Vorstellabend des VKAG gleicht einem Karnevalsfest

Von: Markus Bienwald
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Laut und stimmungsfördernd zogen mit fettem Tschingderassabumm beispielsweise auch die Ihrefelder Zigeuner aus Köln in die Aula der Alsdorfer Gesamtschule ein. Foto: Markus Bienwald
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Thekensportler Marc Breuer zog sich was Jeckes über und ging als Borowski in die Alsdorfer Bütt. Foto: Markus Bienwald
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Laut und stimmungsvoll geht es beim Vorstellabend des Verbandes der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreise (VKAG) zu. Daran haben mit fettem Tschingderassabumm beispielsweise die Ihrefelder Zigeuner aus Köln (oben), VKAG-Präsident Reiner Spiertz (unten links) und auch Joachim Nacken und seine Kohlscheider Mafia della Musica (unten rechts) ihren Anteil. Für den Tusch an der richtigen Stelle sorgt Musiker Michael Lindlar an seinem Keyboard (unten Mitte). Foto: Markus Bienwald
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Laut und stimmungsvoll geht es beim Vorstellabend des Verbandes der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreise (VKAG) zu. Daran haben mit fettem Tschingderassabumm beispielsweise die Ihrefelder Zigeuner aus Köln (oben), VKAG-Präsident Reiner Spiertz (unten links) und auch Joachim Nacken und seine Kohlscheider Mafia della Musica (unten rechts) ihren Anteil. Für den Tusch an der richtigen Stelle sorgt Musiker Michael Lindlar an seinem Keyboard (unten Mitte). Foto: Markus Bienwald

Nordkreis. Es ist 19 Uhr, die Zeit passt, der Ort mit der Aula der Gesamtschule in Alsdorf auch. Nur der Zeitpunkt einige Wochen vor dem offiziellen Sessionsstart will für manchen Betrachter vielleicht nicht so recht passen. Das macht den Menschen, die sich hinter und vor den Kulissen professionell mit dem Thema Karneval beschäftigten, natürlich gar nichts aus, ganz im Gegenteil.

Denn zum zur schönen Tradition gewachsenen Vorstellabend des Verbandes der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreise (VKAG) gehört es, ein paar Wochen, bevor es richtig los geht, noch ein paar Perlen für die kommenden Galasitzungen auszusuchen.

Optisch recht unauffällig

„Wenn wir alle Bewerbungen angenommen hätten, säßen wir noch bis mindestens drei Uhr hier“, sagte VKAG-Präsident Reiner Spiertz. Seine in rote Jacken gewandete Truppe ist übrigens die einzige, die – abgesehen von den Auftretenden – in der jecken Montur erschienen ist.

Nur hier und da sind Vereins-T-Shirts zu erspähen, ansonsten bleiben die Karnevalsentscheider aus der Region optisch unauffällig. Bestens ist hingegen die Laune bei den rund 150 aus der gesamten Region nach Alsdorf angereisten Karnevalisten.

Sie schafften es schon, beim ersten Ton des Eisbrechers des Abends, der „Mafia della Musica“ aus Kohlscheid, zu singen, zu schunkeln und mitzumachen. „Das liegt natürlich auch an uns“, sagt Joachim Nacken, musikalischer Leiter der an diesem Abend insgesamt 16 dunkel gewandeten Sänger.

Für ihn und seine Männer, die ebenso Kölsche wie Öcher Karnevalshits im Programm haben, ist der Abend definitiv keine Pflichtveranstaltung. „Wenn Fastelovend ist, sind wir dabei“, sagt Joachim, der schnell beim Du und noch schneller bei der Programmabfolge ist.

„Haben noch Termine frei“

Denn es müssen sich alle Auftretenden, die im Anschluss natürlich gerne gebucht werden können, an eine maximale Vorstelldauer von 15 Minuten halten. „Sonst kommen wir mit dem Programm nicht durch“, erklärt VKAG-Chef Spiertz.

Kein Problem für die Mafia: Sie lässt zwar heute ihr Programm für die Damensitzungen, zu denen sie als männlicher Stimmungschor natürlich gerne geht, in der Notentasche, und auch die Schlager mussten weichen. Doch was sie aus der Kölschen und der Öcher Musikkiste ziehen, ist aller Ehren wert.

„Sauf‘ Dich voll und leg‘ Dich nieder, stehe auf und saufe wieder“, singen sie beispielsweise nach einem alten Trinkspruch – und die Halle macht, natürlich sehr maßvoll, mit. Damit hat die Mafia ihren Auftrag „Stimmung“ bestens erfüllt – und sie darf auf Buchungen hoffen. „Wir haben noch Termine frei“, sagt Joachim Nacken.

Dass auch ohne oder mit wenig Alkohol tüchtig gefeiert werden kann, zeigen die vielen Offiziellen des Brauchtums Karneval an diesem Abend auch ohne Narrenkappe. Sie schunkeln, singen tüchtig mit und stärken sich zwischendurch mit Frikadellen, Wurst und Brötchen.

Hausmannskost darf hingegen nicht auf die Bühne, da steht wirklich nur Erstklassiges: Teils aus Holland wie die „Alm Power“-Band, aus Köln wie die „Ihrefelder Zigeuner“ mit Trommeln, Pfeifen und Gesang, oder auch aus Düren mit den „Elf Jott Frings“ und Erkelenz mit „Alpenkölsch“ kommen die Künstler.

Über einen Tusch an der richtigen Stelle, den Musiker Michael Lindlar immer passend einbaut, freut sich nicht nur ein bekennender Thekensportler wie Marc Breuer, der als Borowski in die Bütt steigt und von seiner mit Figurproblemen kämpfenden Frau und den wechselnden Jobs erzählt.

Auch Yvonne Milewicz von den Alsdorfer Tänzern KTC hört den jecken Tusch gerne. Sie ist heute nicht nur als Mitorganisatorin an Bord, sondern sieht den Vorstellabend noch aus ganz anderer Sicht: „Meine Kinder sind im Moment im Kölner Karneval auf Vorstelltour“, sagt sie.

Sie sind die „Geschwister in der Bütt“, heißen Lena und Niklas und haben es bereits im vergangenen Jahr bis in den Kölner Karneval geschafft. „Das ist schwer“, sagt die Mutter, „denn dort gibt es nicht nur einen Vorstellabend.“ So gibt es Vorrunden, immer wieder Entscheide, wo das ganz normale Publikum über Wohl und Wehe des Weiterkommens entscheidet, und Abende nur mit Fachpublikum.

„Ich hoffe, sie schaffen das dieses Mal auch“, sagt Yvonne Milewicz, die als Tanztrainerin weiß, dass die Session für die echten Karnevalstänzer nie endet. „Wer oben mittanzen will, muss das ganze Jahr über trainieren“, sagt sie und spendet zwischendurch Applaus für die Künstler auf der Bühne.

Beifall für jeden

Beifall gibt es an diesem gelungenen jecken Abend in Alsdorf übrigens jede Menge. Denn auch wenn der Zaungast sofort am An- und Abschwellen des Gesprächspegels an den Tischen vor der Bühne merkt, ob ein Künstler gut oder schlecht ankommt, sind die Entscheider über das, was die Menschen in der fünften Jahreszeit auf die heimischen Bühnen bekommen, doch fair und klatschen für alle.

Da macht es auch nichts, wenn die aktuelle Jahreszeit für einen Außenstehenden vielleicht doch nicht so recht zum Gesehenen passen will. Denn die echten Karnevalisten feiern das ganze Jahr über ihr liebgewonnenes Brauchtum und stecken dabei wirklich jeden mit guter Laune an.

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