Wenn das Miteinander unerträglich wird

Von: Holger Bubel
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Unterstützen heranwachsende M
Unterstützen heranwachsende Mädchen auf dem Weg ins Erwachsensein, wenn ein Leben zu Hause nicht mehr möglich ist: Claudia Möllering-Hess (l.) und Christine Wergen. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Eltern von pubertierenden Mädchen müssen starke Nerven haben. Zank und Streit lassen sich zwischen den Generationen nicht immer vermeiden, wenn bei dem einen Teil die Neuronen Amok laufen und dem anderen dafür jegliches Verständnis fehlt.

Das ist relativ normal. Doch das Miteinander kann auch zu einem unerträglichen Zustand werden - vor allem für die Heranwachsenden. Wenn gar nichts mehr geht in einer zerrütteten Familie, dann bietet der Sozialdienst katholischer Frauen Hilfe.

Eine dieser Unterstützungen für Mädchen und junge Frauen ist die Initiative „Schrittweise”, die es bereits seit 20 Jahren gibt: „Dabei handelt es sich um ein Wohnangebot für Mädchen, die zu Hause nicht mehr klar kommen, aber noch zu jung und unreif sind, um alleine zurecht zu kommen”, erklärt Christine Wergen, Sozialarbeiterin und Teamleiterin von „Schrittweise”.

Gemeinsam mit Monika Hartleib-Schoeller und unterstützt von Claudia Möllering-Hess, begleitet sie sukzessive die Mädchen, die in einer Wohngemeinschaft zusammenleben, auf die Selbstständigkeit vor. Vier Plätze hat das Haus in Alsdorf, das mit diesem Angebot einmalig ist in der Region. Finanziert werden die Aufenthalte dort durch die jeweiligen Jugendämter, Mädchen aus der gesamten Städteregion können aufgenommen werden. „Was übrigens nur halb soviel kostet, wie die Unterbringung in einem Heim”, erklärt Christine Wergen.

In der WG leben die Mädchen weitgehend selbstständig, doch die Sozialarbeiterinnen sind da, wenn Hilfe erforderlich ist. „Einmal am Tag schauen wir nach dem Rechten, wöchentlich haben wir ein Gruppentreffen und telefonisch sind wir rund um die Uhr für die Mädchen erreichbar”, sagt Claudia Möllering-Hess.

Mit den jungen Bewohnerinnen legen die Sozialarbeiterinnen gemeinsam die Ziele fest, etwa einen angestrebten Schulabschluss oder den Weg in ein geregeltes Arbeitsleben. Das Erreichen dieser Ziele geht Schritt für Schritt, eben „Schrittweise”, wie sich das Hilfsangebot auch nennt.

„Bei einigen Mädchen muss man ganz von vorne anfangen, andere wiederum bringen bereits etwas mit”, erläutert Christine Wergen. So könnten manche eine Mikrowelle bedienen, wüssten aber nicht, wozu der Herd erfunden wurde - oder die Waschmaschine.

Durchschnittlich bleiben die Bewohnerinnen eineinhalb Jahre in der WG. In dieser Zeit gehen die Helferinnen ihnen bei bürokratischen Angelegenheiten zur Hand, geben ihnen Tipps, etwa bei Bewerbungen, schmeißen sie aus dem Bett, wenn der Wecker das nicht schafft, oder haben einfach nur ein offenes Ohr für die Nöte, die Teenager nun mal umtreiben: „Meistens sind das Beziehungsprobleme, dann hört man zu wie eine Mutter, Schwester oder Freundin”, sagt Claudia Möllering-Hess. Das kann auch schon mal nachts sein, wenn der Freund Schluss gemacht hat, oder es mächtig in der Beziehung kriselt.

„Der Bedarf an solchen Betreuungsangeboten ist groß”, weiß Christine Wergen. Dennoch gibt es in der Alsdorfer WG noch freie Plätze. Warum das so ist? „Vielleicht geht unser Angebot in der Masse an neu geschaffenen Maßnahmen einfach unter”, mutmaßen die Pädagoginnen.

Kontakt zu der SkF-Einrichtung kann über die Jugendämter aufgenommen werden.
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