Herzogenrath - Wer dabei sein will, muss 30 Meter hoch

Wer dabei sein will, muss 30 Meter hoch

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
Das geht noch höher und steil
Das geht noch höher und steiler: Brandmeister Thomas Ortmann fährt vom Führersitz aus die 30 Meter lange Drehleiter hoch. Alle Handgriffe sind gut traniert und sitzen perfekt. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Schon der entscheidende erste Aufnahmetest hat es in sich: Die steil aufgerichtete Drehleiter erklimmen, Sprosse für Sprosse, schwindelerregende 30 Meter hoch. Nur wer das schafft, kommt überhaupt in Frage - um die Sportprüfung anzugehen:

3000 Meter laufen, 50 Meter sprinten, dazu Schwimmen und Fitness in der Halle mit Seilklettern, Gewichtheben, Vertikal- sowie Horizontalsprüngen und ähnlich Schweißtreibendem.

Ist das alles überstanden, folgt das Schriftliche: Diktat, Mathe, Allgemeinwissen? Nein, um Navy Seals geht es hier nicht, aber um Feuerwehrmänner in der Städteregion.

Thomas Ortmann gehört zu denen, die das Auswahlverfahren erfolgreich durchlaufen haben. Der gelernte Maler- und Lackierer war mit 21 Jahren „als Quereinsteiger” zur freiwilligen Wehr gekommen, „durch meine Freundin, die schon länger dabei ist”.

Neben dem Job absolvierte er die üblichen Lehrgänge, war schon wenige Jahre später Unterbrandmeister. Und dann reifte die Idee, das Ehrenamt zur Profession zu machen. Mit dem Gesellenbrief im Handwerk - „damit hat man bewiesen, dass man praktisch orientiert ist und anpacken kann” - hatte er die Grundbedingung bereits erfüllt für eine Bewerbung als Brandmeister-Anwärter bei der Stadt Herzogenrath. 18 Monate dauerte die weitere Ausbildung, und nun macht die Hilfe in brenzligen Situationen sein Berufsbild aus.

„Dann funktioniert man einfach”

Ertönt der Alarm, weiß niemand genau, was auf ihn zukommt. Ein tödlicher Verkehrsunfall an der Aachener Straße war Thomas Ortmanns erster Einsatz bei der Hauptwache. „Wir waren damals sogar die ersteintreffenden Kräfte, noch vor dem Rettungsdienst”, erinnert er sich.

Und wie geht man mit mitunter schrecklichen Szenen um, die man am Einsatzort vorfindet? „In dem Moment funktioniert man einfach, das Erlernte schießt einem in den Kopf, und man arbeitet nur noch.” Helfen zu können, war sein Hauptbeweggrund, in einen Job zu wechseln, in dem Feiertags- und Nachtdienste die Regel sind. Und 24-Stunden-Schichten. Die beginnen morgens um 7.30 Uhr mit dem Arbeitsdienst, der alles beinhaltet, was neben Rettungseinsätzen sonst noch auf der Wache anfällt, etwa Krankentransporte oder die umfassende Wartung sämtlicher Gerätschaften - von den Schläuchen über die Atemschutzausrüstung bis zu den Löschwagen. Fortbildung und natürlich Fitnesstraining gehören gleichfalls zum Arbeitsalltag.

Punkt 18 Uhr gibt es Abendessen. Selbstgekocht. Meist sind es Thomas Ortmann und Brandmeister-Kollege Stefan Schulte, die den Kochlöffel schwingen für die komplette siebenköpfige Schicht der Feuerwache an der Erkensstraße. Aus gutem Grund: „Weil wir es können”, grinsen sie verschwörerisch. Hawaii-Schnitzel mit Pommes steht heute auf dem Speiseplan. Doch zuerst gehts noch zum Fuhrpark in die Halle, fürs Foto.

Mal eben die Drehleiter nach draußen fahren? Kein Problem. Jeder Handgriff sitzt, und keine fünf Minuten später findet sich die Reporterin in abenteuerlichen 30 Metern Höhe wieder. Der Aufstieg wurde ihr erspart, nach oben ging es ganz bequem im Metallkorb. Der Ausblick ist atemberaubend, das Ganze windbedingt allerdings auch etwas wackelig. „Man gewöhnt sich dran”, sagt Brandmeister Schulte bescheiden, während Kollege Ortmann ganz weit unten vom Führersitz aus die Leiter souverän wieder einfahren lässt. Und ruckzuck steht die „DLK 23/12” dann auch wieder an ihrem Platz zwischen dem „TLF 16/25” (Tanklöschfahrzeug) und dem „MTF”, dem „Mannschaftstransportfahrzeug”. Denn die Kollegen sind hungrig, und die Schnitzel warten auf ihre Panade. Rodas Wehrleute sind halt universell einsetzbar.

Jeder ist heute willkommen bei der fünften Ausbildungsmesse der Städte Alsdorf und Herzogenrath im Technologiepark in der Kaiserstraße 100 in Kohlscheid.

Über 50 Unternehmen stehen von 8.30 bis 14.30 Uhr mit Infos zum Thema Berufswahl bereit.

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