Alsdorf - Vortrag über deutsch-niederländische Grenzerfahrungen

Vortrag über deutsch-niederländische Grenzerfahrungen

Von: Nina Krüsmann
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Grenzerfahrung: Die war Thema von Referent Dr. Rüdiger Haude (l.). Eingeladen hatte ihn der Geschichtsverein mit seinem Vorsitzenden Franz-Josef Müller. Foto: Krüsmann

Alsdorf. Die paradoxe Rolle der Staatsgrenze stand im Mittelpunkt eines Vortragsabends beim Alsdorfer Geschichtsverein. Traditionell trägt der Verein mit einer Abendveranstaltung zum Programm des Europafestes bei, das diesmal die 25-jährige Städtepartnerschaft mit dem südlimburgischen Brunssum in den Mittelpunkt gestellt hatte.

Der neue Vorsitzende des Geschichtsvereins, Franz-Josef Müller begrüßte dazu auch die Honorarkonsulin der Niederlande in Aachen, Prof. Dr. Christiane Vaeßen, sowie das Partnerschaftskomitee der Stadt im Sitzungssaal des Alsdorfer Rathauses.

„Unser Referent Dr. Rüdiger Haude ist in seinem akademischen Forschen ein ausgewiesener Experte für Grenzen und die Niederlande“, sagte Müller. Unter dem Titel „Brücke und Hindernis – Die paradoxe Rolle der Staatsgrenze“ sprach Haude über das Auffälligste, das man überwinden muss. In einem Projekt an der RWTH hatte er untersucht, wie sich die Wahrnehmung der Bürger an der deutsch-niederländischen Grenze seit 1945 entwickelt hat. Hierfür nahm er die vier Grenzbereiche Aachen-Vaals, Eurode, also Herzogenrath und Kerkrade, den Selfkant sowie im Norden Wegberg unter die Lupe.

Schlagbaum als Spielgerät

„Ich habe Interviews geführt und mich 2010 auf eine viertägige archäologische Fahrradtour begeben um die Relikte der Grenze zu fotografieren“, erzählte Haude.

Bemerkenswert war das Titelbild seines Vortrags: Es zeigt eine Szene in den 1970er Jahren. Eine Gruppe von Kindern sitzt auf dem Holm eines Schlagbaums am Grenzübergang Aachen Seffent und blickt in Richtung Vaals. Die paradoxe Rolle der Staatsgrenze wird gerade hier ersichtlich. „Der Schlagbaum ist ein immanentes Symbol der Grenze und kann doch von Menschen anders interpretiert werden. Hier nutzen Kinder es als Spielgerät und reiten darauf.“

Ebenfalls zu Gast war „Mr. Eurode“, ein Mann, der sich ganz besonders mit Grenzen auskennt: Theo Kutsch ist Ehrenbürger der Stadt Herzogenrath und vielen bekannt als „Kämpfer“ im Dienst der Grenz-Überwindungen zwischen dem „Diesseits“ und „Jenseits“ in Eurode. Als noch Stacheldraht und Mauern an der Neustraße die durch den Zweiten Weltkrieg entfremdeten Staaten Deutschland und Niederlande teilten, setzte er sich für seine Vision ein.

„Nicht immer war die grenzüberschreitende Zusammenarbeit so einfach wie heute“, sagte Kutsch, der sich noch gut an die Zeiten zurück erinnerte, als Zollämter, Grenzhäuschen und Schlagbäume die Grenze pflasterten. „Damals waren Nachbarn Feinde und ein Stacheldrahtzaun stand zwischen uns“, sagt der Senior. Das Niederreißen der Drahtzäune sowie der Abbaus des Mäuerchens und die Vereinigung von Herzogenrath und Kerkrade zu Eurode in den Neunziger Jahren waren sein Traum. Am Abend klang das Europafest mit dem Mottoland Niederlande mit einem Feuerwerk über dem Kirmesplatz aus.

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