Vom Jux in den Tiefsinn: Das rheinische Gemüt

Von: Christoph Hahn
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Schön isset: Konrad Beikircher versteht es wie kaum ein anderer, den Rheinländer zu charakterisieren. Auch in Herzogenrath begeisterte er damit sein Publikum. Foto: Christoph Hahn

Herzogenrath. Er ist der mit Abstand größte Charmeur unter den Kabarettisten. Und er ist der - von Jürgen Becker einmal abgesehen - mit Abstand rheinischste Vertreter seiner Zunft, obwohl er auf der italienischen Seite der Alpen, in Bruneck, zur Welt gekommen ist.

Aber vielleicht kommt sein sonniges Temperament gerade daher. In der luftig-leichten Art des Erzählens des Wahl-Bonners verbinden sich südliche Leichtigkeit und rheinische Heimatverbundenheit zu einem köstlichen Mix.

Diesen Cocktail hat Beikircher im Herzogenrather Schulzentrum kredenzt: Rund 500 Fans waren von seinem taufrischen Programm „Am schönsten isset, wenn et schön is” absolut begeistert.

Der Titel deutet an, worum es in diesem Programm geht: Nichts wird erklärt, auch wenn alles gesagt wird. Dass der Mann im Mittelpunkt des Interesses ganz ohne bemühten Tiefsinn auskommt, liegt mit an seiner präzisen Typenzeichnung: Seine Wiedergabe des Gesprächs eines prolligen Ehepaars zum Thema „Wann isset schön?” gibt er nicht den Hauch einer erklärenden Deutung bei - und doch erfährt der Zuhörer alles über das rheinische Gemüt.

Für genügend Lokal- und Regionalkolorit - Beikircher weiß schließlich, was er seinem Publikum schuldig ist - hat der Star des Abends vorgesorgt. So erinnert der studierte Psychologe daran, dass er „den Jugendknast in Heinsberg mit aufgebaut hat”.

Dauernd lästert er bei seinem Auftritt am Rande der Herzogenrather Kernstadt über Kohlscheid. Nur einmal wird nicht gewitzelt: Wenn der Gast den Herzogenrathern „für ihre wunderschöne Städtepartnerschaft mit Mayschoß” dankt und das hohe Lied des (Ahr-)Weines anstimmt. Das ist Beikircher pur - Beikircher, der bekennende Wein-Genießer.

Leicht geht´s aber nicht nur dann zu, wenn es um den Genuss im Glas oder anderswo geht. „Im Rheinland kannst du ein Loch graben, wo du willst - es springt mit Sicherheit ein Römer raus”, albert der Kabarettist, taucht im Nu vom Jux in den Tiefsinn ab, erzählt seine Geschichte der Varusschlacht und von „Soldaten mit Migrationshintergrund”. Auch das macht seine Kunst aus und erweist zudem die solide, gut recherchierte Basis dieses Programmes.

Alles ist dem Leben abgelauscht oder wirkt zumindest so. Besonders gut kommt an, wenn Beikircher seinem Affen Zucker gibt und sein Temperament sprechen lässt. Dann läuft er zur Hochform auf. Sein Mütterchen, das durch eine Kartenvorverkaufsstelle irrlichtert, wird jedenfalls keiner, der in Herzogenrath dabei war, so schnell vergessen.
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