Was Jugendlichen in Alsdorf fehlt

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
12543481.jpg
Mehr Bänke und freies W-Lan: Vorschläge, die Jugendliche für Alsdorf gemacht haben. Sie sollen jetzt regelmäßig eingebunden werden und so Einfluss auf ihre Umgebung und Freizeitmöglichkeiten erhalten. Foto: Imago/Westend61
12543507.jpg
Mehr Bänke und freies W-Lan: Vorschläge, die Jugendliche für Alsdorf gemacht haben. Sie sollen jetzt regelmäßig eingebunden werden und so Einfluss auf ihre Umgebung und Freizeitmöglichkeiten erhalten. Foto: Verena Müller
12543501.jpg
Mehr Bänke und freies W-Lan: Vorschläge, die Jugendliche für Alsdorf gemacht haben. Sie sollen jetzt regelmäßig eingebunden werden und so Einfluss auf ihre Umgebung und Freizeitmöglichkeiten erhalten. Foto: Verena Müller
12543503.jpg
Mehr Bänke und freies W-Lan: Vorschläge, die Jugendliche für Alsdorf gemacht haben. Sie sollen jetzt regelmäßig eingebunden werden und so Einfluss auf ihre Umgebung und Freizeitmöglichkeiten erhalten. Foto: Verena Müller

Alsdorf. Freies WLAN, mehr Multifunktionsplätze, eine sicherere und sauberere Stadt – das sind ein paar Beispiele der vielen Vorschläge und Kritikpunkte, die eine Gruppe Jugendlicher zwischen zwölf und 22 Jahren zusammengetragen hat.

Lange Zeit haben sich viele Menschen innerhalb Alsdorfs darüber Gedanken gemacht, was sie für die Jugendlichen tun und wie sie diese besser (auch politisch) einbinden können – Jugendamt, Jugendeinrichtungen der Kirchen und der freien Träger der Jugendhilfe und Streetworker sowie die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses – nur die Jugendlichen selbst waren nicht beteiligt.

Das soll nun anders werden. Ein erster Schritt ist die besagte „Wunschliste“. Unter dem Motto „Alsdorf#Läuftbeidir“ ist diese Ende April in der K.O.T. (Kleinen Offenen Tür St. Castor) entstanden, indem Jugendliche diskutiert und notiert haben, was ihnen in Alsdorf fehlt.

Die Leiter der Treffs und Teamer wie Christian Reger hatten im Vorfeld über soziale Netzwerke und mit Plakaten dafür geworben, stellten am Tag selbst Räume, Thementische, Essen, Getränke und ließen die Jugendlichen dann „einfach machen“. So laute generell die Devise, sagt Günter Thimm, zuständig für Jugendarbeit in Alsdorf. Gemeinsam mit dem Leiter der K.O.T., Daniel Dammers, stellen Thimm und Reger im Interview Hintergründe und Ergebnisse dar:

Wie kam es zu „Alsdorf#Läuftbeidir?

Thimm: Ganz einfach: Die Planungsgruppe Jugendarbeit, ein Zusammenschluss der Jugendämter in der Region, hat die Aufgabe, den Paragrafen 78 des Sozialgesetzbuches mit Leben zu füllen. Und im Rahmen der Planungsgruppe, zu der Jugendtreffs und Streetworker gehören, haben wir uns gefragt, wie man Jugendliche einbinden kann.

Jetzt ist das Gesetz aber nicht neu.

Thimm: Nein, das gibt es schon lange. Seit Anfang der 90er. Und auch die Arbeitsgruppe gibt es seit 1993. Aber uns ist aufgefallen, dass alle zu Wort kommen, nur die Jugendlichen selbst nicht.

Und jetzt sind erstmals die Jugendlichen selbst gefragt worden, was ihnen fehlt.

Thimm: Genau. Wir haben lange nach der richtigen Form gesucht. Das Grundprinzip der Jugendarbeit ist ja die Freiwilligkeit. Wie kriegen wir die also dazu, sich mit Themen wie Mobilität, Verkehr, Umwelt, Freizeitangebote und so weiter, auseinanderzusetzen? Das war die zentrale Frage. Die Teamer der fünf Jugendtreffs haben ein Plakat gestaltet, Werbung gemacht und haben dann die, die Lust hatten mitzumachen, in die K.O.T. mitgebracht.

