Wohnbebauung: Bewohner fürchten um die ländliche Idylle

Von: Günther Sander
Letzte Aktualisierung:
In der Ankerstraße: Heute noc
In der Ankerstraße: Heute noch Gewerbe, bald schon ein riesiger Wohnkomplex, der im Vorfeld bereits für Ärger sorgt.

Würselen. „Ich bin hierher gezogen weil ich dachte, ländlichen Charakter und Ruhe vorzufinden”, machte eine Dame in der Bürgerversammlung im großen Sitzungssaal des Rathauses ihrer Enttäuschung über das geplante Wohnbauprojekt in der Ankerstraße Luft.

Was dort entstehen soll, werde keine Ruhe aufkommen lassen, eher großen Ärger mit sich bringen. „Bei 27 Wohneinheiten sind erhebliche Probleme vorprogrammiert”, ließ sie in Richtung Verwaltung wissen.

Die rund 60 Bürger brachten ihre Bedenken auf den Punkt: Die Idylle in der Ankerstraße sei in Gefahr. Selbst nach Abspeckung der Planungen könne man noch kein Licht am Ende des Tunnels sehen. Weiterhin gelte, die Hausaufgaben „ordentlich” zu machen, denn der Bebauungsplan in jetziger Form habe ein „bitteres Gschmäckle”, das sauer aufstoße.

Petra Bloms-Funke sprach für die Anwohner und sagte, man habe nichts gegen eine Bebauung, aber „die Rahmenbedingungen” müssten stimmen, will heißen, die Proportionen verträglich sein, „für beide Seiten”. Kurzum: Dieser Plan sei längst schon ins Gerede gekommen.

Baukörper anpassen

Hans Carduck, Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, moderierte die Veranstaltung, in der Planungsamtsleiter Manfred Schmitz-Gehrmann Rede und Antwort stand. Der wusste zu berichten, dass nach Paragraf 34 Bundesbaugesetz eine Wohnbebauung nur Sinn mache, wenn sich der Baukörper der Umgebung anpasse. Das jetzt auf dem Grundstück befindliche Gewerbe (Autohandel, Büro, Halle) würde auch Lärm verursachen, worauf es Kopfschütteln und Schmunzeln aus der großen Runde gab. Schmitz-Gehrmann beruhigte aber, noch sei nichts endgültig, es folge eine Offenlage, sodass noch Bedenken und Anregungen angebracht und in den Plan mit eingebaut werden können. „Wir befinden uns also noch im Planungsstadium.” Erste Eingaben der Bürger seien bereits in dem neuen Entwurf berücksichtigt worden.

Das Bauorganisationsbüro Heinz J. Schüller erläuterte den Entwurf im Detail. Das neue Objekt werde nicht höher werden, als die Höhe der Häuser in nächster Umgebung, so Schmitz-Gehrmann. Aber, die Umgebung sei nicht nur die Nachbargegend.

Nachbarschaftliches Gefüge

Den Bürgern schmeckte das ganze Argumentieren und Festhalten am Paragrafen 34 nicht, sie möchten lediglich, dass in dieser Gegend beim Bauen „mit gleichem Maß gemessen werde”. Das derzeit in der Nähe noch im Bau befindliche Gebäude sei bereits Ärgernis genug. Der Bebauungsplan werde vieles regeln, meinte Schmitz-Gehrmann. Petra Bloms-Funke begrüßte die lebhafte Diskussion. Knackpunkt sei eben das Ausmaß und die Art der Bebauung. „In dieser Straße existiert nachbarschaftliches Gefüge, das soll auch so erhalten bleiben”, forderte sie und betont, das sei das gemeinsame Anliegen aller.

Den Anwohnern liegt die dreieinhalb-geschossige Bauweise schwer im Magen. Eine Überbesiedlung auf konzentrierten Flächen wird etwa befürchtet, außerdem sei ein Park-Chaos zu erwarten, da für den neuen Komplex nur eine Tiefgarage vorgesehen sei. Da werde es eng auf der Straße, beispielsweise wenn Besuch erwartet werde, der in andere Straßen ausweichen müsse, um parken zu können. Der Investor sichere sich eine gute Geldanlage, die Stadt rechne mit einer neuen Steuerquelle, sagte man unserer Zeitung zu Beginn der Veranstaltung. „Dieser Klotz passt nicht in unserer Umgebung, hier soll der vorhandene Baustil beibehalten werden.”

Im Klartext: Bauen ja, aber mit Augenmaß, zweieinhalbgeschossig. Kleine Häuser würden regelrecht von dem Koloss erdrückt, erhebliche Verschattungen seien zu erwarten. Besonders, wenn auf dem Dach womöglich eine Solaranlage installiert werde. Von einer Wertminderung der jetzigen Häuser und der gesamten Straße war gar die Rede. Hans Carduck: „Unsere Stadt muss wachsen, in Einklang kommen. Das wollen wir ja.” Jetzt gelte es, Argumente zu sammeln und auszuwerten.

Was nun diskutiert worden sei, sehe vielleicht im endgültigen Bebauungsplan schon ganz anders aus, beruhigte Manfred Schmitz-Gehrmann abschließend. Man sei bemüht, den Wünschen der Bürger nachzukommen. Der Bebauungsplan werde regeln, wie was gebaut werden könne.
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