Baesweiler/Berlin - Wasserspringerin Elena Wassen: Familie oder Erfolg? Beides geht nicht!

Wasserspringerin Elena Wassen: Familie oder Erfolg? Beides geht nicht!

Von: Katrin Fuhrmann
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Bei ihren Sprüngen läuft meistens alles richtig: Wasserspringerin Elena Wassen kann mit nur 16 Jahren schon viele große Erfolge feiern. Unter anderem gelang ihr 2016 der erste Titelgewinn einer deutschen Wasserspringerin bei einer Junioren-Weltmeisterschaft seit fast 25. Foto: Christian Picker
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Seit vielen Jahren erfolgreich: Wassersportlerin Elena Wassen. Foto: dpa

Baesweiler/Berlin. Die 16-jährige Elena Wassen freut sich schon auf Weihnachten. Gut, das mag vielleicht nichts besonderes sein. Geschenke, leckeres Essen, freie Tage – für die meisten eine Zeit der Besinnlichkeit. Aber während Gleichaltrige schon Wochen vor dem Heiligen Abend Geschenke für Geschwister und Eltern kaufen, Weihnachtsmärkte besuchen und sich auf die Ferien freuen, steht Elena noch bis kurz vor dem Fest auf dem Turm und trainiert. Sehr hart.

Für die Wasserspringerin aus Baesweiler, die mit ihrer Schwester Christina in Berlin zur Sportschule geht, dort lebt und trainiert, ist Weihnachten deshalb etwas besonderes, weil sie ihre Familie, ihre Eltern und ihre Brüder sieht – das fünfte Mal in diesem Jahr. Und so hat Elena auch keine materiellen Wünsche. Eine schöne, besinnliche Zeit mit ihrer Familie, das reicht der 16-Jährigen.

Für Elena und ihre Schwester ist es zur Routine geworden, dass sie ihre Familie nur noch selten sehen. Elena vermisst ihre Eltern manchmal schon. Klar. Als 16-jähriges Mädchen ist das auch nichts Ungewöhnliches. „Ich kenne es aber nicht anders. Ich hatte nie das Privatleben, wie es andere in meinem Alter haben. Freizeit habe ich ja sowieso kaum“, sagt sie.

Elena bekommt keine Umarmung, wenn sie aus der Schule kommt. Ihre Mutter fragt sie auch nicht, was sie zu Mittag essen möchte. Das, was für viele in Elenas Alter normal ist, kennt die 16-Jährige gar nicht. Ihre Eltern melden sich regelmäßig bei ihr. Rufen sie an. Schreiben ihr Nachrichten. Manchmal ist für lange Gespräche aber einfach keine Zeit.

Dreimal in der Woche Training

Dreimal in der Woche hat sie vor und nach der Schule Training. An den anderen Tagen trainiert sie auch. Neben Sprünge vom Turm, stehen auch Trockenübungen wie Dehnen, Akrobatik und Trampolinsprünge auf ihrem Trainingsplan.

Elena findet es traurig, dass ihrem Sport nach wie vor im Vergleich zu den großen Sportarten wie Fußball, Tennis & Co. nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. In den Medien und generell in der Öffentlichkeit. „Wenn Thomas Müller durch Berlin läuft, wird er erkannt und angesprochen. Sportler aus meiner Sportart kennt kaum jemand. Egal, wie erfolgreich sie international sind“, sagt sie.

Sie fände es schön, wen sich das irgendwann einmal ändert. Hoffnung hat sie allerdings wenig. Weil Elena sehr erfolgreich ist und viele Sponsoren hat, kann sie gut von ihrem Sport leben. Das können andere nicht, weiß Elena. Wenn Elena von hoch oben ins Wasser springt und dafür Punkte bekommt – weiß sie genau, woran es liegt, wenn ihr wiederum Punkte abgezogen werden. „Viele die sich mit Wasserspringen nicht beschäftigen, denken, dass wir alle die gleichen Sprünge machen“, sagt sie. Sie kann es nachvollziehen, dass viele den Sport deswegen langweilig finden. Schade findet sie es trotzdem.

Fragt man Elena nach ihren Hobbys und Freizeitaktivitäten neben dem Wasserspringen, wartet man vergeblich auf eine Antwort. Sie guckt kaum Fernsehen. Liest wenig. Wenn sie vom Training kommt, ist sie erschöpft. Sie will dann nur noch ins Bett.

Olympische Spiele 2016

Elenas Leben sieht anders aus, als das der Gleichaltrigen. Aber dafür macht Elena auch genau das, was sie schon immer machen wollte. Im zarten Alter von vier Jahren begann Elena mit dem Wasserspringen. Und dass, wer früh anfängt, auch belohnt wird, zutrifft, dafür ist Elena das beste Beispiel.

Ihr gelang 2016 der erste Titelgewinn einer deutschen Wasserspringerin bei einer Junioren-Weltmeisterschaft seit fast 25 Jahren. Nachdem sie bereits bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 das Halbfinale erreicht hatte, schloss sich nur vier Monate später bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Kazan die Goldmedaille an. Darauf blickt Elena, mehr als ein Jahr später, immer noch mit Freude zurück. Als Erstplatzierte des Vorkampfs ging die 16-jährige Schülerin damals in das Finale.

Trainer und Schule hatten große Erwartungen. Die Elena erfüllte. Mit 430, 70 Punkten wurde sie mit der Goldmedaille belohnt. Weil Elena mit ihren jungen Jahren schon so viele Erfolge feiern kann, steht sie zur Wahl zum Juniorsportler des Jahres. „Das freut mich sehr“, sagt sie. Sie sei gespannt wie die Wahl ausgehe.

Nächstes Jahr geht es für Elena zu den Jugend- und Weltmeisterschaften sowie zu den Europameisterschaften der Erwachsenen. Hinzu kommen zehn weitere internationale Wettkämpfe.

Wahrscheinlich wird Elena ihre Eltern auch im kommenden Jahr nicht häufiger als vier bis fünf Mal sehen. Das ist für sie in Ordnung. Irgendwie. Vermissen tut sie ihre Eltern und Geschwister trotzdem.

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