedersachsen Stammende. Bezirksregierung Düsseldorf, Innenminister-Büro und wieder Bezirksregierung, dort in ganz verschiedenen Sachbereichen, das waren seine Stationen, bis er im Dezernat der Autobahnpolizei mit der Polizeiarbeit in Kontakt kam.

Da Aachen ihm und seiner Frau sehr gut gefiel, folgte Oelze dem Ruf in die Kaiserstadt. Weil jedoch die beiden damals halbwüchsigen Kinder nicht aus ihrem Umfeld gerissen werden sollten, blieb die Familie in Neuss – bis heute. Soweit das Private.

Anfang April stünden die Neonazi-Demos wieder an, wechselte Oelze zu einem weniger erfreulichen Thema. Der Polizeipräsident möchte die Nazi-Aufmärsche verbieten, doch „es ist schwer damit umzugehen“ – selbst für einen erfahrenen Juristen. Der jüngste Schachzug der Rechtsextremen sei, dass sie ihre Demo als Partei „Die Rechte“ angemeldet hätten.

Oelze sprach über die Personalsituation bei der Polizei, mindestens 100 Polizisten mehr hätte er schon gern. „Das ist wie bei einem Tischtuch, man zieht hier, doch dann habe ich da hinten wieder eine Stelle nackig.“

Obwohl selbst kein ausgebildeter Polizist, verrät Oelze immer wieder seine Hochachtung gegenüber dem Beruf. „Ich habe ungeheuer gut ausgebildete Poizisten, die sich immer bemühen, dem Bürger gerecht zu werden“ und: „Ich bin ungeheuer stolz darauf, dass sie so professionell arbeiten, obwohl sie oft mit widerlichen Worten beschimpft oder mit Respektlosigkeit behandelt werden“. Er glaubt, „dass die Polizei einen guten Ruf hat, vor allem auch in Aachen“.

Bis 2020 sollen 1800 Stellen bei der Polizei abgebaut werden, erwähnt der Moderator. „Es gibt Gutachter, die sagen, die Kriminalität nimmt ab“, antwortet Oelze diplomatisch. Darauf lachen die Zuhörer. Oelze: „Ich sage, die Bevölkerung wird älter, und die Alten sind nicht so die großen Verbrecher.“ Doch gewisse Erfahrungen sprächen dafür, dass ältere Menschen auch mehr Polizei bräuchten, weil sie mehr Ängste entwickelten. „Aber Sie wissen, wie es um den Haushalt bestellt ist, Personal kostet unsäglich viel Geld.“

Ob er sich ehrenamtliche Helfer bei der Polizei vorstellen könnte, lautet eine Frage aus der Zuhörerschaft. „Die gibt es schon in Bayern und Hessen. Ich möchte es aber nicht, es geht für mich ganz nah an die Bürgerwehr, und die halte ich für eine gefährliche Sache.“ Polizeiarbeit sei so hoch verantwortlich, dass sie nur professionell geleistet werden könne. Nur dann bekomme sie auch die Akzeptanz der Bürger. „Wenn wir als Staat nicht mehr die innere Sicherheit gewährleisten können, fragen sich die Bürger: Wofür haben wir dann den Staat?“

Mit dem Thema „Flüchtlinge“ sei sorgsam umzugehen, mahnte Oelze. Er könne Ängste von Anwohnern verstehen, wenn Flüchtlinge in der Nachbarschaft einquartiert werden, doch man sollte seine eigenen Bedenken stets kritisch hinterfragen. „Die so genannten Wirtschaftsflüchtlinge kommen nicht, um Straftaten zu begehen, das sind andere. Die Straftäter kommen, sammeln ein, gehen wieder.“ Ob Würselen ein Schwerpunkt von Kriminalität sei, wollte jemand wissen. „Kurz geantwortet: nein“, sagte Oelze.

Es habe aber jüngst einen Fall von Vandalismus gegeben, gab Wendt zu bedenken. „Natürlich gibt es Straftaten, aber Würselen ist kein Brennpunkt“, versicherte der Polizeipräsident. Es könne sein, dass es in Roetgen, Monschau und Simmerath noch eine Runde ruhiger zugehe. „Hier gibt es industrielle Hinterlassenschaften, das heißt, es sind andere soziale Zusammenhänge als in Roetgen oder Simmerath.“

Niemand könne die um sich greifenden Metalldiebstähle zum Beispiel von Friedhöfen wegreden, und das finde niemand gut. „Ein krimineller Brennpunkt ist trotzdem was anderes.“

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