Herzogenrath - Weihnachten im Kinderheim: Wie in einer richtigen Familie

Weihnachten im Kinderheim: Wie in einer richtigen Familie

Von: Beatrix Oprée
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Salzgebäck als Geschenke für die Eltern: (v.l.) Heimleiterin Rosi Sommer, Gruppenleiterin Sonja Martini und Svenja Kock, die im Kinderheim ein freiwilliges soziales Jahr absolviert. Foto: Oprée
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Geborgenheit: Weihnachten ist für die Kinder in St. Hermann-Josef immer ein großes Thema. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Ein wunderbarer Duft strömt durch den Flur: „Plätzchen?“ – „Nicht ganz“, korrigiert Gruppenleiterin Sonja Martini: „Salzgebäck.“ Herzen, Sterne, Bäumchen, die die Kinder noch bemalen und als Geschenk mit nach Hause nehmen wollen. Es weihnachtet sehr im Merksteiner Kinderheim St. Hermann-Josef, ganze 100 Jahre alt, aber randvoll mit Lebensfreude.

Liebevoll verzierte Fenster, Adventskränze auf den Tischen, Deko auf Regalen und Anrichten zeugen in jeder Ecke von der Weihnachtszeit.

In modernen Bungalows auf weitläufigem Gelände leben 56 Kinder und Jugendliche altersgemischt in fünf familienartigen Verbänden zusammen. Für die Älteren gibt es im Neubau Jugendzimmer, die gleichermaßen Eigenständigkeit ermöglichen und Verantwortung erfordern. Etwa den Wecker zu stellen, um pünktlich zur Schule zu kommen, sagt Rosi Sommer, seit achteinhalb Jahren Leiterin der Einrichtung.

Nicht den besten Start ins Leben hatten die Kinder, bevor sie an der Bungartzstraße eine vorübergehende neue Heimat gefunden haben: „Ein großes Thema sind Überlastung und Krisensituationen in den Elternhäusern“, erklärt Sommer. Wenn junge Menschen erst noch lernen müssen, wie man eine Familie organisiert, und Faktoren wie Arbeitslosigkeit, Geldprobleme, psychische oder andere Erkrankungen dazukommen, dann laufen die Dinge schnell aus dem Ruder. Und die Jüngsten sind die Leidtragenden.

„Viele Mütter und Väter merken aber selbst, dass sie nicht mehr klarkommen, und nehmen Hilfen in Anspruch“, sagt Sommer. „Über die Hälfte der Kinder ist mit Zustimmung der Eltern bei uns.“ Um die Lebenssituation wieder ins Lot zu bringen.

Rund die Hälfte der Kinder ist es auch, die über Weihnachten nach Hause fährt. Zu Eltern, Großeltern, nahen Verwandten. Ob eine Beurlaubung möglich ist und wie lange diese dauern sollte, ein, zwei Tage oder nur stundenweise, das haben Betreuer, Jugendamt, Eltern beziehungsweise Vormund weit im Vorfeld gemeinsam abgeklärt. Möglichst viel möglich machen, um den Kontakt zu den Angehörigen zu bewahren, ist die Devise. „Keine Frage: Es ist der Wunsch der meisten Kinder, dauerhaft wieder zu Hause sein zu können. Oder wenigstens das Weihnachtsfest dort zu verbringen“, stellt Sommer klar.

Wo das aber nicht geht, soll das Heim Gemeinschaft und Geborgenheit bieten. So steigt heute Abend die Weihnachtsfeier für alle, die im Haus leben und wirken – Kinder, Betreuer, Koch, Reinigungskräfte und Verwaltungsmitarbeiter. „Gefeiert wird in den Gruppen, ganz individuell“, vergleicht die Heimleiterin ihre Einrichtung mit einer Reihenhaussiedlung: „Von außen sehen die Häuser gleich aus, doch innen findet überall etwas anderes statt.“

Erst Festmahl, dann Bescherung

Regelrechte Traditionen sind da entstanden, wie in richtigen Familien eben auch: Bei den einen gibt es selbst zubereiteten Rinderbraten, die anderen lassen einen Partyservice kommen oder gehen aus, zum Griechen oder zum Italiener im Ort. Nach dem Festmahl ist Bescherung angesagt, Geschenke auspacken, Weihnachtslieder singen, Plätzchen essen. An Heiligmorgen wird ausgeschlafen, bevor die einen abreisen und die anderen sich auf besinnliche Tage vorbereiten.

Mit Besuch des Krippenspiels oder der Christmette in St. Willibrord, in die auch einige der Kinder als Messdiener eingebunden sind. Wie überhaupt in viele Veranstaltungen und Aktionen, die im Ortsteil geboten werden – in dem das Kinderheim seit jeher auch gesellschaftlich eng verwurzelt ist.

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