WM-Optimismus in der Generationen-Elf

Von: Sigi Malinowski
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Unterstützung mit Fahnen und Vuvuzela: Oma Doris Niehsen (Mitte) und ihre Familie sieht dem heutigen WM-Spiel gegen das Team aus Ghana hoffnungsfroh entgegen. Foto: Sigi Malinowski

Baesweiler. Männer - und ihre Vorurteile. Lion Galic (10) will erst noch ein Mann werden. Dass Männer mehr von Fußball verstehen, glaubt das kesse Bürschchen aber jetzt schon. „Opa!” lautet die blitzschnelle Antwort des Beggendorfer Grundschülers. Auf die Frage, wer denn mehr Fußballverstand im Hause seiner Großeltern Wolfgang und Doris Niehsen hat.

In einer Umgebung, in der Lion und seine Brüder Luca (11) und David (8) sich sehr gerne aufhalten. Denn hier wird Fußball mit all seinen Facetten gelebt und generationenübergreifend weiter gegeben. Und außerdem war Opa doch ein gefürchteter Linksaußen in den Siebzigern.

Flink mit Ball und Briefen

Daran halten sich die Galic-Brüder gerade ein bisschen fest. Sie haben die Pleite gegen Serbien eigentlich locker weggesteckt. Im Gegensatz zu Großvater Wolfgang, der ein bisschen trauernd in der Ecke sitzt. Es kann kein Zufall sein, dass die Niehsens, ihre Kinder und Kindeskinder zur WM-Zeit eine Elf bilden.

Die Großeltern, Tochter Alexandra mit Ehemann Tommy mit drei Söhnen und auch die jüngere Tochter Diana Steufmehl mit ihrem Mann Peter und den Töchtern Laura (4) und Pia (2) hatten auch die Fußballschlacht gegen Serbien gemeinsam geschlagen. Sofort nach dem 0:1 ging´s nach draußen, wurden Szenen von Deutschlands erster WM-Niederlage 2010 nachgespielt.

Auch wenn der sportliche Großvater und frühere Fahrsteiger der Star für die Enkelsöhne ist - Oma kann durchaus mit ihrer Karriere mithalten. Vor dreißig, vierzig Jahren war die heute 57-Jährige selbst als Fußballerin bei Beggendorfs Fortunen aktiv. „Acht Jahre war ich als Spielerin dabei”, erzählt die als flinke Postbotin im ganzen Dorf bekannte Doris Niehsen.

Als was sie denn auflief, will Lion wissen. „Ich habe auf der Libero-Position gespielt”, bekennt die sportliche Großmutter. „Also Per Mertesacker für Frauen”, kontert ihr Enkel, und die ganze Familie verbiegt sich vor Lachen.

Luca kann sich sogar noch vorstellen, wie das damals am Sportplatz Langgasse aussah. „Da war nur Asche, das habe ich auf alten Fotos gesehen”, erzählt er.

Und dann wird der Mittwoch und seine WM-Entscheidung thematisiert. Ghana steht an, um 20.30 Uhr ist es soweit. Es wird getippt.

Von 2:0 bis 4:1

Oma Doris macht sofort klar, dass sie keine „Flausen” duldet. „Wer auf Sieg für Ghana tippt, bekommt das Taschengeld gestrichen.” Natürlich grinst sie bei dieser „Drohung”. Aber die Niehsens, Steufmehls und Galics sind halt Optimisten. Zwischen 3:1 (Lion und David) einem satten 4:1 (Doris Niehsen) und 2:0 (Alexandra, Opa Wolfgang und Schwiegersohn Peter) und dem festen Glauben an Poldi-Tore diskutiert man am Tisch.

Oma muss ja auch noch bei ihrem Schwiegersohn Tommy Galic „gut Wetter” machen. Der Jugendtrainer (Concordia Oidtweiler) muss noch zustimmen, dass seine Söhne das Spiel heute Abend im Fernsehen gucken dürfen. „Wir müssen ja am nächsten Morgen wieder fit in der Schule sein”, haben Lion, David und Luca schon in jungen Jahren ein hohes Verantwortungsbewusstsein.

Aber Oma ist sicher, sie wird den Papi „rumkriegen”. Denn dann schreit und trötet die Beggendorfer Elf ihre DFB-Lieblinge gemeinsam ins Achtelfinale. Eine neuerliche Enttäuschung können sich die Berufsoptimisten aus der Baesweiler Altstadt nun ganz und gar nicht vorstellen...
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