Alsdorf - Wo Bücher Freunde fürs Leben werden

Wo Bücher Freunde fürs Leben werden

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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„Die Wölfe in den Wänden”. Das ist derzeit das Lieblingsbilderbuch der vierjährigen Felicia. In dem blättert sie gern, wenn sie es sich mal wieder im Schmökersessel der Alsdorfer Stadtbücherei bequem macht. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Dass es in ihrem Lieblingsbuch recht gruselig zugeht, hat die vierjährige Felicia noch gar nicht bemerkt. Lesen kann die Kleine schließlich noch nicht. Sie mag es einfach, die großen Bilder zu betrachten. Vergnügt sitzt sie da, die Beinchen angezogen, ihre Schuhe liegen vor dem weichen Ohrensessel in der Alsdorfer Stadtbücherei. Was da passiert, ist eine Bindung.

Die Erfahrung, dass es etwas Schönes ist, ein Buch in Händen zu halten und darin zu blättern. „Die Wölfe in den Wänden” heißt das Buch, das die Kleine stets als erstes aus dem Regal zieht, wenn sie die Stadtbücherei besucht. Dort ist sie oft zu Gast, wie viele andere Kinder auch. Während bundesweit die Zahl der Leser sinkt, steigen in Alsdorf die Ausleihzahlen kräftig. Dank einer intensiven Leseförderung.

114.000 Medien sind im vergangenen Jahr dort über die Theke gegangen, gut 14 Prozent mehr als noch in 2007. Dabei hat jüngst die Stiftung Lesen Alarm geschlagen: Jeder vierte Deutsche lese gar keine Bücher mehr, auch die Zahl der Gelegenheitsleser sei stark rückläufig, heißt es in der ersten Studie der Stiftung seit acht Jahren.

Ist das wirklich so? Falls ja, ist das auf der ersten Etage in der Alsdorfer Stadthalle nicht spürbar. Rund um die „Hoppetosse”, das große Leseschiff im Kinderbüchersaal, wuselt es beizeiten regelrecht. Dort stehen Knirpse an den Kisten mit Bilderbüchern, ältere Kinder sind auf der Suche nach Abenteuern der „Wilden Kerle” oder Fantasyromanen à la „Tintenherz”.

Aus Alt macht Neu

Alle vier Wochen kommen die Zwillinge Thomas und Stefan dorthin. „Wir bringen gelesene Bücher zurück und nehmen immer auch neue mit”, sagt ihre Mutter Conni Rövenich. Andernfalls würden ihre vierjährigen Jungs prompt rebellieren. „Sie mögen das einfach, sich abends noch Bilderbücher anzuschauen oder von mir etwas vorgelesen zu bekommen.” Vorlesen - das ist das Stichwort.

Der Köder. Das Erfolgsrezept der Bücherei. Regelmäßig besuchen ehrenamtliche Vorlesepaten die Bücherei und baden die Kinder in Sprache. Lassen sie eintauchen in Geschichten. Oft sitzen 20, 30 Kinder vor ihnen und lauschen. Und es sind nicht immer nur dieselben Zuhörer, die wiederkommen und vielleicht vom Hörer zum Leser werden. Auch Lesungen für ganze Schulklassen gibt es dort und Besuche von namhaften Autoren, etwa dem deutsch-türkischen Kinderbuchautor Yücel Feyzioglu.

Das alles, um Kinder möglichst früh ans Buch zu binden. Eine gewichtige Rolle spielt dabei der „Buchpaten”-Förderverein, der der Bücherei das ermöglicht, was in einer finanziell klammen Kommune sonst nicht machbar wäre: neue, attraktive Bücher anzuschaffen.

Die sind gefragter denn je, denn auch die wirtschaftliche Entwicklung beschert der Bücherei neue Leser. Leiterin Angela Silberberg-Schön: „Wir haben viele Familien, die mit ihren Kindern kommen, weil sie sich den Kauf von Büchern einfach nicht leisten können. Bis zu 20 Euro für ein gutes Kinderbuch sind schon viel Geld.”

Aussicht auf Gewinne

So manchen Jungleser hat auch die Aussicht auf Gewinne der Bücherei beschert. Zum zweiten Mal gab es im vergangenen Jahr die Aktion „Ferienschmökerbande”.

Kinder, die während der Sommerferien möglichst viele Bücher gelesen und Fragen dazu beantwortet hatten, wurden mit Preisen belohnt. Auf den Geschmack ist so mancher gekommen. „Einige Neuanmeldungen”, sagt Angela Silberberg-Schön, hatte es anschließend gegeben.

Dicht beieinander

Den Weg zum Buch findet manches Kind über Hörspiele, DVD & Co. Längst stehen auch digitale Medien in den Regalen. Pippi Langstrumpf als Film neben der Hörspielfassung neben dem Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren. Die Bibliothekarin scheut dieses Beieinander nicht. Solange die Bücher nicht in den Regalen verstauben. „Manchmal ergänzt sich das alles phänomenal gut.”

Kleine Leseratten schmökern gebührenfrei

Kleine Leser können in der Stadtbücherei in der Stadthalle am Alsdorfer Denkmalplatz kostenlos schmökern. Bis zum 10. Geburtstag ist der Leseausweis gratis. Danach kostet er sechs Euro pro Jahr.

Grundsätzlich gratis sind die drei Vorleseangebote in der Bücherei. Dienstags können Kinder ab vier Jahren spannenden, abenteuerlichen oder lustigen Geschichten lauschen. Jeweils um 16.30 Uhr starten diese Schmökerrunden. Türkisch und Deutsch geht es beim zweisprachigen Vorlesenachmittag zu. Der beginnt freitags um 16.30 Uhr.

Der Alsdorfer Künstler Franz-Josef Kochs lädt zu kunterbunten Büchernachmittagen ein. Donnerstags wird von 15 bis 17.30 Uhr zunächst etwas (vor-)gelesen, anschließend können die Kinder dazu Bilder malen oder etwas basteln.

Einen neuen Vorstand hat jetzt der Buchpaten-Förderverein gewählt, der die Bücherei finanziell unterstützt. Alter und neuer Vorsitzender ist der ehemalige Erste Beigeordnete der Stadt Alsdorf, Heinrich Sauer. Ihm zur Seite steht als zweite Vorsitzende Angelika Etzold, die das Gründungsmitglied Hubertine Zentis ablöst. Geschäftsführerin ist Otti Polak, Kassiererin ist die Büchereileiterin Heike Krämer.

Geöffnet ist die Bücherei dienstags und freitags von 10 bis 12 und von 15 bis 18 Uhr. Mittwochs ist sie von 13 bis 18 und donnerstags von 13 bis 19 Uhr geöffnet. Am Samstag kann von 10 bis 13 Uhr etwas entliehen werden.
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