Weil „Selbsthilfe” eben heißt, dass sie „sich selbst helfen”

Von: Sarah Siemons
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Halten die nötigen Information rund um die Selbsthilfe bereit: Elmar Burger und Astrid Thiel. Foto: Sarah Siemons

Nordkreis. Spielsucht, Essstörung, Sexueller Missbrauch - es gibt viele Themen, bei denen es den Betroffenen helfen kann, sich mit anderen auszutauschen. Nicht selten schließen sich deshalb Menschen in Selbsthilfegruppen zusammen, weil sie meist nicht nur ein offenes Ohr für den anderen, sondern auch Verständnis für dessen Situation haben.

Über 140 Selbsthilfegruppen gibt es in der Städteregion Aachen, da kann man schon einmal den Überblick verlieren. Damit das nicht passiert, stehen Astrid Thiel und Elmar Burger als Ansprechpartner zur Verfügung. Gemeinsam haben sie auch den Wegweiser herausgegeben, einer dicken Broschüre mit allen Angeboten schwarz auf weiß.

„Wir sehen uns auch als Lotsen im Gesundheitswesen. Wenn Menschen nicht wissen, ob Selbsthilfe überhaupt das Richtige ist. Da helfen wir, den Weg zu den passenden Ansprechpartnern zu finden”, erklärt Astrid Thiel. Die 38-jährige Wahl-Aachenerin behält seit zwei Jahren den Überblick im Selbsthilfebüro im Kreis Aachen.

„Ich glaube an die Wirksamkeit der Gruppen und daran, dass aktive Menschen nicht nur anderen, sondern auch sich selbst helfen”, erklärt die Diplom Sozialpädagogin. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Elmar Burger, der seit sieben Jahren als Ansprechpartner der Aachener Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (Akis) fungiert, knüpft Thiel ein Netzwerk aus Themen und Angeboten.

„Die wichtigste Frage lautet natürlich: Ist eine solche Gruppe für mich in meiner aktuellen Verfassung überhaupt das richtige?”, weiß Burger. Der 60-Jährige Aachener hat am eigenen Leib erlebt, was es heißt, richtig krank zu sein. „Die Erfahrung, völlig hilflos zu sein, hat mir geholfen, einiges meiner Arbeit zu verstehen”, sagt der Diplom Pädagoge heute.

Eine Selbsthilfegruppe ist also bei weitem nicht die Antwort auf jedes Problem. „Die Menschen müssen begreifen, dass so eine Gruppe nicht heilt. Sie hilft, doch sie kann keinen Arzt ersetzen”, erklärt Thiel. Und noch etwas sei wichtig: „Ich muss mir vor Augen führen, wofür Selbsthilfe eigentlich steht - nämlich für sich selbst helfen”, ergänzt Burger. Da nütze es nichts, mit zu hohen Erwartungen an die anderen, in den Erzählkreis zu gehen. „Da bin ich selbst gefragt und kein anderer”, sagt Burger. Gerade das führe leider dazu, das gerade im Bereich der psychischen Erkrankungen nur wenige Gruppen gegründet würden. Im Bereich der körperlichen Krankheiten sehe das anders aus.

Thiel und Burger helfen aber nicht nur bei der Suche nach den geeigneten Ansprechpartnern. Auch, wer eine eigene Gesprächsgruppe anbieten möchte, bekommt hier die nötigen Informationen und praktische Unterstützung. Wo gibt es Fördergelder, welche Räumlichkeiten stehen zur Verfügung? Gibt es vielleicht weitere Interessierte? Denn es gibt viele Themen, bei denen ein Gespräch helfen kann...
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