Von Würselen in die große, weite Fußballwelt

Von: Pia Sonntag
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Würselen. Viele Jungs träumen davon, Profifußballspieler zu werden. Sie stellen sich vor, wie sie auf dem Rasen den Ball erobern und von einer großen Fangemeinde angefeuert werden. Das Adrenalin, das den Körper durchflutet, kennt Robin Afamefuna aus Würselen nur zu gut, wenn er auf seine Zeit als Stammspieler bei der U19 von Borussia Mönchengladbach zurückblickt.

Aber auch, dass die Realität als Profifußballer nicht nur rosig aussieht, wie es sich so manch einer ausmalt, musste der 19-Jährige am eigenen Leib erfahren. Denn oft reicht bloßes Talent nicht aus – der Zufall spielt auch eine entscheidende Rolle.

Schon früh wurde bei Robin Potenzial erkannt: die präzise Ballbehandlung und Technik, die Robin aus der Masse hervorstechen ließ. Bei Sparta Würselen begann seine Karriere. Von der Kreisliga ging es in die Regionalliga - der Wechsel zu Alemannia Aachen sollte dann der Startpunkt seiner Profikarriere sein. Neben den ganzen Annehmlichkeiten, die so ein Leben im Rampenlicht mit sich bringt, lernte der Jugendliche auch die Schattenseiten kennen.

„Man merkt schnell, wenn es beruflich rund läuft, dass Neid und Missgunst damit einhergehen. Menschen, von denen man gedacht hat, dass sie zu den engsten Freunden zählen, zeigten ihre wahren Gesichter“, berichtet der 19-Jährige. Trotzdem habe er sich davon nicht verunsichern lassen und fokussierte sich weiter auf seine Karriere. Immer an seiner Seite stand seine Familie, die ihn förderte und ihn bei den Spielen anfeuerte. Sein Ehrgeiz, seine Zielstrebigkeit und sein Talent haben ihn schließlich nach Mönchengladbach gebracht.

Als linker Verteidiger machte er sich einen Namen und wurde daraufhin schnell zu einem Stammspieler der Mannschaft. Ein hartes Pensum erwartete ihn – viermal in der Woche musste er nach Mönchengladbach, um zu trainieren, und sonntags sollte er bei Spielen sein Können unter Beweis stellen. Nebenbei absolvierte er sein Abitur mit einem Durchschnitt von 1,9. „Freizeit war für mich ein Fremdwort“, sagt der 19-Jährige rückblickend.

Aber es habe sich gelohnt, denn er trat unter anderem bei der UEFA Youth League an, der Champions League für Junioren, die im Fernsehen übertragen wird. „Ein unvergessliches Erlebnis“ resümiert er. Drei Jahre habe er im Verein alles investiert, um den Erwartungen gerecht zu werden – dennoch werde sein Vertrag in diesem Jahr nicht verlängert.

Der Fußball bietet nur eine kurze Karriere: 20 Jahre maximal, und viele zwingt die körperliche Belastung noch früher in den Ruhestand als gewollt. Für Robin Afamefuna steht fest: „Sportlicher Erfolg ist nicht planbar“, denn vom Verletzungspech blieb auch er nicht verschont. Der Jugendliche musste eine einjährige Zwangspause einlegen, nachdem sein Meniskus beim Training gerissen war. „Am Anfang dachte ich noch, dass ich nach der Operation lediglich ein bis zwei Monate brauche, um wieder fit zu werden.

Dem war leider nicht so, trotz der guten Behandlung durch die Physiotherapeuten des Vereins“, erzählt er. Eine Verletzung, die für ihn das Aus bei Mönchengladbach bedeuten sollte. Nach Einschätzung des Vereins wird Robin Jahre brauchen, um wieder die gewünschte Leistung abliefern zu können. Rückblickend beschreibt er diesen Moment als einen Tiefpunkt seines Lebens: „Mental war ich am Ende. Ich habe so viel investiert, um an den Punkt zu kommen, an dem ich mich befand und dann passiert so etwas.“ Die bittere Realität des Profifußballs sehe so aus: „Wenn du nicht mehr mithalten kannst, wirst du aussortiert beziehungsweise ersetzt“.

Allerdings muss ein derartiges Verletzungspech nicht unbedingt das Karriereende bedeuten. Durch Zufall wurde er auf eine Agentur aufmerksam, die für junge Talente Stipendien in den USA ausschreibt. Er bewarb sich und reichte ein Bewerbungsvideo ein, das Ausschnitte seiner Zeit bei Mönchengladbach zeigt. „Ich wollte unbedingt diese neue Chance bekommen, in Amerika zu studieren, und zeitgleich im ortsansässigen Verein Fußball spielen zu können. Das Stipendium ist darauf ausgelegt, dass meine sportlichen Fähigkeiten weiter gefördert werden und ich zeitgleich aber auch eine solide Ausbildung erhalte. Besser geht es nicht“, sagt der 19-Jährige.

Die Zusage für ein Vollstipendium an der University of Virginia ließ nicht lange auf sich warten und erfüllte Robin Afamefunas Wunsch nach einer zweiten Chance. Am Samstag wird er im Flugzeug nach Amerika sitzen. Seine Zeit bei Mönchengladbach bereut er nicht, obwohl er enttäuscht wurde: „Meine Erfahrungen und das jahrelange Training haben mich ja dahin gebracht, wo ich jetzt bin.“

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