Was wird aus dem altem Kinkartz-Standort?

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
15473740.jpg
Weitgehend ungenutzt und ohne konkrete Perspektive: der vor zwei Jahren geschlossene Standort der Großbäckerei Kinkartz in Würselen-Broichweiden. Der Eigentümer, die Lambertz-Gruppe in Aachen, lässt sich Zeit mit der weiteren Entwicklung der Fläche. Foto: Karl Stüber

Würselen. Der ehemalige Standort der Großbäckerei Kinkartz im Würselener Stadtteil Broichweiden scheint auf den ersten Blick vollständig ungenutzt zu sein. Die Produktion wurde samt Mitarbeitern nach Aachen zur Lambertz-Gruppe verlagert, nachdem Ende 2015 die letzte Schicht gefahren worden war. Lambertz hatte Kinkartz schon im Jahre 1999 übernommen. Doch der Eindruck der Ruhe trügt.

„Wir betreiben an diesem Standort noch ein kleines Logistikzentrum mit Versandhandel“, sagt auf Nachfrage unserer Zeitung Hannes Wieczorek, der vor zwei Jahren für Lambertz die Produktionsverlagerung von Broichweiden nach Aachen gemanagt hatte. Das ist nicht viel an Aktivitäten auf dem rund 40.000 Quadratmeter großen Areal.

Erhalt der Gebäude kostet Geld

An diesem Standort wurde jahrzehntelang Süßes gebacken, was die Öfen nur hergaben. Verbunden mit Entwicklung, Verwaltung, Musterabteilung und dem „Süßen Lädchen“, in dem sich die Kundschaft direkt beim Produzenten eindecken konnte.

Was geschieht mit dem Grundstück? „Wir stellen Überlegungen an, wie es langfristig mit dem Gelände weitergehen kann“, sagt Wieczorek. „Es gibt derzeit keine baulichen Entwicklungen oder Pläne. Aber das kann auf Dauer nicht so bleiben.“ Das Gelände ist für die Firmengruppe nicht nur totes Kapital, sondern kostet auch noch Geld – zum Erhalt der Gebäude. An einzelnen Stellen wurden bereits Scheiben eingeworfen.

Bauland Würselen interessiert

Großes Interesse an der Fläche zeigt die Stadt Würselen. Manfred Zitzen, Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen (SEW) sagt, dass die Bauland Würselen Verwaltungs-GmbH vor gut einem Jahr Kaufinteresse gegenüber Lambertz signalisiert habe. An dieser Firma sind SEW und die Sparkassen Immobilien GmbH beteiligt.

Ziel war und ist es, das Gelände weiterzuentwickeln und dort vornehmlich Wohnhäuser zu bauen. Angesichts der hohen Nachfrage von Bauwilligen wären die Grundstücke sicherlich wie frisch geschnittene Printen zu vermarkten sein. Aber man ist da nicht weitergekommen, will Zitzen nicht ins Detail gehen, um den Eigentümer nicht zu vergraulen.

Erfahrungsgemäß dürfte es um die zentrale Frage gegangen sein, wie sich die Abrisskosten auf den Kaufpreis der Fläche auswirken. Zudem ist mit der Umwandlung in Bauland gutes Geld zu verdienen. Für das Schaffen der rechtlichen Grundlagen (Aufstellen des entsprechenden Bebauungsplans) dürfte die Kommune gerne 25 Prozent des Preises „sehen“ – wie bei anderen Projekten auch, um am Mehrwert beteiligt zu werden.

Nun ist Grundstücksvermarktung nicht gerade ein zentrales Geschäftsfeld der Lambertz-Gruppe. Der internationale Gebäckkonzern machte nach eigenen Angaben mit seinen neun Werken im Jahre 2016 einen Umsatz in Höhe von 651 Millionen Euro bei Investitionen in Höhe von 19,2 Millionen Euro. Da genießt eine Industriebrache in Broichweiden nicht unbedingt Vorrang.

Wieczorek betont allerdings, dass der Eigentümer sich seiner Verantwortung sehr wohl bewusst ist und die historisch gewachsene Fläche dort in Zukunft besser per Änderung des Bebauungsplan für Häuser und Wohnungen umgenutzt werden sollte. Ein regelrechtes Kaufangebot habe die Bauland GmbH bislang nicht gemacht, und es hätte auch schon andere Nachfragen gegeben.

Das klingt danach, dass Projektentwickler den Marktwert des ehemaligen Standorts Kinkartz erkannt haben. Der Lambertz-Vertreter spricht von einem nicht einfachen Prozess, der noch Jahre in Anspruch nehmen könnte. Die Rede ist von einem „mittelfristigen Projekt“. „Wir können natürlich verstehen, dass die Stadt Würselen an einer Lösung interessiert ist.“

Neben Wohnbebauung würde die Stadtentwicklungsgesellschaft dort gerne Einzelhandel sehen, aber nur im überschaubaren Rahmen und nur zur Nahversorgung. Die bislang dort ausgewiesenen Gewerbeflächen würde der Erste und Technische Beigeordnete Till von Hoegen wie auch SEW-Geschäftsführer Zitzen in Absprache mit der Bezirksregierung in Sachen Regionalplan „gerne nach Merzbrück transferieren“. Heißt: Zentrierung der Nutzungsformen, und kein Durcheinander von Wohngebieten und Gewerbe.

Gesprächsfaden aufnehmen

Zitzen wünscht sich, dass der Gesprächsfaden wieder aufgenommen wird: „Es wäre gut, wenn der Eigentümer auf die Stadt zukommen würde und seine Vorstellungen erläutert.“ Ein jahrelanges Pokern um das Kinkartz-Gelände wünscht sich keiner. Ein zweites Singergelände soll es nicht werden – eigentlich.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert