Wirklichkeit im Märchen: Kinder hinterfragen Geschichten

Von: Conny Stenzel-Zenner
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Ganz schön aufwendig: Kindern lernen, Linsen von Erbsen zu trennen – lupenrein. Foto: ny

Würselen. 58 Kinderaugen starrten gespannt auf die Bühne im Alten Rathaus. Dort stand die Aachener Märchenerzählerin Regina Sommer. Es gab keine Requisite. Keine Kulisse. Dort stand kein Fernseher. Kein multimediales Angebot lockte die Aufmerksamkeit der Drittklässler der Sebastianus-Schule.

Einzig Regina Sommer, die Märchen von den Gebrüdern Grimm erzählte, war der Grund, dass es ganz still war im Saal. Sie erzählte auch die Geschichte vom Süßen Brei, der aus einem magischen Topf floss und floss. Geschickt flocht Regina Sommer Daten und das Leben der Gebrüder Grimm ein, von Wilhelm und Jacob, die am 20. Dezember 1812 das erste Märchenbuch herausgegeben haben. Sie erzählte von der Idee der Deutschen, jedes Märchen mit „Es war einmal“ beginnen zu lassen. Von der Idee, die sich längst über die Grenzen fortgesetzt hat und davon, dass das Märchenbuch der Brüder das Buch nach der Bibel sei, das am meisten verlegt werde.

Interessante Rallye

Die gehörten Märchen waren der Beginn einer ganz besonderen Rallye in der Bibliothek, die zur verzauberten Bibliothek wurde. Es mussten Fragen zu Märchen beantwortet werden. Mal mussten Märchen mit nur einem Zitat erkannt werden, mal waren es Fragen die nur mit Hilfe von Büchern beantwortet werden konnten.

250 Grundschulkinder der 3. und 4. Klassen aus Bardenberg, St. Sebastian und Morsbach kamen an drei Tagen, um Märchen zu hören und Märchen zu lesen – und nebenbei eben die Bibliothek kennenzulernen. Finanziert wurde diese Bildungszugabe von der Städteregion, denn Regina Sommer tourt durch acht von neun Bibliotheken. So lernen die Kinder nicht nur Märchen kennen, die sowieso im Unterricht besprochen werden sollten, sondern auch, dass die Bibliothek nicht nur Bücher zum Ausleihen bereit hält. „Wir verleihen Spiele, Comics, es gibt CDs und Computer“, sagte Monika Silberer, Leiterin der Bibliothek.

Es waren verschiedene Stationen, die die Kinder bearbeiteten. Sie waren begeistert, konzentriert und wissbegierig. Bei der letzten Station lernten die Schüler, wie mühsam einst Aschenputtel die Linsen durchsuchen musste.

„In vielen Ländern auf der Erde ist es auch heute noch so, dass Kinder vor oder nach der Schule Linsen oder Erbsen nach vergammelten durchsuchen müssen“, erklärte Regina Sommer. Da werden dann ganze Säcke Hülsenfrüchte geliefert. „Wenn nur eine schlechte zum Kochen benutzt wird, ist das Essen ungenießbar. Dann hat möglicherweise eine ganze Familie gar kein Abendessen“, sagte die Märchenerzählerin, die in diesem Moment leider kein Märchen, sondern die Wahrheit erzählte. Die Kind trennten in der Bibliothek Linsen von Erbsen. Was mühevoll war und für einen kurzen Moment war den vielen Kinder ganz klar, wie schön es ist, nur in der zauberhaften Bibliothek Hülsenfrüchte zu trennen.

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