Nordkreis - Viele Gebäude der Pfarreien werden nicht mehr bezuschusst

Viele Gebäude der Pfarreien werden nicht mehr bezuschusst

Von: Leandra Kubiak
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Die Kirche Herz Jesu in Alsdorf ist eines von jenen Gebäuden, die auf die „rote Liste“ gesetzt wurden. Foto: Leandra Kubiak
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Bärbel Schumacher, Pastoralreferentin in St. Castor in Alsdorf, hofft, dass die Kirche St. Josef der Pfarrei weiter erhalten bleibt. Foto: Leandra Kubiak

Nordkreis. Dass die Pfarreien, die dem Bistum Aachen angehören, in Zukunft weniger Geld vom Bistum für die Instandhaltung ihrer Gebäude zur Verfügung gestellt bekommen, ist nicht erst seit gestern bekannt. Da sich die katholische Kirche in keiner besonders guten Lage befindet – sie rechnet mit immer weniger Gläubigen, weniger Einnahmen durch Kirchensteuern und auch mit weniger Priestern – hat das Bistum bereits vor sechs Jahren das Projekt „KIM“ mit dem Ziel eingeleitet, im Bereich der kirchlichen Immobilien zu sparen.

Der Projektname steht für „Kirchliches Immobilienmanagement“. Im Rahmen von KIM wurden in den letzten Jahren sämtliche rund 2700 Gebäude, die sich im Besitz der einzelnen Pfarreien des Bistums befinden, erfasst und begutachtet. Konkret geht es dem Bistum darum, 33 Prozent der jährlichen Instandhaltungskosten für die Gebäude einzusparen.

Vorgabe für die einzelnen Gemeinschaften der Gemeinden (GdG) war es also, so viele ihrer Gebäude von der Bezuschussungsliste zu streichen, dass sie auf eine Einsparung von 33 Prozent kommen. Viele GdG haben sich bereits vor Jahren mit dem Thema befasst, und festgelegt, welche Gebäude sie auf die sogenannte „rote Liste“ setzen, einige haben diesen Prozess erst vor kurzem abgeschlossen.

Ende März hat das Bistum das KIM-Projekt offiziell für abgeschlossen erklärt und unserer Zeitung die endgültigen Zahlen zur Verfügung gestellt. Im gesamten Bistum Aachen werden künftig 162 der insgesamt 574 Kirchen im Fall einer Instandsetzung nicht mehr bezuschusst.

In den Pfarreien in Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath, Würselen, Stolberg und Eschweiler, die das Bistum als Region „Aachen Land“ zusammenfasst, werden künftig 25 der insgesamt 72 Kirchen nicht mehr bezuschusst. Von den 71 Pfarrheimen wurden 37 auf die „rote Liste“ gesetzt, von den 72 Pfarrhäusern sind es 46.

Bisher sei es so gewesen, dass das Bistum eine Instandsetzung erst ab einer bestimmten Summe bezuschusst habe, erklärt Pfarrer Heinz Intrau aus der Pfarrei St. Willibrord in Merkstein. Geld floss nicht vom ersten Euro an.

Dass die Bezuschussung für rund ein Drittel der Gebäude wegfällt, heißt nicht, dass diese nun zwangsläufig schließen oder verkauft werden müssen. Klar ist aber auch: Sollte es bei einem der Gebäude, die auf der „roten Liste“ stehen, zu einem größeren Schaden kommen, gilt es für die Pfarreien, zu handeln. Sie stehen dann vor der Entscheidung, die Kosten für die Reparaturen komplett selbst zu tragen, oder eine andere Lösung in Betracht zu ziehen. Im Zweifelsfall kann das bedeuten, dass die Gebäude verkauft oder zumindest anders genutzt werden müssen. Entscheidet sich eine Pfarrei dazu, ein Gebäude im eigenen Besitz zu halten, aber wirtschaftlich zu nutzen, besteht die Möglichkeit, die Kosten der Maßnahme mit bis zu 60 Prozent vom Bistum bezuschussen zu lassen.

In der GdG Alsdorf, die sich aus den Pfarreien St. Castor und St. Johannes XXIII. zusammensetzt, sind davon die Kirchen St. Barbara (Broicher Siedlung), St. Josef (Ost), St. Maria Heimsuchung und Herz Jesu (Kellersberg) betroffen. Besonders wichtig war der GdG, dass die beiden Pfarrkirchen St. Castor und St. Marien Mariadorf erhalten bleiben und weiterhin bezuschusst werden.

In der Pfarrei St. Marien Baesweiler wurden die Kirchen St. Wendelinus (Bettendorf), St. Pankratius (Beggendorf) und St. Willibrord auf die „rote Liste“ gesetzt, darüber hinaus einige Pfarrheime. Für die Kirche St. Laurentius in Puffendorf wurde eine Sonderregelung gefunden, sie wird mit 30 Prozent vom Bistum bezuschusst.

In der GdG Herzogenrath/Merkstein betrifft die Einsparung die Kirchen St. Johannes, St. Benno und St. Marien. Auch Pfarrhäuser und Pfarrheime wurden auf die Liste gesetzt. In der GdG Herzogenrath-Kohlscheid wurden die Kirchen St. Maria Verkündigung in Bank und St. Maria Heimsuchung in Kämpchen auf die Liste gesetzt.

So gut wie der Pfarrei St. Marien in Baesweiler geht es längst nicht allen. „Wir denken zur Zeit nicht ernsthaft über Schließungen nach“, versichert Pfarrer Ferdinand Bruckes. Zum einen seien die Kirchen der Pfarrei in Baesweiler gut in Schuss, zum anderen ist sie in der glücklichen Lage, ein finanzielles Polster zu haben.

Wirtschaftlich sei das zwar nicht, die Kirche in Bettendorf weiterhin instand zu halten, da sie nur wenige Male im Jahr offen sei, gibt Pfarrer Bruckes zu. Aber noch könne man sich das erlauben und müsse die Kirche nicht zumachen.

Auch Pfarrer Heinz Intrau aus Merkstein sagt: „Zunächst passiert gar nichts.“ Die Frage sei aber, was passiert, wenn dann tatsächlich die ersten größeren Kosten anstehen. Und: „Dass Reparaturen anstehen werden, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche“, ist er überzeugt. Eine Kirche sei immer auch ein Identifikationsmerkmal für die Menschen, meint der Pfarrer. Mit einer Kirche verbindet man etwas, sie ist typisches Merkmal einer Gemeinde. Auch deshalb wäre es schade, sich von einer Kirche trennen zu müssen.

Eine Kirche zu verkaufen oder sogar abzureißen, das sei das schlimmste Szenario, was auf die Pfarrei zukommen könnte, meint Bärbel Schumacher, Pastoralreferentin der Pfarrei St. Castor in Alsdorf. Die GdG Alsdorf hat eine Gruppe ins Leben gerufen, die sich regelmäßig trifft und darüber berät, wie es weitergeht. „KIM II.“ nennt die Gruppe sich. Eine der Kirchen zu einer Grabeskirche umzuwandeln, ist ein möglicher Weg. Eines hat für Schumacher oberste Priorität: Dass in jeder Gemeinde eine Räumlichkeit erhalten bleibt, in der Gottesdienste gefeiert werden können. In erster Linie gehe es immer noch um den Glauben.

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