Welch ein Segen, das Silber ist wieder da!

Von: Markus Bienwald
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Die rot-gelbe Standarte strahlte mit den St.-Sebastianus-Schützen aus Kerkrade um die Wette, aber der eigentliche Star des Tages hing bei König Louis Roukens neun Kilo schwer über den Schulter: das zurückgekehrte Königssilber. Foto: Markus Bienwald
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Dechant Arnold Borghans segnete das Königssilber. Foto: Markus Bienwald

Kerkrade. Um aus Silber Gold zu machen, bedarf es bei den St.-Sebastianus-Schützen aus Kerkrade keiner alchimistischen Kräfte. Vielmehr reichte den fein livrierten Schützen mit Zylinder im Februar ein Anruf der Polizei, dass ihr geliebtes Schützensilber wieder aufgetaucht ist, um sie in Jubel ausbrechen zu lassen.

Am Sonntag war es soweit, denn das, was den historischen Schützen so viel wert ist wie Gold, konnte wieder öffentlich getragen werden. Und welch‘ passenderen Tag als den tatsächlichen Geburtstag von König Willem Alexander konnten die Bogenschützen wählen, um ihrem amtierenden König Louis Roukens das wertvolle Silber wieder umzuhängen?

Dechant Arnold Borghans segnete das zurückgekehrte Silber ein und machte damit die Geschichte komplett, die für die Historie der Schützen aus Kerkrade Gold wert ist. Er spannte in seiner Predigt einen Bogen zu Menschen, die ihren festen Glauben niemals aufgeben sollten. „Und das taten auch die Schützen nicht, denn sie waren davon überzeugt, dass ihr Silber wieder zurückkehrt“, sagte Dechant Borghans.

Begonnen hatte die kuriose Geschichte im Juni letzten Jahres, als Schützensekretär Geert Bemelmans das Königssilber aus dem Tresor der örtlichen Rabobank abholen wollte. 1992 entschlossen sich die Kerkrader Schützen mit Blick auf den Wert (rund 150.000 Euro) und die historische Bedeutung (220 Silberplatten mit neun Kilo Gesamtgewicht), die wertvollen Erinnerungen dort im Safe einzulagern.

Allerdings wurde das Ganze beim Aufräumen des Safes für wertlose Karnevalsorden gehalten und zum Sperrmüll gestellt. Mit Entsetzen stellten Schützenvertreter und Bankangestellte damals fest, dass der wertvolle Silberschmuck nicht mehr aufzufinden war und die Fahndung nach den Memorabilien begann.

10 000 Euro Belohnung der Bank wurden durch die Schützen verdoppelt, ganz Kerkrade half suchen und im Februar war es soweit: Das Silber wurde bei einem Mitarbeiter der Entsorgungsfirma und dessen Komplizen sichergestellt. Sie hatten zuvor versucht, das Silber an die Bank und die Schützen zu veräußern – und die Falle der Ordnungsbehörde schnappte zu.

Polizei war an diesem Sonntag nicht zugegen, als die Schützen mit einem kleinen Festzug von der Lambertuskirche über den Markt quer durch die Stadt zur historischen Abtei Rolduc begannen. Wohl aber war der Stolz der Bewahrer historischer Traditionen an jedem Schritt abzulesen, den sie unter Begleitung des Harmonie-Vereins St. Cäcilia Herzogenrath-Afden durch den Ort bis zur Abtei taten.

„Wir sind wirklich glücklich“, ließ König Louis Roukens dort auch die Damen der Schützenbrüder wissen, die sich gemeinsam mit allen Helfern bei einem gemeinsamen Lunch mit frisch poliertem Tafelsilber die Geschichte noch einmal auf der Zunge zergehen ließen. Zuvor hatten sie den Moment mit vielen digitalen Klicks im Bild festgehalten und so eine ganz neue Historie der Historie begonnen.

Auch wenn das historische Vermächtnis schwer auf den Schultern des Königs lag, so war er doch stolz, es wieder tragen zu dürfen. Ob es das „Wunder des heiligen Sebastian“ war, wie Geert Bemelmans damals sagte, die das silberne Prachtstück wieder zurück an die Besitzer brachte, sei dahingestellt. Klar ist allerdings, dass die bisher vom König genutzte Sebastianus-Kette von 1855 nun wieder in die Lambertuskirche zurückkehren durfte, wo sie sicher verwahrt wird.

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