Wohnbauflächen werden stark vermisst

Von: Georg Pinzek
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Verkehrsentlastung gefordert:
Verkehrsentlastung gefordert: Durch Linden-Neusen rollen rund 8900 Kraftfahrzeuge am Tag über die Landstraße 136. Das sind zu viele, darin sind sich Anwohner, Politik und Verwaltung in Würselen Foto: Georg Pinzek

Würselen. Wenn das keine Empfehlung für den Würselener Stadtteil Linden-Neusen ist? „Es ist ein beliebter Wohnort, da er eine sehr gute Infrastruktur bietet.” Das schreibt der Arbeitskreis „Infrastruktur in Linden-Neusen” - und der muss es ja schließlich wissen.

Zu den Standortvorteilen zählen Kindergarten, Grundschule, Heilig-Geist-Gymnasium, Ärzte, Apotheke, Banken, Bäckerei, Metzger, Friseur, Anwälte, Gymnastikstudio, Steuerberater, Hausmeisterdienste, Fotografen, Blumengeschäfte und so weiter. Die Liste der Pluspunkte des Doppelortes, der mit der Backwarenfabrik Kronenbrot einen der größten Arbeitgeber der Stadt beheimatet, erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Unter die Lupe genommen

Die Top-Lage macht nach Ansicht der heimatverbundenen Linden-Neusener auch die gute Verkehrsanbindung aus - samt Autobahn und Flugplatz ganz in der Nähe. Einkaufsmärkte und Gewerbegebiet Aachener Kreuz sind zügig zu erreichen. Mit dem Bus ist man sogar in 30 Minuten in Aachen. Auch die geplanten Haltestellen der Euregiobahn in Begau, St. Jöris und Merzbrück sind quasi vor der Haustür. Der Arbeitskreis (AK), der sich im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft” gebildet hat, sorgt sich aber um die künftige Entwicklung des Ortes. Den seit immerhin 2003 in der Aufstellung befindlichen Flächennutzungsplan (FNP) der Stadt Würselen, der bis Ende 2011 im Entwurf offenlag, hat der AK unter die Lupe genommen und in seinen Augen ein maßgebliches Manko entdeckt.

Vermisst wird im Plan die Ausweisung von Baureserveflächen. Mit der Einschätzung steht der AK-Infrastruktur nicht alleine. 200 Unterschriften haben die Verantwortlichen in Kürze gesammelt und im Rathaus bereits abgegeben. Dort wird am kommenden Donnerstag, 17.30 Uhr, im Ausschuss für Stadtentwicklung, Straßenbau, Umwelt und Verkehr über den FNP beraten. Wie dringend nötig Reserveflächen für den Wohnungsbau seien, belegt der AK mit der Feststellung, dass dort keine Baugrundstücke zu kaufen sind.

Verwaltung begründet Absage

Die Stadtverwaltung dämpft unterdessen die Erwartungen auf eine entsprechende Planänderung mit einer ausführlichen Stellungnahme, die sie der Politik vorgelegt hat. Darin heißt es unter anderem: In Linden-Neusen sei eine Wohnbaufläche südlich der Broicher Straße (L 136) im FNP nicht mehr dargestellt. Es handelte sich um eine 1,6 Hektar große Fläche. Die Erschließung der Brache beziehungsweise Grünlands sei schwierig, da auf dem Gelände Abbrüche von einer ehemaligen Grube vorhanden seien.

Die Erschließung müsste von der L 136 erfolgen, eine Zustimmung des Landesbetriebs Straßen-NRW sei aber nicht zu erwarten. Die zweite entfallene, wesentlich kleinere Fläche nördlich der L 136 sei nicht erschließbar und liege im Landschaftsschutzgebiet. Eine dritte Fläche ist nördlich der Brotwarenfabrik entfallen. Statt Mischbaufläche ist Gewerbegebiet dargestellt. Die gewerbliche Baufläche solle der Firma als potenzielles Erweiterungsgebiet zur Verfügung stehen. Das sei zur Bestandsicherung erforderlich.

Der FNP sei aus dem Gebietsentwicklungsplan (GEP) 2003 zu entwickeln. Der von der Bezirksregierung Köln aufgestellte GEP stelle Linden-Neusen nicht als Siedlungsbereich dar. Das solle zwar die weitere Entwicklung der Ortschaften im Rahmen der Bauleitplanung nicht verhindern, aber Erweiterungen kommen nur in Betracht zur Bestandssicherung und zur städtebaulichen sinnvollen Abrundung. Der Bedarf müsse anhand der natürlichen Bevölkerungsdichte und Belegungsdichten nachgewiesen werden.

23 Prozent sind über 65

Die Nachfrage beim Einwohnermeldeamt belege, dass sich in Wohnvierteln aus den 60er und 70er Jahren in den nächsten Jahren ein Generationenwechsel vollziehen werde. Das bedeute, das in Gebieten mit hoher Altersstand in den folgenden Jahren Grundstücke und Wohngebäude dem Wohnungsmarkt zur Verfügung stünden.

Linden-Neusen hatte zum Stichtag 20. Dezember 2011 1883 Einwohner, davon sind 435 über 65 Jahre alt (23 Prozent). Der Wohnbauflächenbedarf könne innerhalb der Ortslage gedeckt werden. Neue Wohnbauflächen östlich von Linden-Neusen würden aus diesem Grund bei der Bezirksregierung, die den FNP genehmigen muss, nicht durchsetzbar sein.
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