Waldjugend: Freundschaft gepaart mit Umweltschutz

Von: ro
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Erläutern die Aktivitäten der Würselener Waldjugend: Andreas Kaffanke, Sprecher der Waldjugend, Felicitas Zunftmeister, stellvertretende Bundesleiterin des Bundesverbandes DWJ e.V., sowie Daniela Fengels, Gruppenleitung der Phönix-Horte (mit Sohn Moritz (v.r.n.l.). Foto: Roß

Würselen. Die Würselener Waldjugend ist auf zahlreichen Tätigkeitsfeldern aktiv. Im Interview äußern sich Andreas Kaffanke, Sprecher der Würselener Waldjugend, Felicitas Zunftmeister, stellvertretende Bundesleiterin des Bundesverbandes DWJ e.V., und Daniela Fengels, Gruppenleitung der Phönix-Horte zu den vielfältigen Aktivitäten der Würselener Waldjugend, der Nachwuchsförderung, dem Ehrenamt, und auch zum Weihnachtsmarkt im Würselener Stadtwald.

Der Weihnachtsmarkt der Würselener Waldjugend am heutigenSamstag, 19. November, und Sonntag, 20. November, am Forsthaus Schwarzenbruch hat bereits eine lange Tradition. Worauf dürfen sich die Waldbesucher freuen?

Daniela Fengels: Die hoffentlich zahlreichen Besucher erwartet ein kleiner Weihnachtsmarkt, fernab von Trubel und Gedränge, wohl aber mit allen Vorzügen, die das Naherholungsgebiet des Würselener Waldes zu bieten hat. Die Kinder unserer Jung-Gruppe bieten, gegen eine kleine Spende, vor oder nach einem erholsamen Spaziergang, heiße Getränke, Kuchen, oder warme Reibekuchen, die man sich genüsslich am wärmenden Lagerfeuer zu Gemüte führen kann. Wahlweise können sich unsere Besucher ein Stück Wald mit nach Hause nehmen: Sei es durch angebotenes Tannengrün, Adventskranzrohlinge, Erzeugnisse des Plätzchenbaumes, oder mit einer Flasche Likör aus selbst geernteten Früchten. Wir können allerlei aufbieten und gerne informieren wir vor Ort über unser Treiben im und um den Stadtwald Würselen und in allen Wäldern deutschlandweit.

Frau Zunftmeister, Sie engagieren sich im Bundesverband. Was sind die Hauptaufgaben der Deutschen Waldjugend?

Felicitas Zunftmeister: Die Deutsche Waldjugend (DWJ) ist die Jugendorganisation der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und der älteste Umweltschutz-Jugendverband Deutschlands. Wir Waldläuferinnen und Waldläufer leben die Kombination aus aktivem Umweltschutz und Elementen wie Fahrten, Wanderungen, Jugendlager, Musizieren und weitere Aktivitäten wie Werken. So erhalten wir einen Einblick in die Lebenszusammenhänge in der freien Natur. Aus diesem Verständnis entwickelt sich ein Verantwortungsbewusstsein für Natur und Landschaft. Dies wiederum ist Grundlage für eine spätere wirkungsvolle Mitarbeit im Natur- und Umweltschutz sowie der Landschaftspflege. Dem Zusammenhalt, dem Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen und dem Verständnis und der Freundschaft zu anderen Menschen kommt dabei eine ganz besondere Bedeutung zu.

Herr Kaffanke, seit 22 Jahren engagieren Sie sich in der Würselener Waldjugend. In Ihrer Freizeit ist der Stadtwald Würselen so etwas wie Ihre zweite Heimat. Was macht den besonderen Reiz aus, bei der Waldjugend mitzumachen?

Andreas Kaffanke: Die Waldjugend ist für mich über die lange Zeit meiner Mitgliedschaft nicht nur zu einer vom Ort ungebundenen Heimat geworden, sondern zu einer Art Familie mit dezent wechselnden Familienmitgliedern. Sie ist ein Jugendbund: Mit unserem Halstuch symbolisieren wir einander unsere Verbundenheit im Sinne unserer Satzung und Ziele. Als ältester Jugend-Naturschutz-Bund Deutschlands sind wir zu allererst dem Schutz der heimischen Wälder verpflichtet. Als Bund verstehen wir uns darüber hinaus auch als Teil einer Jugendbewegung. In dieser Bewegung sehe ich einen besonderen Reiz. Sie bildet ein Zugehörigkeitsgefühl, unabhängig von beispielsweise Religion oder politischer Haltung. Sie ist eine Basis gegenseitigen Erkennens und konstruktiven Miteinanders.

Das hört sich sehr theoretisch an. Können Sie das konkretisieren?

