Weitere schlechte Botschaft für Cinram

Von: Karl Stüber
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Zum Monatswechsel nach 41 Jahren beendet: Die Produktion von Ton- und Bildträgern bei Cinram in Alsdorf ist Geschichte. Foto: Karl Stüber, Verena Müller
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Fortgeführt werden sollen unter anderem Distribution und Druckerei. Foto: Karl Stüber, Verena Müller

Alsdorf. Noch eine bittere Botschaft für die Beschäftigten der Firma Cinram nach der Trennung von Universal Pictures und Einstellung der Produktion von CDs, DVDs und Blu-rays. „Infolge einer strategischen Neuausrichtung von Warner Home Video werden Dienstleistungen für diesen wichtigen Kunden zum 31. Januar 2018 beendet“, teilte Insolvenzverwalter Dr. Frank Kebekus mit.

Trotz dieser Entscheidung, die von der Cinram-Geschäftsführung und dem Insolvenzverwalter bedauert werde, würden die Gespräche mit Investoren, die sich für die restlichen Geschäftsteile wie Distribution, Endfertigung und Druckerei interessieren, unvermindert weitergeführt. Zudem werde der verbleibende Betrieb zunächst im vollen Umfang fortgeführt - der Kunde stelle ja erst zum 1. Februar die Kooperation ein.

Der Insolvenzverwalter erwartet, dass Investoren bis spätestens Mitte August verbindliche Kaufangebote abgeben. Kebekus zeigte sich weiterhin optimistisch, dass trotz der veränderten Rahmenbedingungen eine übertragende Sanierung gelingen kann. Kebekus‘ Kanzleikollege Dr. David Georg sagte auf Nachfrage unserer Zeitung: „Von den interessierten Investoren ist keiner aufgestanden und gegangen, als klar wurde, dass Warner Home Video die Zusammenarbeit beendet. Es ist zwar eine schlechte Nachricht, aber wir sind zuversichtlich, den Standort erhalten zu können.“ Für Cinram Alsdorf sprächen dessen Lagerkapazitäten und Logistik-Kompetenzen.

Derweil hat die Transfergesellschaft ihre Arbeit aufgenommen, in der bis zu 329 Mitarbeiter wechseln können, die im Zuge der Einstellung der Produktion zum 31. Juli ihren Arbeitsplatz verloren haben oder nach Abwicklung letzter Aufräumarbeiten bald verlieren werden. Laut Georg nutzen mehr als zwei Drittel der Betroffenen die Option Transfergesellschaft, deren Arbeit auf ein halbes Jahr limitiert ist. Zudem hätten rund 30 Mitarbeiter Kündigungsschutzklage eingereicht.

Da aber die Produktion alternativlos geschlossen worden ist, werden die Aussichten auf Erfolg der Klagen als gering eingeschätzt. Laut Insolvenzverwalter zählt die Firma Cinram in Alsdorf nach den Entlassungen noch rund 600 Mitarbeiter.

IGBCE-Gewerkschaftssekretär Jörg Erkens sagte gegenüber unserer Zeitung: „Mit jedem Kunden, der geht, schwindet für Cinram ein Stück Hoffnung. Ich hoffe sehr, dass die Verhandlungen mit Investoren zu einem guten Ergebnis führen.“ Erkens verglich die Unterhaltungsbranche mit einem „Haifischbecken“. Universal Pictures und Warner Home Video seien langjährige Kunden von Cinram gewesen und hätten sich noch vor gar nicht langer Zeit mit der Arbeit dort sehr zufrieden gezeigt. „Da will man sich jetzt wohl nicht mehr daran erinnern.“

Erkens glaubt nicht an Zufälle, zumal der Wechsel von Auftragnehmern sorgfältig vorbereitet sein will. „Ich habe den Eindruck, dass sich die Großen wie Sony, Bertelsmann mit Arvato und Technicolor, die das USA-Geschäft von Cinram aufgekauft haben, das Geschäft weltweit aufteilen.“ Cinram sei dabei der Leidtragende.

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