Vom Reisen im Wandel der Zeit

Von: mas
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Keiner will es sein, doch jeder Mensch ist es, fast überall auf der Welt – ein Tourist: Hier japanische Besucher am Parthenon auf der Akropolis in Athen. Foto: stock/Jochen Tack

Baesweiler. Ich bin kein Tourist! Mit diesem Aufdruck auf ihrem T-Shirt hatte Margret Nußbaum bei ihrem Vortrag in der Scheune der Burg Baesweiler schon die Lacher auf ihrer Seite, bevor sie übers Reisen und dessen Sonnen- und Schattenseiten erzählte. Doch auch Touristen tragen diese Shirts gerne – als Tarnung.

Nichts Neues, denn schon englische Adelige beschwerten sich Anfang des 19. Jahrhunderts über „einfache Tuchhändler“ in Seebädern. Blaublütige und Reiche wollten sich vom „Pöbel“ distanzieren und unter sich sein. Touristen zu beschimpfen, ist eine Sportart, die sich immer noch großer Beliebtheit erfreut.

Margret Nußbaum erinnerte an Stefano Stefani, den italienischen Staatssekretär, der im Sommer 2003 deutsche Urlauber als „einförmige, supernationalistische Blonde“ bezeichnete, die „besoffen von aufgeblasener Selbstgewissheit“ seien und Jahr für Jahr lärmend über italienische Strände herfielen. Apropos Italien: Es gehörte vor allem in Nachkriegszeiten zu den beliebtesten Ferienzielen der Deutschen.

Sonderzüge und Busse brachten die sonnenhungrigen Teutonen nach Südtirol und an die Adria. Nicht wenige tuckerten mit ihrem voll beladenen Auto über die Alpen. Bald folgten Mallorca und das spanische Festland – und später die Türkei, heute eines der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen.

Schon im Mittelalter wurde gereist – ein gefährliches Unterfangen. Überall lauerten Wegelagerer, Raubritter und wilde Tiere. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts kamen Bildungsreisen in Mode. Einer der berühmtesten Reisenden seiner Zeit: Johann Wolfgang von Goethe, der fast zwei Jahre in Italien weilte und dort auch sein biografisches Werk „Italienische Reise“ verfasste.

Inspiration im Orientexpress

Abenteuerlust herrschte im 19. Jahrhundert: Margret Nußbaum erinnerte an den Orientexpress, in dem die Autorin Agatha Christie reiste und sich zu ihren Krimis inspirieren ließ. Nussbaum erzählte auch aus dem Leben des Thomas Cook, dem Pionier in Sachen Pauschalreise, der eigentlich etwas ganz anderes im Sinn hatte, nämlich die Menschheit von der Geißel des Alkohols zu befreien.

Cook war Laienprediger und ein glühender Verehrer der Abstinenzbewegung. Letzteres sind die Besucher von Margret Nußbaums Veranstaltungen allerdings nicht. Denn der von ihr kredenzte italienische Eierlikör kam super an. Auch Billigflieger und pöbelnde Passagiere bekamen ihr Fett weg.

Nußbaum erinnerte an den amerikanischen Flugbegleiter Steven Slater, der vor vier Jahren Aufsehen erregte: Der 38-Jährige machte dem Ärger über eine Passagierin, die ihn übelst beschimpft hatte, Luft, indem er nach der Landung die Notrutsche aktivierte und mit einem Dosenbier in der Hand und dem Ausruf „Das war’s!“ der beruflichen Fliegerei den Laufpass gab.

Auch der Ansichtskarte widmete sich Margret Nußbaum und erinnerte an den 1997 verstorbenen Schriftsteller Jurek Becker, der seinem kleinen Sohn Johnny regelmäßig Karten schrieb. Sie warnte zudem vor Handzeichen, die in anderen Ländern als Affront gelten können.

Der ausgestreckte Daumen in der Faust etwa bedeutet bei uns „Spitze – weiter so!“ Im Nahen Osten könnte man mit dieser Geste hingegen in Schwierigkeiten geraten. Denn man signalisiert seinem Gegenüber damit „Du Ar...!“ oder – international – „F... You!“

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