Voller Einsatz: 20 Jahre Schülerlotse mit Leib und Seele

Von: Yannick Longerich
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So war er auch bei Wind und Wetter stets für „seine“ Kinder zur Stelle: Leo Nievelstein mit Kelle und weithin sichtbarer Warnweste als „Schutzschild“ mitten auf der Straße. Foto: Yannick Longerich

Alsdorf. Am Montag, am ersten Schultag nach den Osterferein, wird er von vielen vermisst werden: „Hallo Herr Schülerlotse“ – so wurde Leo Nievelstein immer von seinen Schützlingen begrüßt. „Viele der Kinder kennen meinen richtigen Namen gar nicht“, meint der Mann schmunzelnd, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert. Nach 20 Jahren im Dienst als Schülerlotse ist er nun in den Ruhestand gegangen.

Mit leuchtenden Augen sitzt Nievelstein neben seiner Tochter Melanie Kesch am Küchentisch und erzählt stolz eine Anekdote nach der anderen. Bei Wind und Wetter stand der Rentner in seiner Warnweste bereit und sorgte für ein sicheres Überqueren der Straße. Von staunenden Erstklässlern, die nicht viel größer sind als seine Kelle, ist die Rede, und von Viertklässlern, die sich über zu viele Hausaufgaben beklagen.

Emotionaler Abschied

Begonnen hatte alles am 15. Januar 1996. Nachdem der damalige Lotse verstorben war, nahm Nievelstein dessen Platz an der Alten Aachener Straße in Alsdorf-Busch ein. Nach der Schließung der Grundschule Busch machte er ein gutes Jahr lang die Wegbegleitung für die Schüler zur neuen Schule am Annapark. Bis er seinen letzten Posten, den Kreisverkehr am Blumengeschäft Ortmanns an der Herzogenrather Straße, bezog.

Die jungen Schüler der Gemeinschaftsgrundschule Alsdorf Annapark (GGS) haben sich natürlich nicht lumpen lassen und „ihrem“ Schülerlotsen einen emotionalen Abschied bereitet. Dazu wurde Nievelstein ins Büro von Schuldirektor Michael Witte zitiert.

Mit Blumen, selbst gebastelten Geschenken, gemalten Bildern und den ersten beiden Strophen des „Steigerlieds“ – in Anlehnung an Nievelsteins 32-jährige Tätigkeit auf der Grube Anna – wurde der Schülerlotse von seinen Schützlingen verabschiedet. Viele von ihnen ließen ihren Gefühlen freien Lauf und vergossen sogar die eine oder andere Träne.

An Schultagen war Nievelstein stets ab sieben Uhr morgens auf seinem Posten. „Die ersten Kinder kamen schon um kurz vor halb acht. Bis Viertel nach acht war der Ansturm dann durch“, erzählt Nievelstein. Zum Schulschluss hatte der Schülerlotse von viertel vor zwölf bis ungefähr halb zwei an „seinem“ Kreisverkehr wieder Hochkonjunktur. „Gegen 14 Uhr war ich dann meistens zu Hause. Ab und zu ist es aber auch schon einmal später geworden“, erzählt er.

Leo Nievelstein war stets zuverlässig. In den vergangenen 20 Jahren fehlte er nur ein einziges Mal – nachdem er mit Verdacht auf einen Herzinfarkt ins Hospital eingeliefert wurde. Seine Tochter erinnert sich: „Er hat das ganze Gott sei Dank gut überstanden. Wir mussten ihn quasi ans Bett fesseln, damit er sich mal fünf Tage lang auskurierte. Immer wieder sagte er, dass er die Kinder nicht alleine lassen könne. Sein riesiges Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein ist wirklich bemerkenswert.“ Auch Auftritte mit dem Knappenchor, dem Nievelstein elf Jahre lang angehörte, und andere Vormittagstermine standen immer hintan. Das Wohl und die Sicherheit der Kinder waren stets an erster Stelle.

Mit Blick auf seine Zukunft ohne Schülerlotsen-Dasein wirkt Nievelstein noch einigermaßen unsicher. Man merkt ihm an, dass er von seiner 20 Jahre andauernden Verantwortung nur schwer ablassen kann. Nach einer Weile fallen ihm dann aber doch einige Dinge ein, mit denen er sich die Zeit an künftigen Vormittagen vertreiben kann. Lange Spaziergänge mit dem Hund, Fahrradfahren und Gartenarbeit werden keine Langeweile aufkommen lassen. „Außerdem hast Du jetzt ja auch mehr Zeit für Deine Enkel und Urenkel“, sagt die Tochter: „Die haben ab jetzt ihren ganz persönlichen Lotsen.“

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