Nordkreis - Wenn Schützen unter sich bleiben: Kein Nachwuchs, kaum Zuschauer

Wenn Schützen unter sich bleiben: Kein Nachwuchs, kaum Zuschauer

Von: Anja Klingbeil
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Seltenes Bild: Beim Festumzug
Seltenes Bild: Beim Festumzug von Schützen und Jungenspiel in Würselen stehen zahlreiche Zuschauer an der Würselener Kaiserstraße.

Nordkreis. Wenn bunte Fähnchen am Wegesrand grüßen, dann wissen viele: Ein Schützenfest steht an. Das war auch in Mariadorf so. Die Schützenbruderschaft St. Hubertus schmückte die Straßen in ihren Vereinsfarben - bis vor zwei Jahren.

Seitdem gibt es einfach niemanden mehr im Verein, der die Leiter hochkommt, sagt Geschäftsführer Günter Liska. Das hat nichts mit Höhenangst zu tun, sondern mit dem Alter. Nachwuchs: Fehlanzeige mangels Interesse am Schützenwesen. Aktive Mitglieder haben die Hubertus-Schützen noch 32. Der Zuschauerzuspruch beim großen Festumzug: kaum vorhanden. Und so hat sich die Gesellschaft wie noch einige andere in Alsdorf dazu entschlossen, in diesem Jahr keinen Festumzug auf die Beine zu stellen. „Das ist deprimierend”, sagt Günter Liska. Versucht haben die Hubertus-Schützen nämlich so einiges, verteilten etwa Wurfzettel an die Anwohner. Antworten haben sie keine erhalten.

Einen Umzug weniger plant auch die Christus-König-Schützenbruderschaft Busch. „Wir versuchen, Kinder und Jugendliche für das Schützenwesen zu begeistern. Aber das ist schwierig”, sagt Brudermeister Simon Robert. Dabei gibt es aus seiner Sicht so viele positive Aspekte, die für das Brauchtum sprechen: „Wir Schützen stehen für soziale Belange im Ort ein, die Gemeinschaft wird bei uns groß geschrieben. Das Schießen spielt dabei nur eine zweitrangige Rolle.”

Bis die Kasse aufgebraucht ist

Diese Probleme sind aber bei weitem kein Alsdorfer Phänomen. In so manchem Ort im Nordkreis dümpelt das Schützenwesen still und heimlich vor sich hin, finden Festumzüge oder Vogelschießen quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. „So mancher Schützenverein bringt es nur auf die Größe eines Kegelclubs”, sagt Robert Pelzer, Brudermeister der Wardener Jakobus-Schützen. Eine Bruderschaft in Kohlscheid bringt es gar nur auf sechs und dürfte damit im Nordkreis wohl den Vogel abschießen. Auf 14 Aktive bringt es die St.-Salmanus-Bogenschützen-Gesellschaft Würselen 1889. „Umzüge sagen wir deswegen aber nicht ab”, betont Salmanus-Vorsitzender Wilfried Prümm.

Doch auch er stöhnt angesichts der Kosten, teuer sind etwa die Gagen der Musikkapellen sowie die Gema-Gebühren. Allein die Gagen für Kapellen können sich für einen Festzug auf 1500 Euro belaufen. Mehrere Tausend Euro kommen an Gema-Gebühren zusammen. Durch eine Änderung der Gebührenordnung ab 2013 haben die Schützen allerdings die Hoffnung, dass sich diese Kosten reduzieren. Momentan aber gilt: „Jedes Schützenfest wird mit einem Minus abgeschlossen. Das dürfte im Jahr bei rund 1000 Euro liegen. Aber wir machen so lange weiter, bis die Kasse aufgebraucht ist”, sagt Herbert Hau, 1. Präsident der St.-Thekla-Schützen Merkstein. Dort wie bei den meisten Schützenvereinen im Nordkreis fehlt der Nachwuchs. „Wir sind quasi eine aussterbende Gesellschaft”, sagt Wilfried Prümm.

In zwei Jahren feiert sein Verein 125-jähriges Bestehen. Wie das gefeiert wird, steht noch nicht fest. „Auch bei unseren Umzügen ist kaum jemand am Straßenrand, der nicht zum Verein gehört”, bedauert Prümm. Vorbei sind vielerorts die Zeiten, als Tausende Schaulustige Spalier standen, um dem neuen König zuzujubeln und die schicken Kleider der Damen zu bewundern.

Ein paar Kilometer weiter sieht die Situation anders aus. Die Baesweiler Schützen sind noch relativ positiv gestimmt. „Wir haben viele Idealisten im Verein. Und wir machen viele Angebote für Jugendliche”, sagt Franz-Josef Koch, Geschäftsführer der Willibrord-Schützen Floverich. Das mag auch daran liegen, dass sie im 400-Seelen-Ort der einzige Schützenverein sind. Auch Hans-Peter Claessen, Präsident der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Würselen 1624, ist froh, dass seine Gesellschaft bereits vor vielen Jahren neue Wege gegangen ist. Speziell über die Umzüge habe man nachgedacht, die Feste so aufgezogen, dass viele Gäste mit dabei sein können.

„Wir müssen uns der Zeit stellen. Wenn wir uns als Insel darstellen, kommt keiner”, sagt Claessen. Die Sebastianus-Schützen kooperieren deshalb mit Karnevals- und Gesangsvereinen. Mehr Zusammenarbeit würde sich Claessen unter den Schützen wünschen. Umzüge und Feste könnten gemeinsam veranstaltet, Kosten könnten geteilt werden. Doch er weiß auch, wie schwer das ist: „Jeder Verein hat seine eigene Tradition. Das ist wie im großen Europa.”
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