Wilhelm II. soll hängen bleiben

Von: Beatrix Oprée
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Herzogenrath. Der letzte deutsche Kaiser wird in Kohlscheid präsent bleiben. Zumindest in Form eines erläuternden Namenszusatzes am Straßenschild „Kaiserstraße“. So will es die politische Mehrheit.

Intensiv widmete sich der Bau- und Verkehrsausschuss dem Bürgerantrag des Arbeitskreises „Wege gegen das Vergessen“, den Namenshinweis einfach abzumontieren. Vor 100 Jahren, so die Begründung, habe der Erste Weltkrieg begonnen, der sich zur „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts entwickelte. Wilhelm II. habe diesen Krieg nicht verhindert, „sondern im Gegenteil aktiv zu dessen Ausbruch beigetragen“. Aus diesem Grund seien Ehrungen wie eben der Hinweis unter dem Kaiserstraßenschild „völlig unangebracht“.

Die Stadtverwaltung hatte indes mit Verweis auf unterschiedliche Forschungsergebnisse in der Geschichtswissenschaft in ihrer Sitzungsvorlage bekundet, nicht in der Lage zu sein, ein abschließendes Urteil über die Person Wilhelms II. und sein Wirken abgeben zu können und deswegen empfohlen, den Bürgerantrag abzulehnen. Die Zusatzbeschilderung unter Straßennamenschildern, so erläutert der Verwaltung weiter, gehe überdies auf einen SPD-Antrag vom November 1989 zurück. Rund 100 Straßen in Herzogenrath seien Personen gewidmet. Eine Diskussion über die Zusatzbezeichnung habe es seinerzeit in Bezug auf die Kaiserstraße nicht gegeben.

Genau dies könne man doch gerade im Gedenkjahr zum Ersten Weltkrieg nachholen, appellierte Dr. Bernd Fasel, Fraktionschef der Grünen und aktives Mitglied des AK „Wege gegen das Vergessen“, in der Ausschusssitzung. Unter Historikern, so führte er aus, herrsche Einigkeit, dass der „extreme preußische Militarismus, der heute fast lächerlich ist“, fördernd für die Kriegsentstehung gewesen sei. Der Arbeitskreis arbeite seit Jahren die Zeitgeschichte auf und stelle erstmals einen Antrag, der zudem sehr bescheiden daherkomme: „Denn wir wollen nicht die Straße umbenennen, sondern nur den Hinweis entfernen lassen.“ Dann wurde Fasel deutlich: „Wenn der Ausschuss dem Antrag nicht folgt, wäre das eine sehr unfreundliche Geste gegenüber dem Arbeitskreis!“

Josef Dautzenberg (SPD) brachte die Auffassung der großen Koalition auf den Punkt: Wenn man sich über alle Namensschilder in der Stadt Gedanken mache, „kämen wir nicht weiter“. Dabei blieb die Groko auch, als Toni Ameis (Linke) Wilhelm II. als „Verursacher des Urknalls der Neuzeit“ interpretierte. Ob man so einem kleinen Schild nicht viel zu viel Bedeutung beimesse, wollte Peter Reimer für die CDU noch beschwichtigend wissen. Wenn er tatsächlich so wenig Bedeutung habe, könne man den Hinweis ja doch entfernen lassen, konterte Ameis prompt.

Dr. Fasel beantragte schließlich geheime Abstimmung, die schnell organisiert war. Doch die damit verbundene Hoffnung auf einen vielleicht doch bestehenden Dissens in der Groko ging nicht auf: Der Bürgerantrag wurde mit nur vier Ja- und 16 Gegenstimmen bei einer Enthaltung abgeschmettert. Was die Abstimmung über den Beschlussvorschlag der Verwaltung dann zur Formsache machte.

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