Herzogenrath - Viele Bürger wollen Flüchtlingen helfen

Viele Bürger wollen Flüchtlingen helfen

Von: Beatrix Oprée
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Interessierte Zuhörer: Aus dem Publikum kamen gute Anregungen. Sogar Spenden wurden spontan gesammelt. Foto: Beatrix Oprée
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Standen ausführlich Rede und Antwort: (v.l.) EPHK Michael Koch, die Beigeordneten Ragnar Migenda und Birgit Froese-Kindermann, Bürgermeister Christoph von den Driesch und Fachbereichsleiter Jürgen Venohr. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. „Zeigen wir, dass wir in Herzogenrath Menschen sind, die Hilfesuchenden helfen. Gemeinsam schaffen wir das!“ Kräftigen Applaus erntete Bürgermeister Christoph von den Driesch am Montagabend bei der Informationsveranstaltung zur Einrichtung einer Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in der Turnhalle an der Waidmühl für diesen positiven Appell.

Rund 400 Menschen füllten die Fahrzeughalle der Feuerwache an der Sebastianusstraße. Die Grundstimmung war durchweg positiv, nachdem der Bürgermeister die Fakten über das Amtshilfeersuchen der Bezirksregierung in Sachen Flüchtlinge nochmals erläutert hatte.

Bis zu 150 Hilfesuchende, die immer nur wenige Tage oder Wochen bleiben, sind avisiert worden. Die ersten sollen am Mittwoch in noch nicht bekannter Zahl ankommen. Als Schlafstätte ist die Turnhalle hergerichtet worden. Und Zelte stehen auf dem Sportplatz bereit, zwecks Verpflegung und zum Aufenthalt tagsüber. Hier erfolgen auch die Registrierung und die medizinischen Untersuchungen.

Der Bürgermeister, seine Beigeordneten Birgit Froese-Kindermann und Ragnar Migenda sowie Erster Polizeihauptkommissar (EPHK) Michael Koch, Leiter des Bezirks- und Schwerpunktdienstes Nord, erläuterten organisatorische Details.

Eine der ersten Fragen aus dem Publikum umschrieb die Sorge bezüglich möglicher Übergriffe gegen die Asylsuchenden: „Wir wird der Wachdienst ausgesucht?“ In Frage komme nur zertifiziertes Personal, analog zu den vom Land verschärften Voraussetzungen, legte der Bürgermeister dar, dass entsprechende Wachdienste mittlerweile rar geworden seien: „Uns ist es aber gelungen, noch einen zu bekommen.“

Michael Koch, für den es die erste Infoveranstaltung dieser Art im Nordkreis war, kündigte zudem eine verstärkte Präsenz der Polizei vor Ort an. Und sprach im selben Atemzug die Bitte aus, alles Verdächtige, Personen oder fremde Autos, unverzüglich der Polizei zu melden, Kennzeichen zu notieren, vielleicht sogar unauffällig Handy-Fotos zu machen: „Sie wohnen ja hier und kennen sich am besten aus. Wir kümmern uns um jeden Hinweis.“

Auf die Frage nach einer Hotline für die Nachbarn verwies Koch auf die bekannten Rufnummern der Polizei: Telefon 02406/9577-0 oder im Notfall 110. Sein Appell: keine Vorurteile zu transportieren, sondern erst einmal abzuwarten, wer denn da überhaupt komme. Auch dafür gab es starken Applaus. Und noch eines betonte der Polizeivertreter: Was Stimmungsmache gegen Ausländer angehe, habe die Polizei auch Facebook und andere soziale Medien fest im Blick.

Warum nicht andere derzeit leerstehende Immobilien in der Stadt genützt würden, erklärte der Bürgermeister mit Hinweisen auf diverse Gegenargumente, unter anderem mangelndem Brandschutz. Aufwand und Nutzen der Herrichtung einer Immobilie gelte es immer abzuwägen, ergänzte Ragnar Migenda. Zu Gesamtkosten der Aufnahmestelle lasse sich noch nichts sagen, einer ganzen Reihe an flankierenden Ausgaben wegen: „Wir müssen sehen, was das Land trägt und was für uns übrig bleibt.“

„Wir unterstützen die größte humanitäre Hilfe seit dem Zweiten Weltkrieg, das finde ich super“, betonte ein Bürger. Aber wie werde das sprachliche Problem gelöst? Der Integrationsrat helfe aus, „doch wir sind für jede Unterstützung dankbar“, warb der Bürgermeister. Fachbereichsleiter Jürgen Venohr stellte auf Nachfrage noch klar: „Die Unterkunft ist keine Kasernierung.“ Die dort untergebrachten Menschen dürfen sich natürlich frei bewegen. Umso wichtiger sind Ansprache, Betreuung, Hilfestellung und Beschäftigung. Gleich mehrere Angebote, etwa sich der Kinder und Jugendlichen anzunehmen, kamen aus dem Publikum. Ein Gastwirt stellte sogar großzügig seinen Saal zur Verfügung, falls er für entsprechende Aktionen gebraucht werde. Auch das Vereinsheim lasse sich nutzen, hieß es. Sozialdezernentin Birgit Froese-Kindermann dankte für die ganzen Anregungen: „Wir müssen erst abwarten, welche Bedarfe da sind.“ Ende der Woche werde das sein, denn erst müssten die medizinischen Untersuchungen vollzogen sein.

Blieb dem Bürgermeister nach gut einer Stunde nur noch der Dank an alle Beteiligten und der abschließende Appell, Menschen einen menschenwürdigen Aufenthalt für den Übergang zu gewähren: „Bitte informieren Sie auch Ihre Nachbarn!“

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