Welttag des Hörens: Lautstärkeregler bester Schutz fürs Ohr

Von: Pia Sonntag
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Den Schutz seines Hörvermögens hat man zum Teil selbst in der Hand: über den Lautstärkeregler. Foto: Imago/Westend

Nordkreis. Kim Jansen und Daniel Fleu aus Alsdorf schalten – wie viele in ihrem jugendlichen Alter – am besten ab, wenn die Musik voll aufgedreht ist. Kopfhörer auf die Ohren, und der Schulstress ist weg. Manchmal sind die beiden so in Gedanken, dass sie Geräusche der Umwelt nicht mehr wahrnehmen.

„Es ist schon öfter vorgekommen, dass ich gerufen wurde und wegen der Musik nichts mitbekommen habe“, gibt Kim zu. Auf die Frage, ob das nicht auch mit Gefahren verbunden sei, antworten sie zögerlich. „Ich denke schon, dass laute Musik auf Dauer schädlich ist, aber bisher ist ja nichts passiert“, sagt Daniel.

Eine Einstellung, die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und Hörakustiker Alarm schlagen lässt. Um Menschen aufzuklären, wie sie ihr Gehör schützen und bestmöglich versorgen können, gibt es jedes Jahr am 3. März den „Welttag des Hörens“. Judith Wagner, bei Matthias Kaulard Hörakustik in Alsdorf tätig, erklärt, wie es zum Gehörverlust kommen kann: „Eingeschränktes Hörvermögen kommt in jedem Lebensalter vor. Einige leiden schon seit ihrer Geburt daran. Aber auch mit der Zeit kann es zur Beeinträchtigung kommen, etwa durch konstanten Lärm.“ Auf Tanzflächen sind Durchschnittswerte von 90 bis 105 Dezibel keine Seltenheit, bei Rockkonzerten bis zu 115. Lärmschutzvorgaben in der Arbeitswelt schreiben hingegen bereits ab 80 Dezibel einen Gehörschutz vor.

Dr. Matthias Vorwold, HNO-Arzt aus Baesweiler, ergänzt: „Es sind immer noch mehr ältere als jüngere Leute von einem Hörschaden betroffen. Wenn jüngere Patienten an einer Schwerhörigkeit leiden, sind in den meisten Fällen zu laute Musik und häufige Mittelohrentzündungen die Ursache.“ Zu viel Stress könne einen Hörsturz auslösen oder die plötzlich eintretende Hörminderung zumindest begünstigen. Weitere, krankheitsbedingte Gründe können ein Tinnitus oder ein Knalltrauma sein. Es können also organische oder psychische Hintergründe eine Rolle spielen. Mal können Medikamente helfen, um die Hörfähigkeit wieder herzustellen, mal eine OP. Wenn man Glück hat, reicht es, dem Ohr Erholung zu gönnen. Denn Hörsinneszellen können sich regenerieren. Permanente Beschallung ist auf jeden Fall schädlicher als eine kurze Lärmbelastung.

Vorbeugend empfiehlt sich ein ausgeglichener Lebensstil, Lärmvermeidung beziehungsweise Ruhe nach einem lauten Tag. Und der Verzicht auf Wattestäbchen. Diese drücken das Ohrenschmalz nämlich in den Gehörgang zurück und können ihn so schädigen. Mützen sollten bei wind- und kälteempfindlichen Ohren eine Selbstverständlichkeit sein.

Anzeichen für eine Hörminderung gibt es viele: etwa häufiges Überhören der Türklingel, Nachfragen am Telefon oder die extreme Lautstärke des Fernsehers. Viele unterschätzen das Thema. Judith Wagner mahnt: Je früher eine Hörminderung erkannt werde, desto früher könne die auslösende Erkrankung diagnostiziert und behandelt werden. „Die Hemmschwelle, ein Hörgerät zu tragen, ist leider immer noch recht groß“, sagt Wagner. „Viele Betroffene verdrängen deswegen das Problem. Ich finde diese Ängste mittlerweile unnötig, da die Hörgeräte unauffälliger geworden sind und man keinen dicken Klotz mehr am Ohr herumtragen muss.“

Auch Dr. Volker Bogatz, HNO aus Würselen, weiß, dass viele ihre Beeinträchtigung nicht wahrhaben wollen: „Die Unternehmen tun aber mittlerweile einiges dafür, moderne Hörgeräte zu konstruieren, für die man sich ganz sicher nicht schämen muss.“

Riskant wird es, wenn man diese Ignoranz vor die Sicherheit der Allgemeinheit stellt. Polizeipressesprecherin Iris Wüster macht auf Unfälle im Straßenverkehr aufmerksam, die durch vermindertes Hören entstehen: „Wenn man zum Beispiel die Sirene des Rettungswagens wegen zu lauter Musik am Steuer, Ohrhörern oder durch einen Hörschaden nicht mitbekommt, kann das fatale Folgen für sich selbst und für andere haben.“ Deshalb wird entsprechende Nachlässigkeit mit Bußgeldern ab zehn Euro oder gar Haftstrafen geahndet.

Damit es gar nicht erst soweit kommt, sollte man bereits bei ersten Anzeichen von Schwerhörigkeit handeln. „Wer das Gefühl hat, schlechter zu hören, kann bei uns einen kostenlosen Hörtest machen“, rät die Hörakustikerin auch dazu, Hörgeräte auszuprobieren. „Es ist nur ein kleiner Schritt zum besseren Wohlbefinden und zur optimalen Kommunikation“, sagt Judith Wagner. Aber auch zur Vorbeugung von Unfällen.

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