Vetrotex-Gelände: In Einzelteilen zur Wiederverwertung

Von: Beatrix Oprée
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Mensch und Maschine: Die Abbru
Mensch und Maschine: Die Abbrucharbeiten auf dem ehemaligen Vetrotex-Gelände schreiten unermüdlich voran. Massive Metallteile werden mit dem Brenner von Hand zerteilt. Ansonsten leisten zehn Bagger ganze Arbeit. Fotos (3): Beatrix Oprée Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Unerbittlich umschließt die riesige Zange den Stahlträger, eine kurze Handbewegung im Führerhaus, und gewaltige Zähne packen zu, rupfen, reißen und ziehen das viele Kilo schwere Metallteil schließlich wie Butter aus der Wand.

Unermüdlich zerlegt der langarmige Bagger den einst stattlichen Fabrikaufbau in seine Einzelteile, gleicht dabei einem Urzeit-Saurus, der sich langsam aber sicher durch seine Umgebung frisst. „Pulverisierer” nennt Leonhard Hofer, der Polier, die mächtige Baggerzange prosaisch. „Der macht das Eisen betonfrei.” Mit der Asbestsanierung hatte die Räumung des rund 13 Hektar großen ehemaligen Vetrotex-Geländes an der Bicherouxstraße Mitte Dezember begonnen. Seither arbeiten sich zehn Bagger, unterstützt durch drei Radlader, Meter für Meter über das Gelände. Alles muss weg. Abrissbirnen hauen Ziegelwände ein, an allen Ecken und Enden recken sich die mechanischen Saurierhälse in die Trümmer, stopfen bergeweise verknotete Moniereisen zum Abtransport in Container, knautschen Aluverkleidungen zu bizarren Haufen und greifen vorwitzig nach Dachblechen und Türrahmen.

Platz für Neues

„Wir machen eben Platz für Neues”, verweist Leonhard Hofer lächelnd auf den Slogan seiner Firma: „Frauenrath? baut Ihre Zukunft”. Und weiß dabei auch, dass der Anblick des wachsenden Trümmerfeldes für viele mit Schwermut verbunden ist. Oft genug finden sich ehemalige Vetrotexaner als Zaungäste ein, Menschen, die Jahrzehnte lang dort ihre Brötchen verdient haben, wo jetzt haufenweise Schutt liegt. Hofer, der ehemalige Bergmann, hat es selbst durchlebt, als er vor zehn Jahren seinen einstigen Pütt, die Aufbauten der Zeche Sophia Jacoba, mit abgerissen hat. „So was fällt schon schwer.” Polier Hofer teilt sich die Koordinationsaufgaben vor Ort mit Kollege Michael Georgi von P&Z, die mit Frauenrath eine Arge gebildet hat, um den gewaltige Auftrag zu bewältigen. Und dabei sorgfältig Wertstoffe vom Abfall zu trennen. Der Pulverisierer spielt dabei eine Hauptrolle, alle Betonreste werden zermahlen und schließlich als Fundament wieder eingebaut. Keine Frage, dass das ganze, mit Nato-Draht gesicherte Gelände rund um die Uhr scharf bewacht wird.

Scharf bewacht

„Die Security-Leute haben beeindruckend große Doggen dabei”, hat sogar der Vorarbeiter Respekt. Diverse Einbruchsversuche sind bereits vereitelt worden.

In rund vier Wochen soll das Herzstück des einstigen Glasfilamente-Herstellers fallen, der 60 Meter hohe Schmelzofen. „Wir müssen erst ringsum Platz schaffen”, erklärt Leonhard Hofer. „Das wird nicht ganz einfach, aber gut zu bewältigen.” Denn harte Brocken gibt es für ihn einfach nicht.

Nur das Portierhaus wird (vorerst) stehen bleiben. Mehrere Blumentöpfe aus Vetrotex-Zeiten trotzen hier noch wacker Staub und Trockenheit. „Verlangen sie von Männern nicht, dass sie Blumen gießen”, grinst der Pförtner. Wenn der letzte Container abtransportiert ist, wird hier das Planungsbüro zur avisierten Vermarktung einziehen. Ende September soll das sein.
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