Weiße und schwarze Kugeln entscheiden

Von: fs
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Nach Abschluss des ungewöhnlichen Aufnahmeverfahrens: 1. Schützenmeister Jürgen Schmitz (l.) begrüßt das Neumitglied Dr. Tobias Dreßen – rechts 2. Schützenmeister Dr. Reiner Aghte. Foto: Repro: Sevenich

Herzogenrath. Die St.-Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft anno 1250 Herzogenrath hat bei ihrer Generalversammlung ein besonders Verfahren angewendet. Grund: Ein Herzogenrather Bürger hatte sich um die Aufnahme in die Gesellschaft beworben. Die Entscheidung erfolgt traditionsgemäß durch die so genannte „Ballotage“, eine Wahl mit schwarzen und weißen Kugeln.

Dieses Verfahren werde in dieser Form nur noch von Deutschlands ältester Schützengesellschaft, nämlich den Herzogenrather St.-Sebastiani-Armbrustschützen vollzogen, wie es seitens der Schützen hieß.

Tobias Dreßen aufgenommen

Die Abstammung des Begriffs „Ballotage“ ist nicht mehr genau zu bestimmen. Er taucht im 16. Jahrhundert erstmals in Frankreich auf. Daneben gibt es noch den Begriff „ballot“, eine angloamerikanische Bezeichnung für eine geheime Abstimmung und schließlich das lateinische „ballota“, was soviel wie „kleine Kugel“ bedeutet. Die Einführung der Ballotage bei der St.-Sebastiani-Gesellschaft lässt sich zeitlich nicht mehr feststellen.

Wie in dem Buch „Unsere Gesellschaft im Wandel der Zeit“ (Theo Kutsch, 1975) nachzulesen ist, stand in der Satzung der Schützen aus dem Jahre 1882, dass ein Mitglied nur durch Ballotage in die Gesellschaft aufgenommen werden kann. Möglich ist, dass diese Wahlhandlung in der Zeit übernommen wurde, als in der Region die Franzosen herrschten, von 1792 bis 1815.

Bevor mit der Ballotage begonnen wurde, gab der 1. Schützenmeister Jürgen Schmitz den Namen des Bewerbers bekannt: Dr. Tobias Dreßen. Anschließend erläuterte er die Regularien der Ballotage. Für die Ballotage erhält jeder Schütze eine weiße und eine schwarze Kugel, die weiße Kugel steht für „Ja, ich bin mit der Aufnahme einverstanden“, die schwarze für „Nein“.

Zur Wahl wurden die Schützen einzeln aufgerufen und legten ihre Kugeln geheim in die so genannten Ballotagekästen. Die Auswertung der Ballotage erfolgt durch die 1. und 2. Schützenmeister.

Den Eid abgeleistet

Den Schützen wird dabei nur das Resultat der Zustimmung mitgeteilt. Im Anschluss an die Ballotage erfolgte die Einladung an den Bewerber zur Ableistung des Schützeneides. Nachdem der Bewerber eingetroffen war, erfolgte seine feierliche Aufnahme, bei der der neue Schütze den Schützeneid ableistete. Anschließend erhielt er eine Ausfertigung der Satzung und das Schützenabzeichen der Gesellschaft.

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