Nordkreis - Viele Fragen offen zur Finanzierung der EVA-Beratung

Viele Fragen offen zur Finanzierung der EVA-Beratung

Von: Holger Bubel
Letzte Aktualisierung:
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Deutliches Statement: Monika Wierich-Saadi (4.v.r.) überreicht Marion Timm (2.v.r.), Armin Carduck (r.) und Rolf Schäfer (3.v.r.) der Diakonie fast 600 Unterschriften zum Erhalt von EVA.

Nordkreis. Wenn sich die Diakonie da mal nicht verzockt. Das Diakonische Werk im Kirchenkreis Aachen kündigte die Schließung ihrer Evangelischen Beratungsstelle für Schwangerschaft und Schwangerschaftskonflikte (EVA) in Alsdorf zum 1. Juli 2014 an. Aus Spargründen, wie es aus Aachen heißt.

Die Alarmglocken schrillten bei Hebammen, Frauenärzten, ehemaligen EVA-„Kunden“ und eng mit der Beratungsstelle zusammenarbeitenden Hilfseinrichtungen unterschiedlicher Träger und Konfessionen. Unterschriften wurden in kürzester Zeit für den Erhalt des Angebots gesammelt – in Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath und Würselen, dem Wirkungsgebiet von EVA. Fast 600 Stimmen kamen in nur einer Woche zusammen. Ein Indiz dafür, wie groß die Akzeptanz der Arbeit von Sozialpädagogin Cornelia Sahlem bei EVA ist.

Marion Timm vom Diakonie-Vorstand Aachen signalisierte Gesprächsbereitschaft mit den Kommunen über den Fortbestand von EVA. Wenn die Städte bereit seien, auf Jahre die finanzielle Unterfinanzierung der Beratungsstelle zu sichern, könnte der vom Aufsichtsrat beschlossene Rückzug aus der Hilfe für Schwangere aufgehoben werden.

Dieses Gespräch fand jetzt statt, Marion Timm, EVA-Leiter Rolf Schäfer und Diakonie-Abteilungsleiter Armin Carduck waren dazu zum Alsdorfer Rathaus gekommen. Begrüßt wurden sie dort aber zunächst nicht von Dezernent Stephan Spaltner, sondern von einer Abordnung Frauen, angeführt von Familienhebamme Monika Wierich-Saadi, die ihnen auch die Unterschriftenliste überreichte. „Diese Unterschriften werten wir als Unterstützung. Sie sind motivierend, EVA weiter fortzuführen“, sagte Marion Timm.

Motiviert, eine Beratungsstelle für schwangere Frauen in Konfliktsituationen weiter anzubieten, ist auch Stephan Spaltner. „Aber nicht zu jedem Preis“, betont er hingegen auch. Einige Dinge sieht der Dezernent nämlich noch nicht geklärt – auch nicht nach dem Gespräch mit den Vertretern der Diakonie: „Die Unterfinanzierung soll nach Angaben der Diakonie jährlich bei rund 30.000 Euro auf der Kostenstelle Schwangerenberatung liegen. Dies muss offengelegt werden: Was sind dabei fixe, was sind variable Kosten für die Stelle in Alsdorf.“ Dann erst würde klar, von wie viel Defizit man ausschließlich bei der Beratungsstelle in Alsdorf auszugehen habe. „Mit den Nachbarkommunen würden wir dann wohl über ein deutlich geringeres Delta zu reden haben.“

Klar gesagt: Dem Alsdorfer Verwaltungsmann ist die Finanzierung von 1,5 Stellen (für Aachen und Alsdorf) nicht ganz klar: „Nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz fördert das Land solche Beratungsstellen. Und zwar zu 80 Prozent. Wenn die nun offenen 20 Prozent rund 30.000 Euro betragen, macht das ein jährliches Finanzaufkommen für 1,5 Stellen von etwas über 150.000 Euro“, rechnet Spaltner vor. Hinzu kämen bislang noch einmal Finanzspritzen mit 3000 Euro von der Städteregion, 6700 Euro von der Stadt Aachen, 1100 Euro von Herzogenrath und 3000 Euro von Würselen. „Das kommt mir doch etwas viel vor.“ Stephan Spaltner stellt damit in Frage, ob dieses Geld alleine in die Schwangerschaftskonfliktberatung fließt und sagt: „Wir werden sicherlich nicht die Geschäftsführung finanzieren.“

Überhaupt ist Spaltner nicht wenig angesäuert und fühlt sich unter Druck gesetzt: „Von den Plänen der Schließung hätte man uns früher informieren müssen, wenn man auf unsere Unterstützung baut.“ Dass das bestehende Beratungsangebot der Diakonie stabilisiert werden sollte, hat für den Dezernenten (noch) Priorität. Er sagt aber auch: „Dieser Betrag von 30.000 Euro fiele unter die Ausgaben der freiwilligen Leistungen. Das dürfen wir eigentlich gar nicht.“ Auch das Beratungsangebot unter eine andere Trägerschaft zu stellen, wäre für Spaltner ein durchaus gangbarer Weg: „Es muss nicht die Diakonie sein.“

Beschlussempfehlung offen

Zunächst werden nun nach Offenlegung der Kostenstelle Gespräche mit Bürgermeister Alfred Sonders und dem Stadtkämmerer geführt. „Anschließend werde ich den Kontakt mit den Nachbarkommunen aufnehmen. Dem nächsten Jugendhilfeausschuss am 8. Oktober wird ein Empfehlungsbeschluss vorgelegt.“ Wie dieser derzeit aussehen könnte, ist noch völlig offen.

Marion Timm zumindest ist froher Hoffnung. Ihrer Wahrnehmung nach war es ein „offenes und konstruktives Gespräch“ mit Spaltner. „Ich habe den Eindruck, dass Alsdorf schauen wird, was machbar ist. Derzeit wüsste ich auch keinen anderen Geldgeber“, sagt sie. Zu den bekannten Zahlen und der Finanzierung wollte sie keine Position beziehen.

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