Vor Langenberg erst ein Supermarkt am Kohlscheider Markt

Von: Beatrix Oprée
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Als Lager genutzt: der ehemalige „Kaiser‘s“. Der Fachausschuss gab grünes Licht für großflächigen Einzelhandel – unter Bedingungen. Foto: B. Oprée
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Ragnar Migenda, technischer Beigeordneter, über die aktuellen Planungen.

Herzogenrath. „Das eine tun und das andere auf keinen Fall lassen“: So lautet die Losung zur Beschlussfassung in Sachen Ausweisung eines „zentrumsverträglichen Sondergebiets für großflächigen Einzelhandel mit dem Sortiment Lebensmittel“ am Langenberg.

Ausgegeben von Dr. Manfred Fleckenstein im jüngsten Umwelt- und Planungsausschuss. Um eine „grundsätzliche Entscheidung“ hatte die Verwaltung die Politik gebeten, weil nur dann an der städtebaulichen Konzeption des Bebauungsplans II/66 Kohlscheid Zentrum-Langenberg weitergearbeitet werden könne.

„Nichts schlimmer als Stillstand“

Auf starke Bemühungen in Kohlscheids Zentrum in der Vergangenheit, um die nötigen Grundstückskäufe zu tätigen und die „Dinge anzustoßen“, wies der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda nochmals hin, die allerdings nicht den angestrebten Erfolg gehabt hätten. Da sei es nun an der Zeit, „andere Möglichkeiten“ zu überlegen und sich nicht in eine Diskussion zwischen einem Vollsortimenter am Langenberg oder am Markt pressen zu lassen, denn: „Die Verästelungen und Verbindungen reichen deutlich weiter.“

Ganz unabhängig von der Entscheidung für einen Vollsortimenter kennzeichnete Migenda überdies die Notwendigkeit des Baus der Markttangente als „ganz wesentlich für die weitere Entwicklung von Kohlscheid“. Er mahnte: „Nichts ist schlimmer als Stillstand.“ Die Verwaltung brauche daher nun endlich einen klaren Arbeitsauftrag.

Woraufhin Fleckenstein den Blick rund 20 Jahre zurückschweifen ließ, in die Zeit, als noch der Aldi an der Südstraße als Frequenzbringer fungierte – der jetzt ja nun weg sei. Was den Ort durchaus negativ beeinflusst habe, „das muss man einfach so sehen“. Nach der Schließung des Kaiser‘s momentan gar keinen Lebensmittler in Kohlscheids Zentrum mehr zu haben, sei ein Zustand, der möglichst schnell beendet werden müsse. „Den Verwaltungsvorschlag können wir akzeptieren“, plädierte Fleckenstein im Namen der großen Koalition aber ergänzend dafür, „eine Verknüpfung zwischen Langenberg und Markt zu schaffen“.

Mit Verweis auf die diverse Male geäußerten sorgenvollen Appelle seitens der Mitglieder des Kohlscheider Werberings stellte er fest: „Wir finden auch, an den Markt gehört ebenfalls ein Magnet hin.“ Unter Umständen müsse dazu der Bebauungsplan noch einmal angepackt werden. Auch den dortigen Drogeriemarkt gelte es unbedingt zu halten.

So votierte der Ausschuss letztlich mehrheitlich für den erweiterten Beschlussvorschlag der großen Koalition, nämlich, dass vor einer Veräußerung des Grundstücks am Langenberg vorher im Bereich Markt ein Lebensmittelsortimenter realisiert und der Drogeriemarkt gehalten wird. Um dies sicherzustellen, soll der B-Plan im Bereich Markt die Sondernutzung Lebensmittel vorsehen. Und der Ausschuss Vertragliches vorher zur Kenntnis bekommen.

Zweifel daran, dass es möglich sei, die gewünschte Reihenfolge des Vorgehens für einen Investor vertraglich festzulegen, äußerte Uli Rennen, sachkundiger Bürger der FDP. „Ich habe als Rechtsanwalt Schwierigkeiten, mir vorzustellen, dass dies sattelfest möglich ist“, appellierte er, das Hauptaugenmerk weiter auf den Bereich Markt zu legen und verweigerte für die FDP die Stimme zum Beschlussvorschlag.

Im übrigen, so schob er nach, habe die Stadt das Grundstück am Langenberg doch seinerzeit erworben, „damit dort eben kein Lebensmittler mehr hin kommt ... Wir sollten jetzt keinen Fehler begehen, der uns vielleicht noch Jahrzehnte nachhängt“, brachte er die Aufstellung eines Einzelhandelskonzepts ins Spiel.

Fleckenstein indes hatte eine andere Erinnerung an den Grund für den Kauf der Fläche des einstigen Kaiser‘s: Weil man eben diesen habe halten wollen, „sonst hätten wir schon viel eher die heutige Situation gehabt“. Ein Vertrag im gewünschten Sinne mit dem Investor, so gestand er ein, werde nicht einfach, „aber es gibt ja Spezialisten dafür“.

Kai Baumann äußerte für die Piraten unterdessen die Hoffnung, dass sich die „mitunter nicht mehr marktfähigen“ Grundstückspreise in Kohlscheids Zentrum wieder ändern, „wenn man zeigt, dass es eine Alternative gibt“.

Und Stefan Becker (CDU), gab sich zuversichtlich, dass „beides möglich ist“, nämlich Supermärkte am Markt und am Langenberg. Auch im Sinne der fußläufigen Erreichbarkeit für Senioren. Als Beispiel verwies er auf die Supermarktansammlung in Richterich: „Wir müssen alles daran setzen, dass es machbar wird“.

„Nachgefragt“: Ragnar Migenda, technischer Beigeordneter

Der für Langenberg in Rede stehende Investor soll nun erst zum Zuge kommen, wenn am Markt ein Lebensmittler verwirklicht ist und der Drogeriemarkt gehalten wird: Ist dies die Entscheidung, die Sie sich gewünscht hätten? Oder müssen Sie jetzt nach einem anderen Investor Ausschau halten?

Migenda: Mit dieser Entscheidung kann Planungsrecht und Städtebau in Kohlscheid weiter voran getrieben werden. Die Politik hat sich klar positioniert: Die Planungen am Langenberg können nun weiter gehen, u.a. mit der Ausweisung und Festsetzung eines zentrumsverträglichen Sondergebietes für großflächigen Einzelhandel mit dem Sortiment Lebensmittel.

Gleichzeitig bleibt die Entwicklung rund um den Markt gleich wichtig. Der in Rede stehende Investor hat hier zugesagt, entsprechend weiter aktiv zu sein. Somit besteht kein Widerspruch zu den Interessen des potenziellen Investors. Dieser Weg ist gut, denn er eröffnet viele Möglichkeiten. Bürgermeister von den Driesch hat immer gesagt: „Nicht entweder oder, sondern sowohl als auch.“ Damit hat die Verwaltung sich immer dagegen ausgesprochen, die Standortfragen gegeneinander auszuspielen.

Wie lässt sich die vorgegebene Reihenfolge rechtlich festzurren?

Migenda: Dies wird eine Herausforderung sein und gilt es hinlänglich rechtssicher zu formulieren. Maßgeblich ist dabei aber, inwieweit der Investor aus eigenen Stücken bereit ist, diese Entwicklung mitzutragen und voranzubringen. Da der in Rede stehende Investor hier aber sein Engagement angeboten hat, auch bereits entsprechend aktiv geworden ist, sind gute Voraussetzungen geschaffen, dass es gelingen kann.

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