Aachen/Alsdorf - Wahl-Alsdorfer Michael Foellmer regiert die Oecher Jecken

Wahl-Alsdorfer Michael Foellmer regiert die Oecher Jecken

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Mike I. in Aktion: Kinder liegen Michael Foellmer besonders am Herzen. Seinen Hofstaat hat er zum Teil in seinem „Wahlheimatdorf“ rekrutiert. Im Tennisclub TC Rot-Weiß Alsdorf nämlich. Foto: Timo Zackel

Aachen/Alsdorf. Michael Foellmer wohnt in Mariadorf und ist als Mike I. amtierender Aachener Karnevalsprinz. Auch ein Großteil seines Gefolges hat er in dem Alsdorfer Ortsteil „rekrutiert“. Wie er das geschafft hat, hat er Verena Müller erklärt:

Herr Foellmer, muss man kein Aachener sein, um dort Prinz zu werden?

Foellmer: Soweit ich weiß nicht. Das Gesamtpaket muss stimmen. Es bringt nichts, wenn man ein waschechter Aachener ist, aber ein schüchternes Mäuschen.

Was Sie nun nicht gerade sind.

Foellmer: Nein. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Ich bin eigentlich nicht der Mariadorfer, der jetzt Oecher Prinz geworden ist. Ich bin in Aachen geboren, aufgewachsen, ich arbeite hier und bin seit mehr als zehn Jahren Mitglied der Rathausgarde Öcher Duemjroefe.

Dann frage ich mal andersrum: Was hat Sie nach Alsdorf verschlagen?

Foellmer: Ich habe da ein Haus gekauft, mit einem kleinen Garten und einer überschaubaren Rasenfläche, die in einer halben Stunde gemäht ist. Sehr motivierend!

Sind Sie auch mit dem Mariadorfer Vereinsleben verwachsen?

Foellmer: Oh ja! Ich habe schon immer gerne Tennis gespielt. Und, na ja, wenn man älter wird, tritt der Spaß an der Sache immer mehr in den Vordergrund. Da geht man nicht mehr mal eben schnell eine Stunde Tennis spielen und haut wieder ab. Als ich auf Einladung des Vorsitzenden des TC Rot-Weiß Alsdorf – ein Akquisiteur wie er im Buche steht! – dort beim Probetraining war, hieß es danach gleich „Hoch die Tassen!“ Ich fühle mich da sauwohl. Es geht sehr herzlich und familiär zu. Ein Teil meines Hofstaats stammt übrigens auch aus dem Verein.

Ich nehme mal an, dass Sie aber in erster Linie in Aachen Kontakte brauchten, um sich mit Ihrer Bewerbung durchzusetzen.

Foellmer: Ja, wobei ich es eher als Hürde wahrgenommen habe, viele zu kennen. Ich finde es schwieriger, sich vor Freunden oder guten Bekannten hinzustellen und denen zu erklären, warum sie sich für einen entscheiden sollen, als vor Fremden. Mein Vater war in diversen Aachener Vereinen aktiv, unter anderem als Vereinsarzt bei der Alemannia.

Wie lange hatten Sie den Traum, Prinz zu werden? Wirklich seit Kindheitstagen, wie Ihr Sessionsmotto („D‘r Öcher Bösch deä bruucht sing Böüm wie d‘r Fastelovvend sing Kengerdröüm“) suggeriert?

Foellmer: Ja, wirklich. Als Kind am Rosenmontagszug zu stehen, das war immer toll! Alles war so pompös, farbenfroh und groß! Damals waren die Wagen noch mit Blumengestecken geschmückt. Beeindruckend war das. Dann, als Jugendlicher, war ich einige Jahre an Karneval immer krank, habe danach aber die jecken Tage umso mehr genossen. Über mehrere Jahre war ich Gardist bei der Rathausgarde Öcher Duemjroefe und in der Session 2012/13 Teil des Hofstaats von Thomas II. (Sieberichs). Das ist natürlich von Vorteil, wenn man sich als Prinz bewerben will. Klar.

Wen haben Sie gemimt?

