Versäumnisse der Integrationspolitik nachholen

Von: Elisa Zander
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Der Weg ist geebnet: Nun muss er beschritten werden. Foto: Stock/Blickwinkel

Herzogenrath. Integration und Bildung sowie Integration als Querschnittsaufgabe - diese Gebiete zu verbinden, ist das Ziel des kommunalen Integrationszentrums der Städteregion Aachen. Andrea Genten, die das Zentrum gemeinsam mit Timur Bozkir leitet, besuchte wie auch ihr Kollege verschiedene Ausschüsse der Nordkreiskommunen, war in Würselen, im Alsdorfer Integrationsrat sowie im Herzogenrather Ausschuss für Arbeit und Soziales.

Die neue Organisationseinheit, die am 1. Juli dieses Jahres die Arbeit aufgenommen hat, vereint die ehemalige Regionale Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschiche (RAA), das ‚Integrationsbüro sowie das Programm „Miteinander in der Städteregion Aachen“ und wird personell und finanziell vom Land gefördert.

Zwei Schwerpunkte habe man sich für die nächsten zweieinhalb Jahre gesetzt, sagte Andrea Genten im Ausschuss für Arbeit und Soziales in Herzogenrath: Älter werden in der Migrationsgesellschaft und Unterstützung der Schulen. „Wie möchten Menschen mit Migrationshintergrund älter werden? Gibt es Bestattungswünsche? Können bestehende Angebote interkulturell geöffnet werden?“, zählte Genten Fragen auf, die zentral beantwortet werden sollen.

Zum Thema „Vielfalt an Schulen“ organisiere man für den 11. Dezember eine Fachtagung – doch insgesamt sei bei diesem Thema mehr möglich und auch mehr notwendig. Als Beispiel nannte Genten die internationalen Förderklassen, in denen Schüler mit Migrationsgeschichte und keinen oder geringen Deutschkenntnissen eine Grundförderung bekommen, um sie dann in andere Schulen, Bildungs- oder Ausbildungsgänge zu integrieren. „Das Angebot ist ausbaufähig“, betonte Genten. Keine solcher Klassen gebe es an Gesamtschulen und Gymnasien, erst eine sei an einem Berufskolleg eingerichtet worden.

Zentrum mit Profil

„Ich bin beeindruckt, wie schnell sich das Zentrum mit einem eigenen Profil versehen hat“, sprach die Erste Beigeordnete, Birgit Froese-Kindermann, lobende Worte. Doch die Integration insgesamt, so der Tenor im Ausschuss, ist noch ausbaufähig. „Wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft, sieht, dass Kinder mit Migrationshintergrund durch die Schule geführt werden. Aber was ist mit den Älteren“, stieß Herbert Aretz (CDU) die Diskussion an. „Ich sehe die Gefahr, dass sie sich, beispielsweise Türken und Griechen, nur unter sich treffen.“ Anne Fink (Grüne) entgegnete: „Viele Ältere integrieren sich, aber sie wollen sich nicht assimilieren. Dass Menschen mit ihrer Kultur verbunden sind, ist normal und auch in Ordnung so.“

Dass vor allem Ältere besonders betroffen sind, wenn es um Integrationsfragen geht, zeige sich als Ergebnis „einer Jahre versäumten Integrationspolitik“, sagte Andrea Genten. Die habe sich in den vergangenen Jahren erst entwickelt und müsse weiter wachsen. „Da müssen Strukturen geschaffen werden, um den Integrationsprozess weiter anzuschieben.“ Darum habe man eben auch diesen Themenschwerpunkt gewählt und mit dem Integrationszentrum bereits erste Aktionen umgesetzt. Etwa zum Vorlesetag, als unter anderem in Baesweiler Menschen verschiedener Nationalitäten Geschichten ihrer Herkunftsländer vorlasen.

Günter Prast (SPD) kam auf den demografischen Wandel und die stärkere Nachfrage nach Pflegeplätzen zu sprechen. „Die Arbeiterwohlfahrt hat türkisch-stämmiges Personal beispielsweise in Altenpflegeheimen angestellt. Das wird aber nicht so angenommen, wie gedacht.“ Integration werde insgesamt schwieriger, weil die Notwendigkeit geringer werde. Man müsse nicht in große Supermärkte, da türkische Geschäfte ein breites Sortiment anbieten könnten.

Servicestelle für Kommunen

Man verstehe sich als Servicestelle für die Kommunen, erläuterte Genten. Seiteneinsteiger werden von den Mitarbeitern des Integrationszentrums beraten. Auch den Schulen greife man unter die Arme. Zum einen, um die geeignete Schulform für das Kind und den Jugendlichen zu finden. Zum anderen wolle man Angebote bündeln und etwa in Flyern zusammenstellen, um Qualifizierungsmaßnahmen für Lehrer darzustellen.

Der Abbau von Bildungsbarrieren – darunter fallen beispielsweise Behinderungen, Armut, fehlende oder unzureichende Sprachkompetenz – haben Priorität. „Schule muss sich dieser neuen Mentalität stellen“, forderte Andrea Genten. Und auch den damit verbundenen Herausforderungen. „Warum sind Englisch und Französisch anerkannte Sprachen und Türkisch zum Beispiel nicht? Ich denke, für sie wäre es einfacher, wenn die Menschen mit Migrationshintergrund ihre Muttersprache anerkannt bekommen würden.“

In diesen Themenschwerpunkt hinein fällt die Elternarbeit, die ebenfalls verbesserungswürdig sei. Eltern trauten sich nicht zu Elternabenden, weil sie die Sprache nicht beherrschen – „oder erst zum Gespräch geladen werden, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, nannte Genten Beispiele.

„Zur Integration kann man viel erzählen“, sagte Fehmi Tarasi, Vorsitzender des Integrationsrates, der dem Ausschuss als Gast beiwohnte. „Aber sie braucht Zeit.“ Der Integrationsverein funktioniere gut, eine Handvoll Deutscher käme regelmäßig zu Besuch – „und wir freuen uns sehr darüber“. Die Älteren fühlten sich allerdings etwas allein gelassen, da der Kontakt zu Kollegen abreiße.

Das, was man brauche, ist eine „wirkungsvolle Integration“, sagte Marie-Theres Sobczyk (CDU). Und die „beruht auf Bereitschaft. In Herzogenrath funktioniert das ganz gut.“ Ein Erfolg, der auf der Arbeit des Integrationsrates basiere.

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