Wohngruppe für Jugendliche: Ort zum Ankommen und Ruhe finden

Von: Verena Müller
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In der Wohngruppe mit den Jugendlichen: Praktikantin Anna Lena Mertens (r.), die Leiterin des Hauses Sabine Hermanns (l. daneben), SkF-Leiter Dieter Forth (Mitte), Hauswirtschafterin Elke Kupka (2.v.l.), Teamer Klaus Reinartz (l. stehend) und Eva Maria Derichs vom Vorstand des SkF. Foto: vm

Alsdorf. Acht junge Leute sitzen im Esszimmer zusammen, erzählen, lachen, es gibt Tee und selbstgebackenen Kuchen. Die Stimmung ist entspannt, freundlich, man geht sehr höflich miteinander um. Sieben der Jugendlichen stammen aus Afghanistan und sind ohne ihre Eltern nach Deutschland geflohen.

Eine, die mit am Tisch sitzt, war nur Gast hier und hat heute ihren letzten Tag. Sie sei ein bisschen traurig, sagt sie, die drei Wochen seien viel zu schnell rumgegangen. Anna Lena Mertens hat ein Praktikum in der insgesamt zehnköpfigen, vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) geführten Wohngruppe absolviert, die Anfang Dezember vergangenen Jahres eingerichtet wurde.

Die Stadt Alsdorf hatte im Herbst insgesamt 26 minderjährige Menschen zugewiesen bekommen, die ohne Begleitung waren. Die zehn Jugendlichen, die nun in der ehemaligen Hausmeisterwohnung untergebracht sind, waren zum Großteil gemeinsam den Weg nach Deutschland gegangen und wollten nicht getrennt werden. Pflegefamilien oder Heimplätze kamen deshalb nicht in Frage.

Und so hat das Jugendamt recht schnell eine Lösung gefunden. Die Einrichtung inklusive der Küche stammt aus Spenden, der Träger, der SKF, ist rund um die Uhr vor Ort, um für die teils traumatisierten Flüchtlinge da zu sein. Sie sind zwischen 14 und 17 Jahre alt, stammen aus drei unterschiedlichen Regionen, sprechen sogar verschiedene Sprachen und haben stark voneinander abweichende Bildungsniveaus. „Manche müssen noch alphabetisiert werden, andere könnten theoretisch bald ein Studium aufnehmen“, sagt Sabine Hermanns, die das sogenannte Clearinghaus leitet.

Der Name deutet es schon an, an dem Ort geht es nicht alleine darum, den Jungs für ein paar Monate oder länger ein Dach über dem Kopf, eine warme Mahlzeit und eine Struktur zu geben, bis ihr Asylstatus und weiterer Werdegang feststehen. „Gesundheits-Check-Up, die Klärung der Fluchgeschichte und des familiären Hintergrunds, ob zum Beispiel eine Familienzusammenführung möglich ist, gehören auch dazu“, erläutert Hermanns. Und ist letztgenanntes möglich? „Bisher nicht, nein“, sagt Hermanns. Man wisse nur, bis auf zwei Fälle, wo die Eltern seien. Zum Teil noch in Afghanistan.

Wichtig sei es auch, den Jugendlichen eine Anschlussperspektive zu geben. Intensiver Deutschunterricht ist da nur ein Punkt. „Denkbar ist, dass die Älteren bald eine eigene Wohnung bekommen oder in eine WG ziehen können“, sagt Hermanns, aber davon sei noch nichts spruchreif. Nicht einmal, ob bald ein Schuleinstieg oder eine Ausbildung möglich ist. „Für die Jugendlichen ist es gar nicht so leicht, sich zu gedulden. Die wollen unbedingt weiterkommen und sich integrieren“, sagt Hermanns. Und so konzentrieren sich manche neben dem Spracherwerb erst einmal auf Sport. Cricket ist eine Leidenschaft von einigen, Tradition in der Heimat. „Ein Junge möchte gerne Kindern in einem Verein Cricket beibringen“, erzählt Hermanns. Da sei man noch auf der Suche. Andere lieben Fußball – und vielleicht bald auch das Radfahren. Denn der SKF will ihnen jenes beibringen, auch, um ihnen die Verkehrsregeln leichter vermitteln zu können.

Und wie gefällt es den Jungs hier? Gut, sagen sie. Die Menschen würden hier so viel lächeln und man könne sich frei bewegen, ohne dass man von jemanden angesprochen werden, der sagt: „Was hast Du hier verloren? Geh wieder nach Hause!“

Auch wenn man das auf den ersten Blick nicht glauben mag: Hart seien für die Jugendlichen oft die Nächte, erzählt Hermanns, dann käme vieles wieder hoch. „Deshalb ist es auch gut, dass auch nachts jemand hier ist“, sagt sie.

In der Städteregion soll bald ein weiteres Clearinghaus entstehen, in Kooperation mehrerer Jugendämter. In ein paar Wochen sollen Ort und Träger feststehen.

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