Vorbereiten auf den tierischen Mitbewohner

Von: Sigi Malinowski
Letzte Aktualisierung:
als_tierpsychologin_bu
Tierisch gute Tipps: Anette Rohlfing weiß auch, welche Leine zu welchem Hund passt. Foto: Sigi Malinowski

Nordkreis. Lars (8) hatte schon jegliche Lust verloren, sich mit „Jackie” überhaupt noch zu befassen. „Der ist doof”, moserte der Junge. Weil das kleine Hündchen nicht so wollte wie der Grundschüler. „Unser Sohn will doch nur spielen”, war auch Lars´ Mutter ratlos, warum das Zusammenleben mit dem Mini-Vierbeiner nicht klappte.

Was die Eltern des Grundschülers nicht wussten: „Jackie”, ein Welpe der sehr beliebten Rasse Jack Russell, ist extrem schmerzempfindlich. Nicht in allen Fällen - aber oft. Und mancher Züchter sagt das offenbar nicht von sich aus. „Die Eltern hätten sich darüber im Vorfeld eingehend informieren müssen”, betonte Tierpsychologin Anette Rohlfing jüngst bei einer Informationsveranstaltung in Alsdorf.

Denn nicht selten geschieht es - gerade nach dem Weihnachtsfest, an dem so manches Tier geschenkt worden ist -, dass sich die neuen Hundehalter über alle Maßen freuen, dann jedoch Enttäuschung eintritt. „Viele Probleme tauchen auf, wenn man sich nicht eingehend vorbereitet hat”, mahnt Expertin Rohlfing. Sie praktiziert zwischen Mönchengladbach und Aachen und hat eine ganze Liste an Tipps, die unbedingt beachtet werden sollten, wenn ein Hund, eine Katze, ein Papagei oder ein sonstiges Tier angeschafft oder gar verschenkt werden.

Bei den Kosten fängt´s schon an, klärt die Tierverhaltenstherapeutin auf. Nimmt man beispielsweise einen Hund aus dem Tierheim (Aachen), werden 200 Euro fällig. Dieser Betrag mag für die meisten noch zu stemmen sein. Erstausstattung und Folgekosten (Leine, ggf. Käfig/Zwinger, Futter, Steuern, tierärztliche Betreuung) können aber beträchtlich die Haushaltskasse leeren.

Dazu wirft sich die Frage auf, ob der Hund für den „Familienbetrieb” geeignet ist. „Er muss Gassi geführt werden, er braucht Auslauf. Da kann man nicht von der Schule kommen oder aus dem Büro und sich auf die Couch pflanzen, wenn man sich beispielsweise einen Husky oder Boarder Collie zulegt”, gibt Rohlfing zu bedenken. Die Eltern oder Erziehungsberechtigten sollten sich unbedingt die Frage stellen, welche Tierart ist für welches Kind auch geeignet ist. Das bindet die artgerechte Pflege ebenso wie die Betreuung in puncto Bewegung ein. „Ich habe schon gesehen, dass Kinder oder auch Erwachsene ihren Hund mit Inlinern Gassi führen. Das geht natürlich gar nicht”, bemängelt die Expertin.

Zum Thema Katzen sagt sie: „Katzen haben ganz feine, filigrane Knochen. Das sind keine Teddybärchen, die man unablässig schmusen oder knuddeln kann.” Sollte die Katze bei zu vielen „Liebesbeweisen” zu fauchen oder kratzen beginnen, „könnte ein Kind denken, dass das Tier böse ist”. Hinsichtlich artgerechter Haltung sagt die Tierfreundin: „Wächst ein Welpe im Zwinger auf, ist die Wahrscheinlichkeit doch sehr groß, dass die Bindung Mensch-Tier gestört sein kann.”

Immer artgerecht halten

Sollte ein Tier, das geschenkt werden soll, ein Kanarienvogel, Wellensittich, Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen oder gar ein Papagei sein, ist laut Anette Rohlfing „unbedingt darauf zu achten, dass der Käfig nicht zu klein ist”. Ein Vogel „möchte auch mal fliegen”, unterstreicht sie.

„Ganz schlimm” empfand sie eine Begegnung mit einem betagten Ehepaar, bei dem ein Papagei in einer viel zu kleinen Voliere saß. „Wir wollten den Vogel einfach im Wohnzimmer stehen haben, weil das hübsch aussieht”, hatten die beiden betagten Menschen keinerlei Bedenken. „Der Vogel litt nur vor sich hin”, konnte die Tierpsychologin die Halter wenigstens davon überzeugen, eine große Voliere anzuschaffen.

Zum Thema Tiere und Senioren bemerkt sie außerdem: „In den meisten Fällen ist es besser, einen älteren Hund zu schenken. Damit tut man dem Menschen einen größeren Gefallen als wenn man mit einem verspielten Welpen kommt, der noch erzogen werden muss.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert