Herzogenrath - „Weltkulturfenster“ im Klösterchen öffnet sich wieder

„Weltkulturfenster“ im Klösterchen öffnet sich wieder

Von: Beatrix Oprée
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Freuen sich auf neue Kontakte: (v.l.) Musikpädagoge Hans Brandt, Künstlerin Barbara Mertens, Koordinator Wilfried Hammers, Student Argjend Ademaj und Modedesignerin Ina Kramer. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. „Inkulturation“ heißt das Stichwort, das Wilfried Hammers gerne ausgibt. Was er mit dem sperrigen Begriff verbindet, ist im weitesten Sinne das ergänzende Miteinander von Menschen verschiedener Kulturen.

Und daran ist ihm und den anderen Machern im Soziokulturellen Zentrum Klösterchen gelegen. Um das gute Miteinander der Menschen, die neu ins Land gekommen sind, mit ihren Nachbarn, den Einheimischen, geht es ihnen. Man soll sich kennen, verstehen und schätzen lernen.

Um dies zu unterstützen, soll im „Klösterchen“ an der Dahlemer Straße 28 wieder das „Weltkulturfenster“ geöffnet werden. Ein Angebot, das bei seinen ersten beiden Auflagen im März und September bereits regen Anklang fand. Um die Kontakte und Austausche zu verstetigen, wird es diesmal nicht mehr einen fixen Termin geben, sondern diverse Mitmachaktionen, an denen sich neben Flüchtlingen auch alle anderen Interessierten beteiligen können.

Los geht es mit Musik – und zwar schon am Montag, 11. Januar, 16.30 bis 18.30 Uhr. Musikpädagoge Hans Brandt schwebt ein „World Music Orchestra“ vor, zu dem er alle einlädt, die ein Instrument spielen und vielleicht auch mitbringen können. Bei Bedarf lassen sich Instrumente ausleihen und auch selbst bauen, etwa eine Cajón (Kistentrommel). Ein gemeinsames Konzert könnte das Ergebnis der musikalischen Kontaktaufnahme sein, die jedoch ohne jeden Teilnahmedruck stehen soll. So sind auch einheimische Musiker angesprochen, je nach Lust, Zeit und Laune mitzumachen. „Und sollten sich nicht so viele Interessenten melden, sind wir nur eine Combo“, schmunzelt Brandt.

Und lädt gleich auch zu einer anderen musikalischen Aktion ein: dem „Sing-mit“-Chor, der sich regelmäßig montags von 20.15 bis 22 Uhr im Klösterchen trifft. Vielleicht gibt es ja einmal ein gemeinsames Chor-Konzert ...

Schon am Mittwoch, 13. Januar, 19 Uhr, geht es weiter. Diesmal mit einem Angebot aus Flüchtlingsreihen: Dem schon seit geraumer Zeit im Klösterchen engagierten Argjend Ademaj ist es ein Anliegen, darzustellen, dass seine Heimat, der Kosovo, eben kein sicheres Herkunftsland sei, obwohl es jetzt als solches gelten solle. „Warum aber sind dort immer noch 5000 Kfor-Soldaten stationiert?“, fragt er. Zum Kosovo-Länderabend lädt er ins Klösterchen ein. Um hautnah zu berichten, wie der Alltag in seiner Heimat aussieht. Unterstützt wird der Abend von AlbAix, dem Verband der albanischen Studenten in Aachen. Eindrücke vom Kosovo soll auch die NDR-Dokumentation „Pushime në Kosovë – Urlaub wo? In Kosova!“ bringen, die am Mittwoch, 16. März, 19 Uhr, im Klösterchen gezeigt wird.

„Cinema without frontiers“ – „Kino ohne Grenzen“ heißt es wieder am Mittwoch, 17. Februar. Entweder ein arabischer Film mit deutschen Untertiteln oder ein Stummfilm stehen auf dem Programm. Bei der Erstauflage waren Charly Chaplins „Modern Times“ bestens angekommen, weiß Wilfried Hammers zu berichten. Die Thematik der Arbeitsverdichtung, des Zeitdrucks und der monotonen Arbeitsabläufe konnten alle Besucher, egal welcher Muttersprache, bestens nachvollziehen.

Im Zeichen Syriens steht der Mittwoch, 24. Februar, 19.30 Uhr: Luna Al-Mousli, eine 24-jährige Syrierin, die seit zehn Jahren in Wien lebt, stellt ihr Erstlingswerk „Eine Träne. Ein Lächeln. Meine Kindheit in Damaskus“ vor. Das auch auf der Buchmesse vorgestellte Bildbändchen basiert auf ihrer Abschlussarbeit im Fach Grafik-Design an der Universität für angewandte Kunst Wien und gibt anhand von 44 Geschichten Einblicke in das Leben einer Stadt, in der vieles nie mehr so sein wird, wie es einmal war.

Bereits am Dienstag, 23. Februar, öffnet das „Café Zuversicht“ für Frauen und ihre Kinder. Abseits vom Alltag in der Flüchtlingsunterkunft sollen sich Frauen einmal in aller Ruhe austauschen können.

Ab 8. März haben die Frauen zudem die Möglichkeit, sich ihren handarbeitlichen Fähigkeiten widmen können, wie Modedesignerin Ina Kramer darlegt: „Wir haben gemerkt, dass die Frauen eine große textile Tradition mitbringen.“ Zusammen mit Dagmar Wehr wird sie den Frauen Gelegenheit geben, diese zu teilen. Für Kinder gibt es unterdessen ein künstlerisches Angebot unter Leitung von Kunstkursdozentin Ela Moonen. Tanzpädagogin Bettina Lauber bietet ergänzend einen Tanzworkshop für Kinder an.

Darüber hinaus sind bei den künstlerischen Angeboten im Haus immer auch Plätze frei für Flüchtlinge: So etwa im offenen Malatelier der Künstlerin Barbara Mertens, zudem sich jeder anmelden kann, der sich auf der Leinwand ausprobieren will. Kostenbeitrag für Nicht-Flüchtlinge: 17 Euro, Leinwand ist mitzubringen, ansonsten steht das gut sortierte Atelier zur Verfügung, wie die Künstlerin einlädt. Der erste Termin ist am Samstag, 16. Januar, 14 bis 17 Uhr. Anmeldung und Infos: Barbara Mertens, Telefon 0163/ 2175240, E-Mail: info@barbara-mertens.de.

Freifunk im Klösterchen soll die Flüchtlinge unter den Gästen zudem in die Lage versetzen, kostenlos mit Verwandten und Bekannten in der Ferne Kontakt aufzunehmen. Erfolgreich laufen auch weiterhin individuelle Deutsch-Intensivkurse.

Und Wilfried Hammers wäre nicht der Vorsitzende des Fördervereins für Arbeit, Umwelt und Kultur in der Region Aachen, wenn er neben aller „Inkulturation“ nicht auch Infoabende zum Thema Asyl und Europapolitik planen würde, die demnächst terminiert werden sollen.

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