Verunsicherung bei Ehrenamtlern nicht spürbar

Von: Reinhard Granz
Letzte Aktualisierung:
11288176.jpg
Reinhard Granz, Leiter des Orga-Teams für Ehrenamtler in der Notunterkunft.

Nordkreis. In der Notunterkunft Alt-Merkstein kümmern sich mehr als 50 ehrenamtliche Helfer um die Flüchtlinge. Reinhard Granz, Leiter des Orga-Teams für Ehrenamtler in der Notunterkunft, berichtet von Hilfsbereitschaft und Struktur.

Wie ist die Stimmung im Team der freiwilligen Helfer?

Granz: In Herzogenrath nach wie vor ausgezeichnet, die Hilfsbereitschaft ist ungebrochen. Über 50 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer schenken den Flüchtlingen regelmäßig Hilfe, Zeit und Kraft. Sie wollen auch weiterhin helfen. Die Geld- und Sachspenden verdienen höchste Anerkennung und sind ebenfalls ein schönes Zeichen unserer Willkommenskultur.

Nach den Attentaten von Paris und nun folgenden Anti-Terror-Einsätzen: Haben Sie eine Verunsicherung im Umfeld der Betreuer oder Flüchtlinge festgestellt?

Granz: In der Notunterkunft befinden sich aktuell nur 24 Flüchtlinge, die von Niederaußem zurückgeschickt wurden. Meinen Informationen zufolge sind sie glücklich, wieder hier in Herzogenrath zu sein, weil sie sich hier gut betreut fühlen. Im Helferkreis des Orga-Teams war der Terror ein Randthema. Es war selbstverständlich klar, dass die Organisation der Hilfe weitergehen muss. Es war keinerlei Verstörung zu spüren.

Sie haben jetzt eine Handreichung für die ehrenamtlichen Helfer formuliert. Was sind Ihre Beweggründe dafür?

Granz: Die Handreichung enthält in knapper Form Informationen zur Notunterkunft und deren Funktion. Unterschiede zwischen den zugewiesenen Flüchtlingen und den Menschen in einer Erstaufnahme werden aufgezeigt. Dieses kleine Papier gibt Hinweise und Empfehlungen für die Helferinnen und Helfer, sie reichen vom Versicherungs- und Impfschutz für die Ehrenamtler bis zu elementaren Verhaltensregeln im Camp. Alles dient einerseits dem Schutz der Flüchtlinge, denen ein ganz kleiner Bereich von Privatsphäre erhalten bleiben muss, andererseits dem Schutz des Helferteams selbst. Mich freut sehr, dass dies problemlos in Abstimmung mit der Stadt Herzogenrath erfolgen konnte.

Es ist zweifellos großartig, was Sie und die vielen Helfer bereits geleistet haben. Ohne ehrenamtliches Engagement bundesweit wäre der Flüchtlingsstrom nicht zu bewältigen. Doch wie weit ist das Ehrenamt noch belastbar?

Granz: Ein bisschen stolz können die Herzogenrather durchaus sein. Wir haben ohne eine Blaupause oder Vorlage bereits eine gute Struktur und viele Angebote für unsere Gäste etablieren können. Gelegentlich scheint mir, dass der eine oder andere Helfer kürzer treten muss, aber nicht etwa, weil er nicht helfen will, er kommt vielmehr an seine Grenzen. Man darf das Ehrenamt nicht bis zum Anschlag ausreizen, die Helfer brauchen professionelle Unterstützung.

In welcher Form schwebt Ihnen eine solche Unterstützung vor?

Granz: Professionelle Unterstützung wäre so etwas wie ein Supervisionsangebot, eine Austausch- und Gesprächsmöglichkeit unter der Leitung eines ausgebildeten Experten. Das könnte zum Beispiel in Form eines Sprechstundenangebots erfolgen.

Anmerk. der Red.: Das DRK als Betreiber der Notunterkünfte in Herzogenrath, habe die Einstellung eines zusätzlichen Sozialarbeiters zugesagt. Mit einer Besetzung der Stelle sei spätestens bis Mitte Dezember zu rechnen, wie die Erste Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert