Vor Ostern: Rad als Alternative zum Auto nutzen

Von: Margret Nußbaum
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Gar nicht ungewöhnlich: Die Katholiken seiner Pfarre St. Marien sehen ihren Pastor Ferdi Bruckes meistens am Sonntag von Kirche zu Kirche radeln – hier St. Petrus in Baesweiler. Foto: Margret Nußbaum

Baesweiler. Sich das Bierchen oder die Pralinen am Feierabend verkneifen, vom Auto aufs Fahrrad umsteigen: Viele nehmen die Fastenzeit zum Anlass, auf die eine oder andere Annehmlichkeit zu verzichten. Pastor Ferdi Bruckes von der Pfarrgemeinde St. Marien in Baesweiler legt fast alle Wege mit dem Rad zurück – aber nicht nur in der vorösterlichen Zeit.

Autofasten – eine gemeinsame Aktion der Bistümer Trier, Mainz und Fulda, der Erzbistümer Luxemburg und Köln, des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Aachen sowie der Evangelischen Kirchen im Rheinland und in Hessen-Nassau – feiert in diesem Jahr 20-jähriges Bestehen.

Alternativen zum Autofahren gibt es viele: Rad fahren, zu Fuß gehen, öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder – wenn es, etwa aus beruflichen Gründen, ohne Auto nicht geht: Fahrgemeinschaften bilden oder sich das Auto mit anderen teilen. Was Autofastende vier Wochen lang tun, praktiziert Pastor Ferdi Bruckes Tag für Tag – und das konsequent seit einigen Jahren. „Mein Auto benutze ich nur, wenn es in Strömen regnet oder wenn ich Schweres und Sperriges transportieren muss“, sagt der mit 59 Jahren erstaunlich fitte Geistliche.

Eine Menge Kilometer

Ansonsten sieht man den „radelnden Pastor“, wie er liebevoll genannt wird, auf seinem Rad. An den Wochenenden kommen da eine Menge Kilometer zusammen, denn die Pfarrgemeinde Baesweiler besteht aus sechs Kirchen. Da ist die Zeit zwischen den Gottesdiensten schon mal knapp. Ferdi Bruckes nimmt es sportlich: „Dann trete ich eben etwas stärker in die Pedale.“

„Bete und trete“ sei seine Devise, bekennt er lachend. Beim Radfahren habe er Zeit nachzudenken. „Das macht den Kopf frei, und da relativiert sich auch schon mal das eine oder andere Problem“, sagt er. Als der Pastor vor sechs Jahren von Stolberg nach Baesweiler wechselte, stellte er mit Erstaunen fest, wie flach die Gegend seines neuen Wirkungskreises war.

„Das kannte ich vom hügeligen Stolberger Land nicht“, erzählt er. Spontan fasste er den Entschluss, aufs Fahrrad umzusteigen. Ob die Tatsache, dass gerade Fastenzeit war, dazu beigetragen hat? „Vielleicht, aber das war mir nicht bewusst“, sagt Ferdi Bruckes.

Den Vorsatz, in der Fastenzeit auf bestimmte Gewohnheiten zu verzichten, begrüßt er grundsätzlich: „Es ist eine gute Gelegenheit darüber nachzudenken, welche Abhängigkeiten sich ins eigene Leben eingeschlichen haben, was man wirklich braucht und wie man einen Kurswechsel hinbekommen kann. Denn ein solcher tut oft Leib und Seele oft mehr als gut“, erklärt er.

Für ihn selbst war weniger die Fastenzeit fürs Autofasten ausschlaggebend, sondern die Sorge um die Bewahrung der Schöpfung Gottes. „Die Menschheit verbraucht 50 Prozent mehr Ressourcen, als die Erde langfristig bieten kann“, sagt Ferdi Bruckes. „Es stimmt mich mehr als nachdenklich, warum wirtschaftlich und politisch nicht genug in Sachen Klimaschutz umgesetzt wird. Das geht mir alles viel zu langsam. Denn die Zeit drängt. Die Klimakatastrophe ist greifbar, und wir brauchen dringend einen Kurswechsel, wenn wir unseren Planeten auf Dauer vor dann nicht mehr reparablen Schäden bewahren wollen.“

Bekehren möchte er dabei niemanden – und schon recht nicht mit dem Finger auf Menschen zeigen, die am Verzicht scheitern. Doch es freut ihn, wenn immer mehr Gläubige seinem Beispiel folgen und zu Fuß oder mit dem Rad zur Messe kommen.

Wichtige Kontaktpflege

„Radfahren ist kommunikativ“, hat Ferdi Bruckes festgestellt. „Oft komme ich mit anderen Radfahrern oder Fußgängern ins Gespräch. Das ist ein wichtiges Stück Kontaktpflege außerhalb der Kirche“, sagt er. Zwei Mal erst ist er in den sechs Jahren Radeln rund um Baesweiler gestürzt. „Da war ich wohl zu wagemutig“, bekennt er. Unter einem mit Schnee bedeckten Feldweg befand sich eine Eisschicht. Da war ein Sturz quasi vorprogrammiert – und das gleich zwei Mal in Folge.

„Vielleicht hat mich das aber gelehrt, etwas sorgsamer mit mir selbst umzugehen und künftig bei solchen Witterungsverhältnissen zu Fuß zu gehen – oder auch mal das Auto aus der Garage zu holen“, erzählt er mit einem Augenzwinkern.

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