Vorplatz von St. Sebastian: Ausschuss liegen vier Varianten vor

Von: Karl Stüber
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Als Parkplatz am Rand der Innenstadt beliebt, aber auch umstritten: Die Stadt Würselen will die Fläche umgestalten. Vier Varianten liegen jetzt zur Beratung im Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss an. Fotos (2): Karl Stüber Foto: Karl Stüber
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Ist für Parkplätze und gegen eine „Oase“: Manfred Wirtz, CDU.

Würselen. Die triste Teerfläche vor der schmucken Pfarrkirche St. Sebastian in Würselen-Mitte ist vielen ein Dorn im Auge – aber nicht allen. Die FDP-Fraktion zum Beispiel hatte bereits vor einiger Zeit vorgeschlagen, die Fläche mit einfachen Mitteln mit Markierungen zu versehen, um eine geordnetes Parken auf der gesamten Fläche zu gewährleisten.

Die UWG dagegen war differenzierter vorgegangen und hatte sich für die Einrichtung von Parkplätzen nebst großzügiger, parkähnlicher Begrünung starkgemacht.

Vorübergehend war die Diskussion über das Für und Wider von Parkplätzen und Grünanlage ins Stocken geraten, weil die Kommune hoffte, im Rahmen einer großen Gestaltungslösung im Umfeld auf Flächen der Kirchen zurückgreifen zu können. Die Pfarre hat zwischenzeitlich abgewunken.

Nun hat die Stadtverwaltung im Auftrag des Umwelt- und Stadtentwicklungsausschusses vier Varianten erarbeitet und durchgerechnet, die in der Sitzung an diesem Donnerstag, 28. April, zur Diskussion und zur Entscheidung anstehen. Die Beratungen beginnen um 17.30 Uhr im Sitzungssaal 1 des Rathauses auf dem Morlaixplatz.

Die vier Vorschläge liegen alle bei rund 200.000 Euro. Variante 1 mit 20 Parkplätzen und 240 Quadratmetern Grünfläche würde rund 207.000 Euro kosten. Variante 2 mit zwölf Parkplätzen und 360 Quadratmeter Grün wird mit 201.000 Euro veranschlagt. In diesem Fall kämen 20.000 Euro für die „Ausführungsplanung“ hinzu, welche die Verwaltung „nicht mit eigenem Personal erstellen kann“, wie es heißt. Nur sieben Parkplätze, aber 420 Quadratmeter kultivierte Natur sieht Variante 3 vor, die auf 197.000 Euro geschätzt wird. 195.000 Euro würde es kosten, auf Parkplätze zu verzichten und rund 800 Quadratmeter als Grün- und Aufenthaltsfläche zu gestalten.

Aber diese Variante hat noch zwei Unbekannte in der Rechnung. Einerseits wird bei Beseitigung der Teerschicht und der Aufbereitung des Untergrunds für die Grünflächen „eventuell PAK-haltiges Material entsorgt werden müssen." PAK ist das Kürzel für polyzyklisch aromatische Kohlenwasserstoffe.

Andererseits könnten für das Anlegen einer reinen Grünanlage ohne Parkplätze Fördermittel nach den Richtlinien zur Stadterneuerung des Landes Nordrhein-Westfalen fließen. Die Rede ist von einem Kostenanteil von zehn bis 40 Prozent.

Generell, so gibt die Verwaltung zu bedenken, wächst logischerweise der Pflegeaufwand mit der Größe der Grünflächen. Die genauen Kosten können die Kommunalen Dienstleistungsbetriebe Würselen aber natürlich erst benennen, wenn die Art der Bepflanzung feststeht.

In der Debatte hat sich jetzt der CDU-Ortsverband Würselen Mitte zu Wort gemeldet und an Bürgermeister Arno Nelles (SPD) geschrieben. Dessen Vorsitzender Manfred Wirtz, der zugleich Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Handel, Handwerk, Gewerbe und Industrie (Arge) ist, greift eine Formulierung der Verwaltung in der Sitzungsvorlage für die wichtige Sitzung des Fachausschusses auf. Da heißt es: „Zu bedenken ist, dass die Grünfläche aufgrund ihrer Lage an den stark befahrenen Straßen nicht besonders geeignet ist für eine attraktive Grünfläche mit Aufenthaltsqualitäten. Außerdem sind neben den vorhandenen Parkplätzen an den neu ausgebauten Straßen zusätzliche Parkplätze erforderlich, insbesondere bei Gottesdiensten, Beerdigungen etc., wie Beobachtungen in den letzten Monaten gezeigt haben.“

Wirtz zürnt: „Aus Sicht eines hier lebenden Würseleners, der Kirche und des Einzelhandels gibt es überhaupt kein Verständnis (...) für eine grüne Oase.“ Ganz speziell die Einzelhändler würden extrem leiden. Parkplätze stünden sowieso schon nicht ausreichend zur Verfügung und die Parkraumbewirtschaftung belaste den Einzelhandel zusätzlich. Somit verdränge man den Kunden immer mehr an den Rand der Stadt, wo die Gewerbeparks mit ausreichend und kostenlosen Parkplätzen auf sie warten. Auch das Internet, das eh schon ein gehasster Konkurrent des Einzelhändlers sei, werde durch das Reduzieren von Parkplätzen weiter gefördert.

„Ein weiterer Aspekt in diesem Zusammenhang, den gerade Sie als Bürgermeister kennen sollten, ist, dass jetzt wieder die Zeit beginnt, wo alle Jungenspiele im Ort um eine Spende bitten“, nimmt Wirtz Arno Nelles in die Pflicht. Man könne ja mal Amazon fragen, ob es Gutscheine, Geldspenden oder Prozente gibt.

Und der Geschäftsmann geht noch weiter: „Wo soll das denn hin führen? Wollen am Ende alle in einer Geisterstadt wohnen? Ohne den Einzelhandel vor Ort, gibt es künftig keine Traditionen mehr. Schützen, Jungenspiele, caritative Vereine – alles geht den Bach runter. Ganz ehrlich, wollen wir das?“

Deshalb soll Nelles die Verwaltung anweisen, unbedingt weitere Optionen und Fördermöglichkeiten zu prüfen, um zwingend vor St. Sebastian mehr Parkplätze zu schaffen. „Wenn wir keine anderen Mittel finden, dann sollten wir den Bereich lassen, wie er ist. Vielleicht reicht es noch für eine neue Teerdecke und neue Markierungen, damit weiterhin ein geordnetes Parken möglich ist, aber ansonsten lassen wir die Finger davon“, sagt Wirtz.

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