Wenn Physikschüler Papierflieger basteln

Von: Stefan Schaum
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Wer fliegt weiter? Mit ihren Papierfliegern haben Manuel Wilde und Yesim Celik bei einem Wettbewerb gepunktet. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Modelle gibt es wie Sand am Meer. Schmal und länglich, kurz und breit, schwer oder leicht. Mit emporgebogenen Tragflächen oder ohne. Der Paperfliegerbau ist schon eine Wissenschaft für sich.

Mit der hat sich jüngst der Physik-Leistungskurs der zwölften Jahrgangsstufe des Alsdorfer Gymnasiums ausgiebig befasst.

Wo es sonst in Klassenzimmern einen Rüffel gibt, wenn plötzlich ein Papierflieger durch den Raum segelt, gab es zwei Wochen lang für besonders schöne Flüge im Physiksaal des Gymnasiums Applaus. Schließlich dienten sie der Vorbereitung auf einen kuriosen Wettbewerb.

Im Rahmen des Kongresses der deutschen Luft- und Raumfahrtgesellschaft, der jetzt in Aachen stattfand, gab es den Wettbewerb „Aachen hebt ab”, an dem gut 100 Schüler aus der Region teilnahmen.

Einfache Raketenmodelle und Papierflieger konnten sie dabei auf den Weg bringen. Allzu groß war der Spielraum bei den Raketen jedoch nicht. Schließlich waren die Bausätze für alle Teilnehmer gleich: ein einfaches Papprohr, drei Tragflächen, ein Strohhalm, ein paar Schnüre.

„Da kam es auf winzige Details an”, sagt Keven Pütz. Ob etwa die Tragflächen mit Sekundenkleber befestigt wurden, was die Konstruktion etwas leichter machte, oder ob mit einer Heißklebepistole hantiert wurde.

Sache für Experten

Letztlich lag nicht einmal der Start in Händen der Schüler, denn das Einfüllen des Brennstoffes und das Zünden besorgten im Aachener Kurpark hinter dem Eurogress Experten. Etwas an Kevens Modell muss gestimmt haben, immerhin schoss es 126 Meter empor und damit auf den zweiten Platz.

Yesim Celik durfte den Start ihres Fliegers selbst besorgen. Wie viele Blätter sie während der zweiwöchigen Vorbereitung zu Fliegern zurechtgeknickt hat, weiß sie nicht mehr. Es waren etliche.

Denn längst nicht jedes Modell genügte der Anforderung, möglichst weit zu fliegen. Manches stieg zunächst steil empor, um kurz drauf auf den Boden zu krachen.

Oder es flog bloß einen Bogen. „Es kommt auch sehr auf das genaue Falten an, da darf kein Knick schief sein”, hat Yesim gelernt, „sonst trudelt der Flieger und kommt nicht weit.” Im Internet hatte sie zahlreiche Faltmethoden gefunden und ausprobiert.

Nur Risse oder Schnitte durften die Modelle beim Wettbewerb nicht haben. Der recht traditionelle Fliegertyp, für den sie sich letztlich entschieden hat, hat sie nach etlichen Testläufen - unter anderem in der Aula des Gymnasiums - weit gebracht: mit 18 Metern auf den dritten Platz.

In der Kategorie „Längster Flug” punkteten Manuel Wilde und Thomas Timmermanns, die auf Platz zwei und drei rangierten. „Immerhin gut sieben Sekunden in der Luft”, sagt Manuel Wilde, „das ist schon ganz gut.”

Berechnen ist zu kompliziert

Ein paar Mitschüler haben die Testphase der Physikschüler belächelt. Wilde: „Da sitzt ein Physik-Leistungskurs und bastelt Papierflieger. Ist ja auch lustig.” Mehr sollte es ohnehin nicht sein. „Aerodynamische Berechnungen können wir im Unterricht nicht machen”, sagt Physiklehrer Andreas Dölle, „das ist viel zu kompliziert.”

Doch sei ein solcher Wettbewerb sehr dazu angetan, Schülern auf heitere Weise auch diese praktische Facette der Physik nahezubringen. „Ein bisschen Spaß gehört unbedingt dazu.” Und für jeden Teilnehmer gab es einen Tag lang Einblicke in den Kongress. „Das war sehr interessant”, sagt Raketenbauer Keven Pütz, der sich im Bereich Luftfahrt einmal seinen Arbeitsplatz vorstellen könne.

Fluggeräte sollen im Physikunterricht künftig aber keine besondere Rolle mehr spielen. Wobei sie so ganz noch nicht aus dem Gedächtnis sind. Lehrer Andreas Dölle hätte da noch ein paar Ideen: „Man könnte ja auch mal was mit einem Bumerang versuchen...”
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