Werbering Kohlscheid: Vehementes Votum für Standort Markt

Von: Beatrix Oprée
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Setzen sich für Kohlscheid ein: Christian Thies (l.) und Siggi Müllenmeister.
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Hier soll die Osttangente einmünden: Vom früheren „Kaiser‘s“-Markt (links) sei kein Impuls für Kohlscheid ausgegangen, sagen die Mitglieder des Werberings. So würden Kunden von hier aus auch künftig nicht nach links abbiegen und den Weg zum Kohlscheider Markt suchen. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Es ist keinesfalls der blanke Wille zur Konfrontation, sondern vielmehr größte Sorge, die den Werbering Kohlscheid antreibt: Sorge, dass im Zuge des im Jahre 2014 mit viel – auch öffentlichem – Elan begonnenen Umstrukturierungsprozesses für das Kohlscheider Zentrum nun die falschen Weichen gestellt werden.

„Wir haben doch alle das gleiche Ziel“, sagt Vorsitzender Christian Thies. „Aber bezüglich der Wege dahin scheiden sich die Geister.“

Dabei haben die Einzelhandelsvertreter schon vor Monaten entschieden klargemacht – unter anderem bei der Jahreshauptversammlung des Werberings –, was sie von der Idee halten, den für Kohlscheids Zentrum unverzichtbaren Nahversorger statt im Bereich Markt nun vielmehr am ehemaligen „Kaiser‘s“-Standort am Langenberg anzusiedeln.

Das seinerzeit durch die Verwaltungsspitze zur Kenntnis gegebene „ernsthafte Interesse“ eines Investors hat sich zwischenzeitlich zu einem konkreten Konzept für ein Einkaufszentrum mit Lebensmittler als Kern verdichtet. Verwaltungsspitze und Investor haben die Pläne dem Werbering unlängst vorgestellt. Dessen Akteure haben ihre nichtsdestotrotz weiter gehegten Befürchtungen daraufhin in einem Brief an Bürgermeister Christoph von den Driesch (CDU) und den Technischen Beigeordneten Ragnar Migenda nochmals zusammengefasst.

Unterzeichner Thies erinnert die Verantwortlichen in dem Schreiben daran, was einmal allgemeiner Konsens war in der Diskussion um die Entwicklung des Stadtteils Kohlscheid: Nämlich durch die Ansiedlung eines Nahversorgers mitten im Zentrum den gesamten Einkaufsstandort zu stärken, den kleinteiligen Einzelhandel zu fördern, dazu die Zielverkehre in der Südstraße zu erhöhen und im Gegenzug den Durchgangsverkehr zu reduzieren.

Die nun vorliegenden Investorenpläne, am Langenberg ein Einkaufszentrum zu etablieren – von rund 4250 Quadratmetern Mietfläche, davon alleine rund 2500 Quadratmetern Verkaufsfläche für einen Lebensmittel-Vollsortimenter, ist die Rede – lassen die Ängste wachsen, dass damit ein Ausbluten des Bereichs Südstraße/Markt/Weststraße eingeleitet wird. „Es liegt doch auf der Hand, was dann geschieht“, so erklären Christian Thies und Werbering-Vorstandsmitglied Siggi Müllenmeister im Gespräch mit unserer Zeitung: „Die Kunden werden dann über die zweifelsfrei von allen gewünschte Osttangente zum Langenberg und dort unmittelbar ins Parkhaus fahren. Und nach dem Einkauf wird der Verkehr über den Verteilerkreis jenseits des Zentrums wieder abgeführt.“ Von einem Zielverkehr in Richtung Süd- und Weststraße respektive Markt könne dann keine Rede mehr sein: „Das Aus der dort ansässigen Einzelhandelsgeschäfte wäre beschlossene Sache!“

Um dieses „wahrlich dramatische Szenario“ zu verhindern, sehen die Vertreter des Werberings nur eine Lösung: Den Nahversorger für den täglichen Bedarf im Bereich Markt anzusiedeln, um so auch den Kundenstrom zu den vorhandenen Einzelhändlern zu lenken.

Am Langenberg einen neuen Lebensmittler zuzulassen, so Thies, hätte hingegen zur Folge, dass sich Investoren auch nur für diese erheblich günstigere Ansiedlungsvariante interessieren: „Denn auf der grünen Wiese zu bauen, ist immer wirtschaftlicher darstellbar. Doch die Frage muss sein: Was braucht der Bürger?“ Und das sei eindeutig eine funktionierende Infrastruktur mit attraktiven Geschäften und Restaurants.

