Wenn Oper Schule macht: Aufführung von „Jakob Lenz” im Energeticon

Von: Lars Odenkirchen
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Gaben eine Kostprobe aus „Jakob Lenz”: Professor Stephan Wehr am Klavier und Elisabeth von Stritzky beim Gesang. Foto: Lars Odenkirchen

Herzogenrath. Das Klischee vom verschrobenen Professor erfüllt Stephan Wehr so gar nicht. Ganz im Gegenteil: Wenn Wehr erzählt, schafft er dies so fesselnd, dass keiner der 40 Oberstufen-Schülerinnen und Schüler im Forum der Europaschule sich mit etwas anderem beschäftigen mag.

Dabei klingt das Thema, über das Wehr heute redet, im ersten Moment nicht gerade nach einem Dauerbrenner im Klassenraum: Der Musikprofessor spricht über Opern und Tenöre, über Intervalle und Obertöne. Von der Aufmerksamkeit, die ihm die Schüler dabei schenken, ist Wehr fast ein bisschen selbst überrascht: „Ich bin beeindruckt wie die jungen Menschen auf das Thema eingehen. Von diesem Tag nehme ich auch selbst sehr viel mit.”


Wehrs Besuch in der Europaschule steht im Rahmen einer Kooperation, die hoffentlich noch weitere Früchte tragen wird. Wehr übernimmt die musikalische Leitung bei der Oper „Jakob Lenz”, die von Studenten der Musikhochschule Köln/Aachen im Juni an drei Terminen im Alsdorfer Energeticon aufgeführt wird.

Es ist nicht die erste Zusammenarbeit des Energeticon mit der Musikhochschule: Bereits bei mehren Konzerten wurde das Energeticon als Aufführungsort erprobt. Für diese Aufführungen wollte Birgit Godehardt, die Geschäftsführerin des Energeticon gerne aber auch ein junges, sonst vielleicht eher opernfernes Publikum gewinnen.

Gemeinsam mit Professor Stephan E. Wehr, dem für Ausstattung und Inszenierung der Oper verantwortlichen Manfred Kaderk und dem Aachener Musikprofessor Herbert Görtz schrieb sie schließlich Schulen aus der Region an, damit diese die Oper von der Vorbereitung bis zur Aufführung verfolgen können. Bernd Frohn, Musiklehrer und Oberstufenleiter an der Europaschule, konnte diese Idee nur begrüßen: „Es ist toll, dass Professor Wehr heute hier bei uns ist”, meint Frohn während des Besuchs, „die Schülerinnen und Schüler können so extrem viel lernen, viel mehr, als ich ihnen in einer Doppelstunde vermitteln könnte.”

Bei seinem Besuch hat Wehr zwei der Hauptakteure der anstehenden Aufführung dabei: Die Studenten Lucas Singer und Elisabeth von Stritzky, die den Schülern direkt einmal einige Kostenproben ihres Könnens bieten können. Unterfüttert werden diese Hörproben mit allerlei Theoriewissen: Wie groß ist ein Opernchor? Was ist das „Teufelsintervall”? Was macht Kammermusik aus? Viele dieser Fragen können die Schüler schon selbst beantworten, wo es hakt, leistet Professor Wehr Aufklärung. Oft geht es aber gar nicht so sehr um pures Faktenwissen, wie Wehr erklärt: „Es geht um Fantasie, nicht um kluge Sätze.”

Besonders gut kommt bei den Schülern dabei an, dass Wehr und die Studenten aus dem Kulturgut „Oper” kein Buch mit sieben Siegeln machen. „Ich gehe zwar oft ins Theater, habe zur Oper aber keinen großen Bezug”, erzählt die Zwölftklässlerin Ariane Bora. Von Elisabeth von Stritzky ist sie besonders beeindruckt: „Faszinierend zu sehen, dass so eine zierliche Person so ein Organ hat.” Auch ihr Mitschüler Paul Carduck ist begeistert: „Elisabeth und Lucas so zu erleben ist beeindruckend, das sind echte Persönlichkeiten. Und auch von Professor Wehrs Art bin ich begeistert. Da ist eine Atmosphäre wie im Wohnzimmer.”

Worte, die Professor Wehr mit Sicherheit gerne hört. „Wenn von 90 Schülerinnen und Schüler, die ich vielleicht insgesamt besuche, der eine oder andere Interesse für die Musik bekommt, hat es sich doch schon gelohnt”, erklärt der engagierte Musiker. Hinter seinen Unterrichtsbesuchen sieht er auch einen besonderen Auftrag: „Irgendwann nimmt man die eigene Verantwortung war, auch etwas an künftige Generationen weiterzugeben.”

Um dem gerecht zu werden, bleibt es nicht bei dem einen Termin. Die Gesamtschule in Aachen Brand sowie einen weiteren Oberstufenkurs aus der Europaschule besucht Wehr ebenfalls, anschließend sind die Klassen eingeladen, an den Proben im Energeticon teilzunehmen und natürlich auch die Aufführung selbst zu sehen.

Der erste Termin hat dafür schon viel Interesse bei den Schülern geweckt, dass sie sonst wohl kaum entwickelt hätten. „Zeitgenössische Opern”, meint Bernd Frohn, „sind ja nicht gerade das Hitthema auf dem Schulhof. Aber durch so einen Besuch bekommen die Schüler Bezug zum Thema. Das motiviert einfach.”
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