Alsdorf - Wärme aus Grubenwasser: Projekt am Energeticon startet

Wärme aus Grubenwasser: Projekt am Energeticon startet

Von: Karl Stüber
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Im Eduardschacht am Energeticon Alsdorf wird eine Geothermieanlage installiert, um Wärmeenergie aus dem Grubenwasser zu gewinnen: „Driller“ Dimitri Berger markiert die Stelle, an der der Bohrer ansetzen wird. Foto: Karl Stüber
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Der Bohrkopf liegt bereits bereit. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Endlich wird das Pilotprojekt „Grubenwasserenergie für das Energeticon“ (GrEEn) in Alsdorf realisiert. Ein Jahr lang hatte das Vorhaben, das im Mittel rund 26 Grad warmes Grubenwasser des Eduardschachts zur Gewinnung von Wärmeenergie für das Energeticon „fördern“ soll, auf Eis gelegen.

Der Grund: Leider ist die vorhandene Endgasungsleitung doch nicht zum Einbringen eines Wärmetauschsystems nutzbar. Das war aus den Unterlagen des Eigentümers, dem Eschweiler Bergwerks-Vereins (EBV) nicht erkennbar.

Mittlerweile hat Energeticon-Geschäftsführer Harald Richter in detailreichen Verhandlungen mit dem zuständigen Bergamt Arnsberg den vorgeschriebenen Hauptbetriebsplan des Alternativplans ausgehandelt. Derzeit wird die Baustelle eingerichtet, auf der eine Bohrmaschine aufgestellt wird, um einen neuen Zugang zum Grubenwasser durch einen 153 Meter mächtigen Betonpfropfen zu treiben.

Das Spezialgerät ist auf dem Weg von München nach Alsdorf. Dimitri Berger hat mit einer gelben Stange die Stelle markiert, an der der Bohrkopf aufgesetzt wird. Der „Driller“ (Bohrtechniker) der Spezialfirma Daldrup und Söhne aus Ascheberg hat reichlich Berufserfahrung auch in großer Tiefe. Der Bohrer soll noch vor Weihnachten positioniert und zunächst nur ein paar Meter vorangetrieben werden. Das Niederbringen des Bohrgestänges wird erst im Januar kontinuierlich betrieben und etwa drei Wochen in Anspruch nehmen.

Zuvor sollen die Anwohner per Wurfsendung informiert werden, wie Richter auf Nachfrage sagt. „Die Bürger sollen wissen, was auf dem Gelände geschieht. Es wird nur tagsüber gebohrt“, versichert der Geschäftsführer des Dokumentationszentrums für Energieformen. „Wir kennen die Konsistenz des Betonpfropfens.“ Mit dem Projekt betraut ist das Aachener Ingenieurbüro Heitfeld-Schetelig. Neben dem Land NRW (70 Prozent) ist das RWE mit 20 und die Energeticon gGmbH mit zehn Prozent an dem rund 1,2 Millionen Euro teuren Vorhaben beteiligt.

Es gilt zu klären, ob es wirtschaftlich – also ohne öffentliche Förderung – möglich ist, nicht mehr genutzte Schacht- und Stollensysteme des Steinkohlenbergbaus, die mittlerweile mit Grundwasser vollgelaufen sind, thermisch anzuzapfen. Wie jeder Bergmann und Gast, der auf einer Grube „angefahren“ ist, weiß, wird es mit zunehmender Tiefe wärmer. Diese natürliche Heizkraft soll genutzt werden.

„Das Faszinierende daran ist, dass alte Bergbaustrukturen dazu genutzt werden, regenerative Energie zu gewinnen“, sagt Richter. Ein Prinzip, das nicht nur im ehemaligen Aachener Steinkohlenrevier, sondern auch im Ruhrgebiet Anwendung finden könnte. Technisch zu lösen galt es auch eine Herausforderung des Eduardschachtes, die auch für andere potenzielle „Wärmezapfstellen“ gelten dürfte.

Im rund 6,50 Meter mächtigen Eduardschacht hat das Grubenwasser noch nicht die Unterkante des Betonabschlusses erreicht. Das Wasser steht rund 25 Meter tiefer. In dem entsprechenden Hohlraum befindet sich Methan – jenes Grubengas, das auch für das schwere Grubenunglück im Jahre 1930 dort verantwortlich war. Beim Anbohren muss unbedingt ein Entzünden verhindert werden.

Das Methan soll durch Zuführung eines adäquaten Gemisches auf eine unkritische Konzentration gesenkt werden, wie Richter erläutert. „Ich verstehe, dass das Bergamt da genau hinsieht.“ Dank der Firma Deutsche Montantechnik sei das Problem gelöst. Zudem darf das nachdrängende Methan nicht in das Bohrloch gelangen, welches das Wärmetauschsystem enthält. Deshalb werden sogenannte Hüllrohre eingebracht, die als Ventil dienen.

Und wie funktioniert die Wärmegewinnung? Eine „Trägerflüssigkeit“ wird über ein geschlossenes Schlauchkreislaufsystem“, das durch das Bohrloch bis tief in das Grubenwasser führt, gepumpt.

Wissenschaftliche Begleitung

Ohne Flüssigkeitsaustausch oder Vermischung diffundiert die Wärme in das Schlauchsystem und wird Richtung alte Kaue (Verwaltungs- und Seminargebäude des Energeticons) geleitet. Dort befindet sich eine konventionelle Gasheizungsanlage. In einem einjährigen Probebetrieb – also über alle vier Jahreszeiten – gilt es dann, die Grubenwasserwärme ergänzend dem Heizungssystem zuzuführen.

Der Bedarf schwankt natürlich saisonal. Während in der kalten Jahreszeit Energie aus Grubenwasser willkommen ist, um die Gasrechnung zu senken, ist das im Sommer anders. Wie wird die Temperierung des Grubenwassers darauf reagieren. Um wie viele wird es „winters“ sinken? Und wird es im Sommer wieder auf Ausgangsniveau steigen? „Das will ausbalanciert sein“, sagt Richter. W

ie ergiebig ist also diese Energiequelle? Um das wissenschaftlich fundiert zu dokumentieren und beurteilen zu können, wird das Institut des Geothermie-Experten Prof. Dr. Christoph Clauser (RWTH Aachen) dies begleiten, sagt der Energeticon-Geschäftsführer.

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