Wochenmärkte im Wandel der Zeit?

Von: Holger Bubel
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Fast schon eine alte Tradition: Das Angebot an frischem Gemüse und Obst decken Händler wie Stefan Scheidtweiler – seit 30 Jahren Marktbeschicker in der Region. Foto: Holger Bubel
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Preiswerte Kleidung, Uhren, Sonnenbrillen: Non-Food-Stände wie diese finden aber offenbar auch ihre Kundschaft. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Auf Trödelmärkten kennt man sie ja schon: die Anbieter von billigen, häufig kunterbunten Kleidungsstücken, Landesfahnen, Tüchern und Sonnenbrillen. Inmitten von vermeintlich Antikem verkaufen sie in der Regel minderwertige Importware zum Dumpingpreis. Und können davon wohl gut leben, denn ihre Zahl steigt.

Zunehmend „erobern“ diese fliegenden Händler jetzt aber auch die Wochenmärkte, drängen die Anbieter von frischen Lebensmitteln wie Fleisch, Wurst, Käse, Fisch, Brot oder Obst und Gemüse – so wie man es von Marktbeschickern „aus der guten alten Zeit“ noch kannte, als ein Marktbesuch auch dem geselligen Austausch galt – an den Rand.

„Das hier hat mit Markt wenig zu tun, das erinnert eher an einen Klamottenladen“, sagt auch Heinz Hennes, der an einem von gerade einmal drei Frischwaren anbietenden Ständen auf dem Wochenmarkt in Mariadorf am Mittwochmorgen sein Fleisch kauft. Dem widerspricht auch Jaqueline Feltes nicht, die ihm die Ware hinter der Theke ihres Verkaufswagens einpackt und „noch was drauf legt“: „Man hat hier eher den Eindruck, dass man auf einem Basar ist“, legt sie mit kritischem Blick hinüber zu den „Kollegen“, die auf ihren Tapeziertischen billige Sonnenbrillen und Plastikartikel anbieten, dann auch verbal noch einen drauf.

Einigkeit herrscht: „Früher war das hier besser. Doch seit der Discounter da ist, lohnt es sich kaum noch, den Stand aufzubauen.“ Da stimmt selbst ein Anbieter der kunterbunten Kleidungsstücke zu: „Hier sind alle abgehauen, nur die Konkurrenz zu meinem Warenangebot hat zugenommen“, sagt der in Mariadorf lebende Händler.

Wann der Markt tot sein wird? „Keine Ahnung, aber dahin wird die Entwicklung wohl irgendwann führen“, mutmaßt er. Tatsächlich haben sich wohl schon einige Beschicker vom Neuen Markt bereits aufgemacht in Richtung Mariadorfer Dreieck, um dort seit dem Bestehen des Nahversorgungszentrums ihr Glück im Schatten von Aldi, Edeka, Lidl und Co. zu versuchen. „Gut laufen soll es da aber auch nicht“, hat Jaqueline Feltes in Gesprächen mit den ehemaligen Standnachbarn erfahren.

Gut zu laufen scheint es aber immerhin bei Stefan Scheidtweiler. Seit 30 Jahren reist er mit seinem gut bestückten Sortiment an frischem Obst und Gemüse durch die Region. An seinem Stand ist „gut zu tun“, auch am Neuen Markt. Das gilt ebenfalls an den Markttagen in Baesweiler, Setterich oder in Alsdorf-Mitte auf der Annaplatte – direkt neben dem Kaufland.

Ist das für einen Obst- und Gemüse-Händler nicht eine gewaltige Konkurrenz? „Nein“, sagt Scheidtweiler, „viele Kaufland-Kunden holen ihre frischen Produkte an meinem Stand. Besonders Kartoffeln und Äpfel gehen dort sehr gut.“ Und weil es für ihn an diesem Standort gar nicht so schlecht läuft, ist er auch gar nicht begeistert von der Idee, den Markt von der Annaplatte auf den Denkmalplatz zu verlegen, wie es von der Verwaltung und einigen Kommunalpolitikern immer wieder angeregt wird: „Davon halte ich nichts. Bürgermeister Alfred Sonders will mit allen Mitteln, dass wir dahin gehen. Aber im Moment ist der Denkmalplatz einfach noch zu unattraktiv“, sagt Scheidtweiler.

Schließlich sei man vor Jahren noch zur Aufwertung der Annaplatte eben dorthin bestimmt worden, erinnert er sich: „Man kann einen Markt auch durch ständiges Umziehen kaputt machen“, sagt er. Und hin- und herziehen, das mussten Marktbeschicker in Alsdorf häufig. Am Neuen Markt in Mariadorf wurden sie während des Baus des Discounters an den Rand gedrängt, dort, wo sie lange Zeit ein Alleinstellungsmerkmal hatten. In Alsdorf-Mitte waren sie einst am Rathaus beheimatet. „Das war super“, sagt Stefan Scheidtweiler. Eine Zeit lang boten sie dann ihre Waren auf dem Zentralparkplatz an. „Das war Mist“, sagt Stefan Scheidtweiler. Und jetzt zum Denkmalplatz?

Die „letzten Aufrechten“ – Stefan Scheidtweiler, Jaqueline Feltes und auch Therese Schott (die seit 20 Jahren polnische und schlesische Wurstspezialitäten verkauft) – sind sich einig: „Statt solchen Ideen nachzugehen, sollte die Verwaltung mehr Energie investieren, um die Palette von Anbietern aufzuwerten.“ Das, so sagen die Händler, würde die Märkte attraktiver und zu Magneten in den Städten machen – und sie somit auch aufwerten.

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