Vision der United States of Europe im Blick

Von: mabie
Letzte Aktualisierung:
6360144.jpg
Der Name Europa soll selbstbewusst machen: Konkrete Vorstellungen haben die Jugendlichen in den Workshops entwickelt, oben links Lukas Beitz, Roxanna Shad und Melanie Lückhoff (v.l.) vom Jugendforum der Stadt Herzogenrath. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Sprache ist das zentrale Element, wenn Menschen zusammenkommen: Da wird miteinander geplaudert, wird dem anderen mit einem Basiswortschatz sowie Händen und Füßen vermittelt, worum es geht. Oder es wird einfach nur Musik gespielt.

Eine leise Ahnung davon, warum in Europa manche Treffen und Sitzungen etwas länger dauern können, erfuhren die vielen Gäste bei der großen Städtepartnerschaftsbegegnung in Herzogenrath über vier Tage hinweg. Denn beim zentralen Festakt waren fleißige Übersetzer nötig, um das Gesagte in mindestens drei Sprachen an die Gäste aus Deutschland (Herzogenrath und Mayschoß), Rumänien (Bistritz), Frankreich (Plerin), den Niederlanden (Kerkrade) und Schottland (Cookstown) zu vermitteln. Aber das Fortschreiten der Zeit tat der guten Laune keinen Abbruch, im Gegenteil.

Aktiv mitgestalten

Ein verbindendes Element war die Musik, die in Form der Herzogenrather Kapelle Straß unter bewährter Leitung von Frank Rebien nicht nur bei den vor allem von den jungen Rumänen inbrünstig mitgesungenen Nationalhymnen überzeugte, sondern auch das „Te Deum“ und die Europahymne als prächtigen Rahmen zelebrierte.

Das festliche Beisammensein im Forum der Europaschule präsentierte neben Ansprachen auch Ergebnisse. So zeigten Jung und Älter, was sie in gemeinsamen Workshops erarbeitet hatten. Maria Dünwald bekräftigte für den Workshop der Senioren, dass alle älteren Menschen in Europa vor den gleichen Problemen stehen. „Wir müssen den demographischen Wandel aktiv gestalten und für die solidarische Gesellschaft arbeiten“, machte sie deutlich.

Rodas Erste Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann untermalte das Gesagte mit Zahlen. Die Jugendlichen hatten sehr entspannte, dennoch ergebnisorientierte Zusammenkünfte. Und blickten in die Zukunft. Mit den fiktiven „Vereinigten Staaten von Europa“, dargestellt auf einem Transparent, versuchten sie ihre Vision künftiger europäischer Zusammenarbeit nach vorne zu bringen. „Warum nicht einen Schritt weitergehen und das Ganze noch größer machen?“, fragte Lukas Beitz vom Jugendforum der Stadt Herzogenrath. Er sprach für rund 50 jugendliche Kollegen, als er ein gemeinsames Schulsystem skizzierte und ein geeintes Europa ohne Grenzen – auch ohne Barrieren bei Bildung, Ausbildung und Arbeit. Sicherlich war während der Preisgabe dieser Ideen ein wenig Skepsis in den Gesichtern der Verwaltungsmenschen abzulesen, doch dann spendeten auch sie begeistert Applaus.

Als ein Sinnbild des europäischen Gedankens zog Rodas Bürgermeister Christoph von den Driesch die deutsch-niederländische Grenze entlang der internationalen Neustraße/Nieuwstraat heran. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit mitten in Europa sei an dieser Stelle neu definiert worden: Wo früher Zaun und Mauer standen, gebe es nun ein tägliches Miteinander und Grenzüberschreitungen, ohne etwas davon zu merken. „Wenn wir es schaffen, ein Netzwerk zu fertigen und weiter aufzubauen, kommen wir europaweit dem Ziel, ein Netz der Partnerschaft und Zusammenarbeit zu spannen, ein Stück näher“, schloss von den Driesch.

Taten statt Worte

Nach seiner Ansprache war es für die offiziellen Vertreter der anderen Städte und Gemeinden schwierig, noch einen neuen Standpunkt zum Gesagten hinzuzufügen. So verzichtete Councillor James McGarvey aus dem schottischen Cookstown ganz auf seine Redezeit. Hubertus Kunz für die Gemeinde Mayschoß fasste sich mit seinem „Facta non verba“ – Taten statt Worte – bewusst kurz, und überreichte für die Ratsvertreter je eine Magnumflasche besten Rotweins.

Das sah auch Sénateur-Maire Ronan Kerdraon aus Plerin gerne, der dieses Treffen für einen Beweis hielt, dass Europa lebt. „Denn besonders in Zeiten der Krise ist es wichtig, dass wir Bürger weiter reden und weiter an Europa arbeiten“, schloss er. Der Bürgermeister von Bistritz, Ovidou Teodor Cretu, berichtete, dass es in seiner Stadt schon immer viele Völker, Religionen und Kulturen gegeben habe. „Wir haben immer versucht, die Kulturen zu bewahren und haben sie zugelassen – und sind so gewachsen“, betonte er.

Noch bevor der Vorsitzende des Städtepartnerschaftskomitees, Reinhard Granz – der seine Ansprache auch nicht hielt –, zu seinem viel beklatschten „Das war gelebter europäischer Gedanke“ ansetzte, trat noch ein Bürgermeister vor die Menschen: Jos Som aus Kerkrade ergriff die Chance, in einer viersprachigen Rede darauf hinzuweisen: „Es geht um Menschen, denn Europa sind die Menschen, das sollte man nicht vergessen.“ Und das nächste Treffen, so meinte er augenzwinkernd, sollte auch einen Musik-Workshop anbieten. „Denn Musik ist eine universelle Sprache. Das nächste Mal spielen wir einfach was von den Beatles, den Stones oder Andrea Berg, ganz egal, denn wenn wir alle gemeinsam singen, können wir Europa am besten genießen“.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert