Alsdorf - Wegen Betreuungsgebühr: Meister mit der Innung im Clinch

Wegen Betreuungsgebühr: Meister mit der Innung im Clinch

Von: Thomas Vogel
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Noch wird in seinem Betrieb au
Noch wird in seinem Betrieb ausgebildet: Meister Dirk Everhartz mit Azubi Kevin Kehr (l.). Foto: Thomas Vogel

Alsdorf. An Fachkräften herrscht Mangel. Über die Zahl an Bewerbungen auf einen Ausbildungsplatz hingegen kann sich Elektromeister Dirk Everhartz nicht beschweren. Was liegt also näher, als sich den Nachwuchs selbst heranzuziehen?

Das macht Everhartz in seinem Betrieb in Alsdorf seit über 13 Jahren. Nicht sicher ist aber, ob er auch im nächsten Jahr einen Azubi einstellt. Grund ist die Lehrlingsbetreuungsgebühr, die ab dem Ausbildungsjahr 2012 von der Fachinnung für Elektrotechnik Aachen erhoben wird.

Eigentlich ist in Everhartz Firma alles wie in anderen Handwerksbetrieben: Er ist Mitglied in der Handwerkskammer, seine Azubis werden in die Handwerksrolle eingetragen. Das ist Pflicht. Mitglied der Innung ist Everhartz nicht. „Da bin ich stolz drauf”, sagt er.

Auf die Institution ist er nicht gut zu sprechen. Als er auf dem Weg in die Selbstständigkeit war und die Konzession beantragte, um Elektroinstallationen abnehmen zu dürfen, habe die Innung ihm „unnötig hohe Auflagen” gemacht.

„Wohl weil die hier organisierten Arbeitgeber der Elektrotechnik-Branche weitere Konkurrenz vermeiden möchten”, vermutet er. Fortan bekam Everhartz jährlich Post von der Innung, die um seine Mitgliedschaft warb.

Als jetzt wieder ein Brief ins Haus flatterte, war eine Überraschung im Kuvert: die Ankündigung, dass künftig für jeden neuen Auszubildenden 180 Euro Lehrlingsbetreuungsgebühr zu zahlen sind. Verwaltungsgerichtsurteile aus den 80er Jahren haben festgestellt, dass es unangemessen sei, wenn Personal- und Sachkosten für Leistungen der Innung, die jeder Handwerksbetrieb in Anspruch nehmen kann, nur von den Mitgliedern bezahlt werden.

Das will die Innung mit neuer Gebühr nun gerechter verteilen, so wie anderenorts seit Jahrzehnten gängige Praxis. Die Urteile kann Everhartz nachvollziehen. Die Summe von 180 Euro spielt für ihn keine Rolle, ihm geht es aber ums Prinzip: Er kann etwa nicht verstehen, warum die Innung sich erst jetzt, rund 30 Jahre später, entschließt, eine solche Gebühr zu erheben...

„Wir hatten schon die Möglichkeit und hatten die Gebühr im Gespräch”, erklärt Ludwig Voß, Geschäftsführer der Fachinnung für Elektrotechnik Aachen. Allerdings habe man das Thema immer „ein bisschen vor sich hergeschoben”.

Die Meinungen der Kontrahenten zu den Leistungen der Innung gehen indes diametral auseinander: Für Zwischenprüfung, Gesellenprüfung oder Berichtshefte der Azubis etwa zahlt Everhartz separat an die Innung. Das sei somit abgegolten, meint er. Vom übrigen Angebot hingegen mache er keinen Gebrauch.

Ludwig Voß beurteilt das allerdings anders: Als Beispiel nennt er die Ausarbeitung der diversen Prüfungsordnungen, aber auch Ausbildungs-Rahmenpläne, von denen jeder ausbildende Betrieb automatisch profitiere. Everhartz sieht nun drei Möglichkeiten: weiter auszubilden, ohne 180 Euro zu zahlen und es auf einen Rechtsstreit ankommen lassen - „dafür habe ich aber wegen Betrieb und Ausbildung keine Zeit”.

Zweitens könnte er den Azubis die Gebühr anteilsmäßig vom Lohn abziehen. Doch die Azubis will er nicht für etwas bestrafen, das sie nicht Schuld seien. Bleibt drittens, auf Lehrlinge zu verzichten - im Moment sein Favorit: „Ich habe immer super Azubis gehabt. Aber ehe ich denen etwas abziehe, bilde ich nicht mehr aus”.
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