Weicher Boden stoppt die Lok Anna 9

Von: Karl Stüber
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Schwieriger Einsatz: Das 29 Jahre alte Einsatzfahrzeug des THW sollte mit einer Winde die „abgespeckte“ Lok Anna 9 über provisorisch verlegte Schienen Richtung Straße ziehen, aber die Lok sprang aus dem Gleis. Foto: Karl Stüber
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Der Kohlekasten gehört zu den Großteilen, die abmontiert wurden. Foto: Karl Stüber
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Die Dampflok hat mit den Jahren arg gelitten. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Über Nacht hat es geschneit. Auch wenn am Samstagmorgen schon wieder Tauwettter eingesetzt hat und sich später die Sonne für eine Weile am Himmel blicken lässt, sind die Einsatzbedingungen für die Kräfte des Technischen Hilfswerks (THW), Ortsverband Alsdorf, auf dem Spielplatz am Eingangsbereich des Tierparks Alsdorf eine echte Herausforderung.

Der Boden ringsherum wird beim Einsatz von schwerem Gerät zu Schlamm. Und am Abend wird noch erschwerend Schneeregen einsetzen. Aber das wissen die THW‘ler noch nicht.

Es gilt, die ausgediente alte Dampflok Anna 9 für ihre Reise nach Aschersleben vorzubereiten. Dabei geht es nicht um Verschrotten. Ganz im Gegenteil. Der neue Eigentümer will die Sammlung des Deutschen Werkbahnmuseums (Hannover), die sich seit einigen Jahren auf dem Gelände des Eisenbahn-Club Aschersleben befindet, mit dem guten Stück aus Alsdorf ergänzen und es dort wieder rollfähig machen (siehe Info).

Gelöste Schrauben werden sogleich von dem kleinen Team aus Aschersleben gereinigt und eingefettet, größere Teile sorgfältig beiseite gelegt. Die Museumsbahner haben Erfahrung mit alten Dampfloks, die lange gestanden haben. So haben sie bereits eine stillgelegte Dampflok vom Typ Planodes (Hersteller Hanomag) hergerichtet, die zuvor ebenfalls auf einem Spielplatz ihr Dasein fristete.

Maschine wird „abgespeckt“

Aber die Überarbeitung von Anna 9 ist Zukunftsmusik. Zunächst muss die alte Lady an diesem Tag teilweise demontiert werden. 35 Tonnen bringt sie auf die Waage. Die Lok muss abgespeckt werden. Zudem gilt es, den Metallkoloss auf provisorisch zu legenden Schienen rund 30 Meter weit zu verschieben und zu drehen, lautet das Tagesziel. Eine Woche später soll Anna 9 in einem zweiten Schritt auf einen Tieflader gehievt und abtransportiert werden.

THW-Ortsbeauftragter Alfred Sensen ist angetan von der ungewöhnlichen Anforderung: „Das ist für uns mehr als nur eine Gelegenheit zur Ausbildung und Übung. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, so eine Lok bewegen zu können.“ Und die 15 THW’ler, die zum Einsatz kommen, gehen engagiert zur Sache. Ein Notstromaggregat nimmt seine Arbeit auf. Ein Zelt wird errichtet, mit Tischen und Bänken. Heiße Getränke gibt’s. Die Einsatzkräfte können sich in Pausen aufwärmen.

Es kommt zu Verzögerungen. Der schwere Lkw der Alsdorfer Transportfirma Vazquez, auf dem ein Kran montiert ist, kommt auf dem aufgeweichten Boden nur mühsam voran. Stahlplatten werden ausgelegt. Nun können die beiden je 1,5 Tonnen schweren Wasserkästen, der etwa 700 Kilo wiegende Kohlekasten und das weitere 600 Kilo schwere Führerhaus abgehoben werden. Dabei wird das ganze Ausmaß der Schäden deutlich, die nicht nur die lange Standzeit auf dem Spielplatz hinterlassen haben. Rost hat dem Kessel (rund 10 Tonnen) und dem Unterbau (über 20 Tonnen) schwer zugesetzt.

Die fachkundigen Augen eines Vertreters des Werkbahnmuseums machen deutliche Gebrauchspuren aus, die daraufhindeuten, dass Anna 9 zuletzt – das Einsatzende vor Augen – „auf Verschleiß gefahren“ wurde, wie er meint. Trotz der langen Standzeit sind zwei der drei Achsen noch gut beweglich, nur die mittlere sitzt fest. Die Lok wird angehoben.

Zusätzliche Rollen werden untergeschoben und Schienen mit gestückelten Bahnschwellen unterfüttert. THW-Fachhelfer Jochen Kühn kann auf einen speziellen Lehrgang zurückgreifen. Er hat sich Spezialwissen „für technische Hilfe auf Anlagen der deutschen Bahn AG“ angeeignet.

Die Zeit schreitet voran. Einsatzleiter Alfred Sensen lässt Lichtmasten mit Leuchten aufstellen. Am Abend kommen ein paar THW‘ler des Ortsverbandes Herzogenrath als Verstärkung hinzu. Mühsam wird Gleismaterial angestückelt. Das 29 Jahre alte Einsatzfahrzeug mit dem Stern auf der runden Motorhaube kommt zum Einsatz und soll mit der Winde die Lok über neu verlegtes Gleis langsam in Richtung Straße ziehen.

„Aber das alte Mädel ist uns mit einer Achse leider aus den Schienen gesprungen“, bedauert der THW-Mann. Der weiche Boden hat dem Druck nicht standgehalten. Fortsetzung folgt am nächsten Samstag. Um 8.30 Uhr soll es losgehen.

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