Andreas Kaffanke: Neben unseren Aktivitäten, die wir im Sinne des Naturschutzes und im Sinne des bündischen Miteinander gestalten, sprich Lager und Fahrt, ist es auch ein Teil meines Alltags geworden. Vor kurzem im Auto beispielsweise bemerkte ich eine Truppe junger Tramper. Ich war schon vorbei, hatte aber das Halstuch bemerkt, das die Drei trugen. Ich drehte und lud den Trupp französischer Pfadfinder recht umständlich, ob deren Gepäck, in meinen Wagen. Mit Händen und Füßen erklärten diese ihr Ziel und ich unternahm einen großen Umweg, um deren Unternehmung so gut es ging zu unterstützen. Die Drei standen bisher seit zwei Stunden an der Straße, waren schon weit gelaufen und hielten dauernd den Daumen raus. Man könnte eine Gesellschaftskritik hierin erkennen, von einem anonymen, gleichgültigen Miteinander, wo jeder im eigenen Interesse schnell von hier nach dort muss. Aber wo hätten die Leute was anderes lernen sollen? Die Zugehörigkeit der Bünde bringt uns dieses Miteinander wieder. Wenn die Tramper kein Halstuch getragen hätten? Ich habe mir schon vor langer Zeit geschworen, im Rahmen von Machbarkeit und gesunder Einschätzung jeden Tramper mitzunehmen, der denselben Weg hat wie ich.

Herr Kaffanke sagte es bereits: Der Jugendarbeit kommt eine ganz besondere Bedeutung zu. Wie ist hier die Würselener Waldjugend derzeit aufgestellt?

Daniela Fengels: Die Würselener Waldjugend lebt mit der „Phönix-Horte“ seit kurzem neu auf. Zurzeit haben wir 13 regelmäßig teilnehmende Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren. Das ist eine sehr positive Entwicklung in den letzten zwei Jahren. Wir hatten einen großen Brand in unserer Hütte, was die Gruppenarbeit stark in den Hintergrund gedrängt hatte, da wir alle Energien in den Neuaufbau stecken mussten. Seit zwei Jahren sind wir wieder sehr erfolgreich mit einer jungen Gruppe im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Unser Problem liegt momentan jedoch in der großen altersmäßigen Lücke zwischen den Kindern und den Gruppenleitern. Die Leiter sind ausnahmslos berufstätig, zum Teil auch in Schichtarbeit, und nebenbei die Zeit zu finden, eine so große Gruppe zu führen und die Treffen und alles Weitere zu organisieren, ist eine schwierige Aufgabe.

Warum sollten Kinder und Jugendliche, aber natürlich auch ehrenamtliche Helfer und Betreuer, bei der Waldjugend mitmachen?

Andreas Kaffanke: Wir sehen, dass aus relativ kleinen Schwierigkeiten, wie unserer Unterbrechung in der Jugendarbeit für gerade mal ein Jahr, eine komplette Gruppe auseinanderfallen kann. Wir Älteren haben so sehr von der tollen Arbeit unserer Gruppenleiter profitiert. Ich wäre ein ganz anderer Mensch, wenn es die Waldjugend nicht gegeben hätte. Ich möchte das weitergeben, trotz berufsbedingter knapper Zeit. Zudem bin ich gerade Vater geworden, was nicht gerade eine flexiblere Einteilung meiner Kräfte begünstigt. Wir brauchen ein starkes Ehrenamt, damit Jugendgruppen, trotz solcher persönlichen Stressoren weiter existieren können. Wir freuen uns über jeden Jugendlichen, der bei uns mitmacht und natürlich auch über jeden Ehrenamtler! Kontakt derzeit über die Gruppenleiterin Danny: dannyfengels@yahoo.de

Und wie sieht die Arbeit konkret in der Würselener Waldjugend aus? Wie viele junge Leute engagieren sich derzeit hier und was sind die Hauptaktivitäten das ganze Jahr über im Wald?

Andreas Kaffanke: Derzeit unterstützen uns fünf Gruppenleiter. Rege Unterstützung erhalten wir durch einzelne Waldläufer der Würselener Bussard-Horte. Wir treffen uns übrigens alle zwei Wochen samstags zur Gruppenstunde von 11 bis 14 Uhr an der eigenen Hütte am Würselener Stadtwald. Spielerisch erkunden wir unseren Patenforst und lernen so die heimischen Pflanzen und Tiere kennen. Kleinere forstwirtschaftliche Arbeiten/Naturschutzprojekte wie Pflanzaktionen (Eichen), das Schneiden von Weidenruten, der Umgang mit Werkzeug, Feuer machen, Aufbau von Kothen und Jurten (Schwarzzelte), Gitarre spielen und Singen runden unser Programm ab. Hinzu kommen die Jahresaktionen wie zum Beispiel Teilnahme am Landeslager, Herbstlager und der Weihnachtsbasar.

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