Vereinssport droht ins Abseits zu geraten

Von: Karl Stüber
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„König Fußball“: Die Jagd nach dem Leder ist aber nur eine von vielen Möglichkeiten, Sport zu treiben. Foto: Imago/Ralph Peters
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Sie machen mit beim Stadtgespräch zum Thema Sport in Alsdorf: Josef Weitz, Vorsitzender des SV. Alemannia Mariadorf 1916 (l.), und Joachim Blume, Vorsitzender des Stadtsportverbands Alsdorf 1948. Foto: Stüber

Alsdorf. An der Wand empfängt und sendet ein Flachbildschirm Szenen eines Fußballspiels. Braunschweig wird an diesem Abend den Aufstieg in die 1. Bundesliga perfekt machen. Die Theke im Vereinsheim des SV Alemannia Mariadorf 1916 e.V. ist geöffnet, ein paar Gäste stärken sich mit Bier.

Draußen regnet es kräftig. Es ist Freitagabend. Eigentlich ein Wetter, um daheim zu bleiben. Aber das Vereinsheim der Landalemannen ist mehr als nur ein Vereinsheim. Es ist ein Treff für Mariadorfer. Feiern und andere Veranstaltungen finden hier schon mal statt, erzählt Vorsitzender Josef Weitz, der auch Kassenprüfer des Stadtsportverbands Alsdorf 1948 e.V. ist. Der Stadtsportverband nutzt diese Möglichkeit und kommt gerade in einem Nebenraum zu seiner Jahreshauptversammlung zusammen. Der Eindruck ist ein anderer.

Es sieht aus wie bei einer erweiterten Vorstandssitzung. Gerade einmal aufrechte 15 Herren und nicht minder engagierte 2 Damen sind es, die unter Vorsitz von Joachim Blume die Tagesordnung abarbeiten. Dabei soll laut Satzung der Zweck der Vereinigung der organisatorische Zusammenschluss aller Sport treibenden Vereine in Alsdorf sein und gemeinsame Interessen wahrnehmen. Aufgabe ist, das Sportleben in der Stadt Alsdorf zu fördern und zu aktivieren. Der Stadtsportverband vertritt die Interessen der ihm angeschlossenen 58 Vereine gegenüber den Behörden und in der Öffentlichkeit.

Reichlich Gründe also, den Stadtsportverband seitens der Aktionsgemeinschaft Stadtmarketing und unserer Zeitung zum Stadtgespräch am 15. Mai einzuladen, Thema „Sport in Alsdorf“ (siehe Info). Aber offenbar sind Akzeptanz und Rückhalt für den Stadtsportverband in den Sportvereinen nicht sonderlich ausgeprägt. Hans-Werner Feck bringt das in seinem Kassenbericht auf den Punkt: „Wir sind eine Zwischenstufe zwischen den Vereinen und dem Regiosportbund.“

Aber Vereine halten sich mit Beiträgen zurück. Auch die Unterstützung durch die Stadt ist überschaubar. Der eigentlich im vergangenen Jahr fällige Zuschuss in Höhe von 1700 Euro wurde erst 2013 überwiesen. Und bei der letzten Jahresversammlung knöpfte die Alsdorfer Freizeitobjekte GmbH (Foga), eine Tochter der Stadt, dem Stadtsportverband 178 Euro ab. Das ist Auslöser gewesen, fortan gratis in den Einrichtungen angeschlossener Vereine ohne Mietkosten zu tagen, jetzt also bei Alemannia Mariadorf.

Vereinsfunktionär und SPD-Stadtverordneter Friedhelm Krämer wirbt um Verständnis, beschreibt die angespannte finanzielle Lage der Kommune, verteidigt die geplante Erhöhung von Grundbesitzabgaben und Gewerbesteuern gerade mit Blick auf die Sicherung freiwilliger Ausgaben und die Vereinsförderung. Krämer wünscht sich, dass Vertreter von Sportvereinen durch Teilnahme an Ratssitzungen ihrerseits mehr Interesse an der kommunalpolitischen Arbeit zeigen.

Alexandra Thevis vom Regiosportbund Aachen ergreift das Wort. Der Regiosportbund (RSB) Aachen hat satzungsgemäß die Aufgabe, dass „alle in der Städteregion ansässigen Sportvereine ihren Vereinsmitgliedern den gewünschten Sport unter zeitgemäßen Bedingungen anbieten können und die Mitglieder der Sportvereine ihren Sport ausüben können“. Thevis berichtet von dem schwierigen Unterfangen von Vereinen, bei den Angeboten der freiwilligen Offenen Ganztagsschule (OGS) zum Zuge zu kommen.

Der RSB begleitet und unterstützt Vereine dabei, bietet Hilfestellung bei Gesprächen mit Schulen. Ja, es gibt auch gute Beispiele, ist von Friedhelm Krämer zu hören. Aber es überwiegt der Eindruck, als wenn Vereine drohen auf der Strecke zu bleiben. Fördervereine der Schulen blockierten, manche Schulleiter täten sich schwer, Sportvereine einzubeziehen. Die Kids würden ins Schulleben immer enger einbezogen, haben immer weniger Zeit, zu den üblichen Trainingszeiten Vereinsangebote wahrzunehmen.

Unverdrossen bereitet der Stadtsportverband Alsdorf eine Neuauflage eines immer noch erfolgreichen Klassikers vor: die Aktion Sportabzeichen, die unter dem Motto „Steile Wege lassen sich nur durch Umwege erklimmen“ am Mittwoch, 8. Mai, offiziell startet (siehe Info). Kritik wird aber laut an zu viel realitätsferner Bürokratie auch am Landessportbund. Wenn das so weitergeht, wird es immer schwieriger, Ehrenamtler zu finden, ist zu hören.

Gastgeber Weitz, sagt, es werde immer weniger (an-)erkannt, was von Sport gesellschaftlich abhängt. Dabei steht Alemannia Mariadorf vergleichsweise noch recht gut da. Rund 600 Mitglieder zählt der Traditionsverein, darunter gut 260 in der Jugendabteilung, sagt Weitz. Gute Voraussetzungen dafür, 2016 das 100-jährige Bestehen zu feiern.

Ideen für das Programm hat Weitz schon.

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