Foellmer: Den Till, also Till Eulenspiegel. Die Rolle hatte ich schnell weg. „So bekloppt wie Du bist, kannst Du nur den Till machen!“, hieß es.

Und wie haben Sie sich um die „Prinzen-Rolle“ beworben? Mit einer Mappe?

Foellmer: Das kann man so machen – oder mit kleinen Büchern oder einem Schnellhefter ... (grinst)

Haben Sie aber nicht.

Foellmer: Nein. Zuerst habe ich bei Thomas Jägerberg, Hofmarschall des Aachener Karnevalsvereins (AKV), die Fühler ausgestreckt, ob ich überhaupt einen Anlauf wagen soll. Danach habe ich mit Stefan Hanrath vom Cinetower Alsdorf einen Kinospot gedreht. Und den dem Elferrat auch dort vorgeführt. Die wussten natürlich nicht, was sie erwartet. Einberufen war eine ganz normale Vorstandssitzung.

Was war zu sehen?

Foellmer: Ich hatte keinen Text auswendig gelernt, sondern mich so präsentiert, wie ich es auf der Bühne auch mache. Gedreht haben wir unter anderem vor historischer Kulisse in Aachen, aber auch hier bei mir im Büro.

Und damit konnten Sie sich gegen zwei Mitbewerber durchsetzen. Warum eigentlich zum jetzigen Zeitpunkt die Bewerbung?

Foellmer: Das macht man nur einmal im Leben. Dank meines gut funktionierenden Teams mit fünf Mitarbeitern kann ich mir das beruflich leisten. Außerdem wollte ich, dass meine Eltern das noch miterleben. Die sind jetzt 72 und 78 Jahre alt.

Worum geht es Ihnen primär? Nur ums Rampenlicht?

Foellmer: Im Mittelpunkt zu stehen, ist für mich eher belastend, weil ich es immer allen recht machen will. Ich bin aber ein geselliger Typ und habe Spaß an Teambuilding. Mein Hofstaat ist eine tolle Truppe, und wir wollen einfach gemeinsam feiern. Damit wollen wir auch anderen Spaß bereiten, vor allem den Kindern. Das ist schon eine besondere Magie, das Leuchten in den Kinderaugen zu sehen, wenn man als Aachener Prinz vor ihnen steht.

Wie kam das Motto zustande?

Foellmer: Ich hab‘ überlegt: Was hast Du für Hobbys? Tennis und Klavier, Skifahren vielleicht noch. Also ich bin ja auch nicht der Alberto Tomba von Aachen, außerdem war Ski schon mal Thema. Michael II. (Kratzenberg) hatte den Tierpark als Motto und mit Kindern das Dschungelbuch nachgespielt. Die Kleinen waren mit Enthusiasmus bei der Sache, da habe ich eine Gänsehaut bekommen. Da stand für mich fest: Kinder und Natur müssen drin vorkommen.

Wie haben Sie Kinder dann ins Programm integriert?

Foellmer: Zum Beispiel haben wir Kinder der 4. Klasse der Domsingschule gefragt, welche Träume sie in Verbindung mit Karneval haben. Aus den Bildern haben wir eine Collage angefertigt und daraus einen Stoff anfertigen lassen. Mit diesem Stoff wurden die Rücken unserer Anzugwesten, Tücher und Fliegen angefertigt. Ebenfalls wird sich in jedem Kostüm des Hofstaats und des Prinzen dieser Stoff wiederfinden lassen.

Sie engagieren sich auch über die aktuelle Session hinaus für Kinder.

Foellmer: Ja, über das AKK, das Aachener Klenkes Komitee, setze ich mich für sozial benachteiligte und behinderte Kinder ein. Wir organisieren zum Beispiel Ausflüge und demnächst wieder eine Weihnachtsfeier.

Apropos Weihnachten. Im Moment können Sie wahrscheinlich verschnaufen. Der 11.11. ist erstmal geschafft ...

Foellmer: Ja, allerdings findet noch eine Reihe von Ordensfesten statt. Als nächstes steht unsere „Hofstaat-and-friends-Party“ an. 555 Eintrittskarten zu elf Euro, alle schon weg. Danach fiebern wir natürlich dem 6. Januar entgegen.

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