Vereine müssen Nichtraucherschutzgesetz ab dieser Session einhalten

Von: Elisa Zander
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Aschenbecher im Saal während der Karnevalssitzung: Im Pfarrheim St. Sebastian war das seinerzeit noch erlaubt. Doch es ist ein Bild, das nun der Vergangenheit angehört. Foto: Wolfgang Sevenich

Nordkreis. Die Zigarettenschachtel liegt auf dem Tisch. Einige Glimmstängel fehlen bereits. Der Besitzer reicht das Päckchen herum, bietet sie an. Nur die Nichtraucher am Tisch lehnen dankend ab. Der beißende, blaue Dunst, der in der Luft hängt, ist für die meisten schon zu viel. Szenarien, wie sie bei Karnevalssitzungen üblich waren.

Mittlerweile haben sich mit dem Nichtraucherschutzgesetz die Gegebenheiten geändert. Wer rauchen will, muss vor die Tür, sogar vor das Gebäude. Teilweise, wenn eine Veranstaltung in der Schule stattfindet etwa, hat man sogar das Gelände zu verlassen. Wie wirkt sich das auf die Veranstaltung aus? Karnevalssitzungen vor halbleerem Saal?

Vereine im Nordkreis betrachten die mit dem Gesetz einhergehenden notwendigen Maßnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln.

Als „zweischneidiges Schwert“ beschreibt Ralf Kever, Vize-Präsident der Karnevalsgesellschaft (KG) Au Ülle, die Situation. „Es ist merklich, dass die Luft in der Veranstaltungsstätte besser ist. Als Programmgestalter ist es aber sehr schwierig, das Laufpublikum zu kompensieren.“ Etwa bei Rednern. Ständiges Stühle-Rücken und die dadurch entstehende Bewegung „ist eher störend“. Kever hat aber auch das Gefühl, beschreibt er, dass die Zahl der Raucher insgesamt zurückgehe.

Raucherpausen eingeführt

Diese Unruhe empfindet auch Antoni Messias, Vorsitzender der KG Narrenzunft Baesweiler. „Für den Sitzungskarneval ist das tödlich“, sagt er über das Rauchverbot. Darum sei man dazu übergegangen, Raucherpausen nach zwei Stunden Programm einzuplanen – vorausgesetzt das klappt mit den Künstlern. „Man hat natürlich zwischendurch immer welche, die Rauchen gehen.“ Bei einem Guido Cantz oder Marc Metzger werde das eher nicht passieren. „Das ist natürlich schwierig für unbekanntere Künstler.“

Schon 2013 hatte die KG Au Ülle ihre Sitzung rauchfrei gestalten müssen, da sie in der Aula des städtischen Gymnasiums stattfindet. Bei den Kindersitzungen wird diese Form „schon seit mehreren Jahren praktiziert. Wo viele Kinder sind, muss nicht geraucht werden.“ Aktiver Nichtraucherschutz versteht der Karnevalist als Muss – „aber in Verbindung mit größeren Sicherheitsaspekten und den neuen Anforderungen zur Gema wird es immer schwieriger für mittelständische Vereine wie uns“.

Rauchfrei wegen des Veranstaltungsortes sind auch die Sitzungen der KG Burgwache Alsdorf, die in diesem Jahr ihr 6x11-jähriges Jubiläum feiert. „Das ist eine gute Lösung“, findet Vorsitzender Werner Feck, „denn es treten ja auch Kinder und Jugendliche auf. Da muss man nicht unbedingt den Saal vollqualmen.“ Schon oft hat Feck in den vergangenen Jahren von Gast-Vereinen gehört, wie angenehm die Luft bei der Sitzung sei. „Man merkt an den Mariechen auch, dass ihnen das mehr zusetzt“, erzählt der Vorsitzende.

Keine Zigaretten auf dem Gelände

So gesehen ist der Verein von der Gesetzesänderung nicht betroffen, wie manch anderer Verein. Schwierig sei lediglich, dass auch auf dem Gelände der Gesamtschule nicht geraucht werden dürfe. Widersetzt man sich den Auflagen, können Bußgelder von mehreren hundert und tausend Euro drohen. Und einen alternativen Veranstaltungsort wie das Energeticon oder die Stadthalle „sind für uns preislich nicht tragbar“, sagt Feck. Und Vereinsheime sind für die Sitzungen zu klein. „Wir haben einen Verein zu Besuch, der mit hundert Leuten aufmarschiert. Da wäre der Saal in Alsdorf-Ost zum Beispiel schon voll – und nicht nur die Bühne“, sagt Feck und lacht.

Einen Rückgang im Kartenverkauf hingegen macht sich bei der KG Narrenzunft bemerkbar. „Wir haben etwa 40 bis 50 Karten weniger verkauft wegen des Verbots“, sagt Messias. Damit das nicht passiert, hat die KG aus Würselen gemeinsam mit dem 1. Würselener Karnevalsverein ein Raucherzelt angeschafft, das bei den jeweiligen Sitzungen vor dem Veranstaltungsort steht – und damit werben sie auch.

Weitere Forderungen

Doch nicht nur der Nichtraucherschutz stellt die Vereine vor Herausforderungen. Auch die mit der Veranstaltungsstättenverordnung einhergehenden Forderungen machen es ihnen nicht leicht. Notausgänge, Sicherheitspersonal, Rettungswege, Abstand der Tische und Stühle – auf all das muss genaustens geachtet werden, zählt Kever auf. „Teilweise mussten wir Equipment neu anschaffen, weil es gewissen Standards entsprechen muss.“ Dekorationsartikel beispielsweise und Bühnenstoffe. „Das geht natürlich alles nicht ohne Geld.“ Geld, das der Verein stellen muss. „Man ist natürlich selbst auch in der Verantwortung“, sagt Kever. Ein Grund mehr, die Anforderungen umzusetzen. „Im Grunde sind es Kleinigkeiten, aber die Summe der Dinge macht es aus.“

In den Vereinen ist man jedoch auf einem guten Weg. Schließlich wollen alle die Gemeinschaft und auch das Brauchtum aufrecht erhalten. Auch, wenn es mit den gesamten Vorgaben insgesamt schwierig ist.

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