Und was waren die wesentlichen Kritikpunkte?

Reger: Zum Beispiel, dass man immer irgendwo hinfahren muss, wenn man etwas unternehmen will. Aus Sicht der Jugendlichen haben manche Nachbarstädte ein viel besseres Freizeitangebot. Dann hat man aber das Problem, dass man abends nicht mehr mit dem Bus zurückkommt. Der nach Mariadorf, wo ich wohne, fährt abends kaum noch. Sehr interessant war auch, dass ein Teilnehmer mit Handicap dabei war.

Wie lief die Sammelphase ab?

Thimm: Es gab sechs Thementische. Die Themen des Tischs wurden diskutiert, die Ergebnisse auf eine Papiertischdecke geschrieben, dann wechselten die Jugendlichen bunt gemischt an den nächsten Tisch. Das hatte zur Folge, dass manche Themen an jedem Tisch wieder auftauchten.

Zum Beispiel?

Thimm: Offenes W-Lan.

Als im Jugendhilfeausschuss die Ergebnisse präsentiert wurden, fiel auch das Stichwort Kriminalität.

Dammers: Ja, das stimmt. Es gibt ein paar Orte, an denen man sich abends nicht gerne aufhält. Die Grünfläche hinter dem Rathaus wurde genannt und der Annapark. Auch Müll war ein wiederkehrendes Thema. Manche wünschen sich, dass mehr Mülltonnen aufgestellt werden.

Jetzt sind aber weder W-Lan noch Kriminalität oder Müll spezifische Jugendthemen. Das betrifft alle.

Dammers: Ja, aber aus dem Thema Müll beispielsweise haben wir die Idee entwickelt, Mülleimer mit einem Gesicht und einer Sprechblase mit der Aufschrift „Fütter mich“ oder so ähnlich zu versehen. Daraus könnte man etwas machen.

Die Anregung, Jugendliche einzubinden, stammte ja im Grunde aus der Verwaltung. Wie wird denn jetzt der Ball wieder zur Verwaltung zurückgespielt?

Thimm: Über die Projektgruppe. Nach den Sommerferien wollen wir die Ergebnisse auswerten.

Das Treffen war Ende April, die Auswertung erfolgt nach den Sommerferien. Das ist schon ein recht großer Zeitraum. Vor allem für Jugendliche.

Thimm: Ja, das stimmt, aber das wissen die auch. Die, die sich beteiligt haben, sind weiterhin eingebunden. Mit denen werden wir uns wieder zusammensetzen.

Und was wird dann aus den Vorschlägen oder Kritikpunkten?

Thimm: Wir interessieren uns in erster Linie für die Themen, für die wir auch Fördermittel für Jugendarbeit generieren können. Natürlich werden dann nicht Sauberkeit oder Kriminalität in den Jugendförderplan aufgenommen, sondern Angebote für Jugendliche und Ansätze für deren politische Bildung. Denkbar wäre beispielsweise auch, Jugendliche zu Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses zu benennen.

Was passiert dann aber mit den kritisierten Punkten, die nicht klassisch unter Jugendarbeit fallen?

Reger: Es ist alleine schon wichtig, dass man mitkriegt, dass es da ein Unwohlsein gibt. Dass darüber gesprochen wird, warum man bestimmte Orte nicht gerne aufsucht. Das zu formulieren und zu partizipieren ist ja schon ein Schritt.

Thimm: Das ist ja auch schwierig. Wir bohren da dicke Bretter. Man muss sich dafür Zeit nehmen, sich um gesellschaftliche Themen zu kümmern.

Dammers: Wir haben auch schon erste Ideen, die man in Aktionen mit den Jugendlichen im Stadtgebiet umsetzen kann. Davon ist aber noch nichts spruchreif.

Wie geht es weiter?

Thimm: Wir wollen das ab jetzt regelmäßig machen und die Themen im Ausschuss vorstellen.

Dammers: Einer der Teilnehmer sagte, die jetzigen Jugendlichen müssten die Dinge für die nächste Generation verbessern. Das fand ich gut.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert