Von Handtäschchen, Fußball und anderen Klischees

Von: nina
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Bei „Feierstarter“ gibt es an der Bar alkoholfreie Cocktails. Foto: Nina Krüsmann

Herzogenrath. Einmal so richtig toben und laut sein, das können Mädchen am „Zauberhaft-frechen Mädchentag“ im Bürgerhaus an der Oststraße. Hier gibt es genügend Freiraum, einmal das gewohnte Rollenverhalten abzustreifen – und das Angebot besteht bereits seit 19 Jahren.

„Es gibt nicht pauschal die Jugend, sondern Mädchen und Jungen mit verschiedenen Interessen. Beide Zielgruppen brauchen unterschiedliche Ansprache und entsprechende Angebote“, erklärt Birgit Kuballa, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Herzogenrath.

Unterschiede im sozialen Verhalten mache sie immer noch viele aus. Und viele der jungen Damen hätten auch beim Mädchentag ihre Handtasche dabei. „Mein Empfinden ist, dass das klassische Rollenverhalten wieder zunimmt. Darauf müssen wir im Alltag eingehen“, so Kuballa. Die Gesellschaft werde wieder konservativer.

Im Workshop „Weibsbilder“ vom Team des Streiffelder Hofs haben sich einige Mädchen so gemalt, wie sie sich im Spiegel sehen. Momentaufnahmen, keine gestellten Fotos oder inszenierte Porträts. Die Holzwerkstatt bot die Möglichkeit, einmal Neues auszuprobieren.

„Eine Bücherecke lädt zum Schmökern und Verweilen ein, in einem Raum entsteht kreativer Modeschmuck, in der Turnhalle wird getobt. Beliebt ist auch das Weihnachtskartenbasteln“, erzählt Betreuerin Regina Harder. Die Schulsozialarbeiter boten erstmalig Muskelentspannung und Yoga an.

Liza Dziwisch und Alina Stahl mixten derweil an der Bar im Mädchencafé alkoholfreie Cocktails: „Cherry Kisses“ oder „Blue River“. „Das Angebot findet im Rahmen unseres Projekts Feierstarter statt. Bei den ganz Jungen anzufangen, fruchtet es hoffentlich, sie auf die Gefahren von Alkoholkonsum hinzuweisen“, meinte Bleilevens.

„Boys only!“ hieß es beim Jungentag: Unter Anleitung von Christian Stankewitz und Tim Grunewald konnten Jungen im Alter von acht bis 14 Jahren Spannendes entdecken, alle Sinne erproben und Ungewöhnliches wagen. Mitarbeiterin Julia Bleilevens beobachtete in der mobilen Jugendarbeit, dass die Mädchen eher häuslich veranlagt sind: „Insgesamt besuchen eher Jungen und eher solche aus bildungsfernen Schichten unsere Angebote. Zur Kinderdisco kommen auch viele Mädchen.

Und im Jugendtreff Streiffelder Hof in Merkstein etwa ist freitags Mädchentag.“ Insgesamt beschäftigten sich die Mädchen eher selbstständig, würden sich gerne zu Hause mit Freundinnen treffen, hätten ein ganz anderes Freizeitverhalten. „Sie erobern den öffentlichen Raum nicht so sehr. Jungen sind da rastloser, mögen Sport und vor allem Fußball“, stellte Bleilevens fest. „Wir beobachten hier im Jugendtreff, dass die Jungen lieber nicht kochen wollen. Wenn sie dann doch einmal dabei sind, macht es ihnen riesigen Spaß. Solche Klischees wollen wir aufbrechen“, erklärte Kuballa.

Und als Gleichstellungsbeauftragte warf sie die Frage auf: „Warum sollen nicht auch Jungen Freude am Häkeln oder Stricken entwickeln?“

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