So habe vor vielen Jahren der „alte Aldi“ an der Südstraße (heute ein Leerstand) auch den umliegenden Einzelhandel befruchtet. Einen solchen Magneten brauche der Bereich um den Markt jetzt wieder. Von dort aus sei der Kunde in der Lage, die Süd- und die Weststraße zu Fuß zu erreichen. Vom Langenberg aus sei das nicht zu erwarten. Der dort einst angesiedelte „Kaiser‘s“ sei für Verbraucher sicher recht günstig gelegen, habe aus oben beschriebenem Grund aber nie einen Impuls für Kohlscheids City bedeutet.

Ähnlich sei beispielsweise die Kaufland-Ansiedlung an der Bahnhofstraße in Herzogenrath-Mitte zu bewerten: Die Kunden – vielfach auch aus den Niederlanden – führen zielgerichtet ins Parkhaus und wieder hinaus, ohne die Kleikstraße und ihre Geschäfte überhaupt nur zu Gesicht bekommen zu haben. Thies und Mül-lenmeister blicken auch über die Stadtgrenze hinweg, ins benachbarte Palenberg, wo der für Langenberg in Rede stehende Investor das 9600 Quadratmeter große Einkaufszentrum am alten Wasserturm konzeptioniert habe: Auch hier sei es dazu gekommen, dass im Gegenzug ein Nahversorger im Palenberger Zentrum die Pforten geschlossen habe – von dem es seitens des Investors im Vorfeld geheißen habe, dass er noch mindestens zehn Jahre am Ort bleibe. In Palenberg werde seither ein Ausbluten der Innenstadt beklagt, so Thies.

Was in Aussicht gestellte weitere Vereinbarungen der Stadt mit besagtem Investor bezüglich eines Engagements auch im Bereich Markt angehe, so zeigen sich die Mitglieder des Werberings skeptisch. Christian Thies: „Da wird es immer Gründe geben, warum solche Deals nicht mehr zum Zuge kommen!“

Siggi Müllenmeister verweist nochmals auf die Grundstückskäufe durch die Stadt mitten in Kohlscheids Zentrum als Ansiedlungs-Optionen für einen Lebensmittelmarkt, der mit ausreichendem Parkraum die Menschen anlocken würde. „In vergleichbar großen anderen Städten geht das doch auch, warum nicht in Kohlscheid?“

Und überhaupt: Neben der Opposition im Stadtrat habe sich doch auch Kohlscheids SPD bei ihrer jüngsten Jahreshauptversammlung für einen Nahversorger „im Bereich Markt“ ausgesprochen, der erwünschten Kundenfrequenz wegen, erinnert sich Müllenmeister. Als weiteres wichtiges Anliegen sei auf dieser Sitzung auch der (bezahlbare) Wohnungsbau im Stadtteil thematisiert worden.

Und wo biete der sich besser an, so Müllenmeister, als an der Osttangente und im Bereich Langenberg?

Wirtschaftsausschuss und Teilhabe-Studie

Zur Sprache kommen die Pläne für den Langenberg am heutigen Donnerstag im Wirtschaftsausschuss (18 Uhr, Rathaus) unter dem Tagesordnungspunkt „Aktueller Sachstand zu Themen der Stadtentwicklung“. Bezeichnenderweise im nichtöffentlichen Teil der Sitzung, obwohl das Konzept den Mitgliedern des Werberings bereits vorgestellt worden ist.

Auf der Agenda im öffentlichen Teil steht die Gründung einer Stadtentwicklungsgesellschaft Herzogenrath mbH&Co. KG (SEH) sowie einer Stadtentwicklungsverwaltungsgesellschaft.

Lebenssituation und Teilhabe in Kohlscheid unter die Lupe genommen hat eine detailreiche Studie der Pfarre Christus unser Friede, an der über 300 Bewohner teilgenommen haben. Sie wird am Dienstag, 22. November, 19.30 Uhr, im Pfarrheim St. Mariä Verkündigung, Bank, Amstelbachstraße/Kirchweg vorgestellt. Nach der Begrüßung durch Pastor Thoma und einer Einführung durch Diakon Dr. Bruno Ortmanns legt Dr. Liane Schirra-Weirich (Katho) die Ergebnisse dar. Dann sind die Bürger eingeladen, mit Experten zu diskutieren. Die Moderation hat unsere Redakteurin Beatrix Oprée.

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